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MELDUNG/006: Mikkel Kessler künftig von Jimmy Montoya trainiert (SB)



Konsequenzen aus der unverhofften Niederlage gegen Andre Ward

In der Hoffnung, im Turnier der sechs namhaften Supermittelgewichtler der ihm zugedachten Favoritenrolle fortan gerecht zu werden, setzt Mikkel Kessler künftig auf die Dienste von Trainer Jimmy Montoya. Der US-Amerikaner gehörte schon vorher dem Team des Dänen an, doch trägt er ab sofort die Hauptverantwortung für die Vorbereitung auf den nächsten Kampf. Beim Auftritt des "Viking Warriors" gegen den britischen WBC-Weltmeister Carl Froch soll Montoya in der Ecke Kesslers stehen. Der bisherige Cheftrainer Ricard Olsen wird sich künftig auf andere Sportler konzentrieren. Kesslers Berater Simon Lundt Hansen kommentierte die Umstellung mit den Worten, es sei eine schwierige Entscheidung gewesen: "Aber wir glauben, es ist der richtige Schritt." Montoya, der unter anderem den legendären mexikanischen Federgewichtler Salvador Sanchez trainiert hat, soll den Dänen besser auf die amerikanischen Boxer einstellen und ihn nicht zuletzt mit deren mitunter schmutzigen Tricks vertraut machen.

In der ersten Runde des Turniers hatte Arthur Abraham, der wie Mikkel Kessler bei Promoter Wilfried Sauerland unter Vertrag steht, in Berlin den US-Amerikaner Jermain Taylor durch K.o. besiegt und sich damit drei Punkte in der Turnierwertung gesichert. WBC-Champion Carl Froch setzte sich vor heimischem Publikum gegen Andre Direll aus den USA nach Punkten durch, worauf Andre Ward zu Hause in Oakland überraschend gegen Mikkel Kessler gewann und durch diesen Sieg neuer WBA-Champion im Supermittelgewicht wurde. Abraham, der das Feld der sechs Teilnehmer anführt, bekommt es am 6. März in Palm Springs mit Andre Direll zu tun, während per Losentscheid Mikkel Kessler und Carl Froch zusammengeführt wurden. Wie dessen Promoter Mick Hennessy bekanntgab, sollen die beiden am 17. April in Dänemark aufeinandertreffen.

Am 21. November 2009 verlor Mikkel Kessler seinen Auftaktkampf in den Vereinigten Staaten vor 10.277 Zuschauern in der Oracle Arena von Oakland gegen den unerwartet auftrumpfenden Lokalmatador Andre Ward, der seine Turnierteilnahme vor allem dem Olympiasieg verdankte und als Außenseiter galt. Der 25jährige Herausforderer boxte wendiger und variabler als der statisch agierende Däne und arbeitete einen deutlichen Punktvorsprung heraus.

Allerdings fügte er Kessler im Eifer des Gefechts mit einem Kopfstoß eine Verletzung unter dem rechten Auge zu, die in der Folge zu einer Rißwunde führte. Der Ringrichter hätte eingreifen und Wards Klammern und Wühlen monieren müssen, das zu diversen Ellbogenstößen und dem mißlichen Kopfstoß führte. Reiss ließ seinen Landsmann jedoch ungehindert gewähren, was zu weiteren problematischen Situationen und letztlich zum vorzeitigen Abbruch führte.

Als der 30 Jahre alte Titelverteidiger in der achten Runde seine Gefährlichkeit andeutete, mußte er durch einen weiteren Kopfstoß eine blutende Rißwunde über dem linken Auge hinnehmen, die ihn in der Folge behinderte. Ein blutender Cut über dem rechten Auge, wiederum verursacht durch den Kopf seines Gegners, in der zehnten Runde leitete schließlich das Ende ein. Kessler stemmte sich im elften Durchgang gegen die drohende Niederlage, doch konsultierte der Referee etwa zur Hälfte dieser Runde den Ringarzt, worauf der Kampf abgebrochen wurde. Andre Ward gewann durch einen technischen Punktsieg, der zwar aufgrund seiner beeindruckenden Kampfesweise verdient war, jedoch andererseits den bitteren Beigeschmack vom Ringrichter begünstigter unzulässiger Aktionen des späteren Siegers hatte.

Schon im Vorfeld des Kampfs war es zum Streit um die Kampfrichter gekommen, da der Vertrag des Super-Six-Turniers deren Herkunft aus neutralen Ländern vorsieht. Dennoch setzten die Gastgeber den in Kalifornien ansässigen Jack Reiss als Ringrichter ein, der dann die regelwidrigen Aktionen des Lokalmatadors geflissentlich übersah.

Andre Ward blieb weiter ungeschlagen und verbesserte seine Profibilanz auf 21 Siege, wobei er seinem Olympiasieg den Gewinn des WBA-Titels hinzufügte. Seine letzte Niederlage, die er zu Anfang seiner Amateurlaufbahn bezog, liegt mehr als zehn Jahre zurück. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen hatte er sich souverän durchgesetzt und unter anderem im Viertelfinale den russischen Weltmeister Ewgeni Makarenko besiegt.

Mikkel Kessler mußte in seinem 44. Profikampf die zweite Niederlage einstecken, Andre Ward den Titel überlassen und einen Rückstand im Turnier hinnehmen, den es nun aufzuholen gilt. Zuvor hatte der Däne nur gegen den Waliser Joe Calzaghe im Jahr 2007 knapp nach Punkten verloren. Bald darauf holte er sich den dabei verlorenen WBA-Titel zurück, den er von dieser kurzen Unterbrechung abgesehen seit 2004 in seinem Besitz hatte.

7. Januar 2010



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