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MELDUNG/020: Sylvesters Gegner stolpert über Dopingtest (SB)



Neuer Herausforderer des IBF-Weltmeisters im Mittelgewicht gesucht

Wie der Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Sauerland Event, Chris Meyer, mitgeteilt hat, wird der als Herausforderer vorgesehene Pablo Navascues nicht am 30. Januar gegen Sebastian Sylvester antreten. Da der Spanier bei einer unangemeldeten Dopingkontrolle positiv getestet wurde, soll der IBF-Weltmeister im Mittelgewicht seinen Titel am vorgesehenen Termin gegen einen anderen Gegner verteidigen. Sauerland Event war demnach vom Faustkämpferverband Austria, der bei den Veranstaltungen des Boxstalls die Aufsicht hat und federführend ist, über den positiven Dopingbefund informiert worden. In Absprache mit dem Fernsehpartner ARD habe man sich umgehend entschlossen, nach einem neuen Herausforderer zu suchen und die Veranstaltung im Jahnsportforum Neubrandenburg mit dieser Änderung durchzuführen.

Sebastian Sylvester zeigte sich angesichts seiner intensiven Vorbereitung auf den Spanier enttäuscht über die erforderliche Umstellung. Er räumte jedoch ein, daß nun einmal Richtlinien existierten, an die sich alle halten müssen. Er selbst sei ebenfalls unangemeldet auf verbotene Substanzen getestet worden, und unmittelbar nach dem Kampf werde eine weitere Kontrolle durchgeführt. Entscheidend sei letztlich, daß sein Auftritt am 30. Januar nicht ausfällt und er vor dem begeisterungsfähigen Neubrandenburger Publikum boxen könne.

Im Jahnsportforum kommt es zudem zu einer Reihe attraktiver Duelle im Schwergewicht. So trifft der 26 Jahre alte Robert Helenius mit einer Bilanz von zehn gewonnenen Profikämpfen auf den früheren Weltmeister Lamon Brewster. Beide stehen bei Sauerland unter Vertrag, weshalb diese Begegnung zwischen dem aufstrebenden jungen Boxer mit schwedischem und finnischem Paß und dem in Deutschland populären Routinier aus den USA problemlos möglich ist. Der von Ulli Wegner trainierte Skandinavier ist sich natürlich im klaren darüber, daß er noch nie mit einem derartigen Kaliber im Ring gestanden hat. Er sei jedoch gut vorbereitet, fühle sich ausgezeichnet und werde versuchen, seine größere Reichweite auszunutzen, um den Gegner auf Distanz zu halten. Helenius gewann zuletzt am 7. November in Nürnberg gegen den Ukrainer Taras Bidenko durch technischen K.o. in der dritten Runde.

Für den 36jährigen Lamon Brewster stehen 35 Siege und fünf Niederlagen zu Buche. Er katapultierte sich einst an die Spitze, als er am 10. April 2004 in Las Vegas überraschend Wladimir Klitschko in der fünften Runde besiegte und damit neuer Weltmeister der WBO wurde. Es folgten drei Titelverteidigungen gegen Kali Meehan, Andrew Golota und Luan Krasniqi, doch mußte sich der US-Amerikaner im April 2006 dem Weißrussen Sergej Liachowitsch und später auch Wladimir Klitschko bei einer Revanche in Köln geschlagen geben.

Da Gefahr bestand, Brewster könne gesundheitlichen Schaden nehmen und möglicherweise sogar sein Augenlicht verlieren, schien er sich danach aus dem Boxsport zurückgezogen zu haben. Nach dreizehn Monaten Pause kehrte er jedoch in den Ring zurück und besiegte in Cincinnati seinen Landsmann Danny Batchelder sowie im März 2009 Michael Sprott. Brewsters Hoffnung, er könne in absehbarer Zeit erneut um einen Titel kämpfen, erlitt einen bösen Dämpfer, als er im August letzten Jahres in Halle (Westfalen) dem Nigerianer Gbenga Oloukun überraschend nach Punkten unterlag. Der 36jährige muß in Neubrandenburg unbedingt gewinnen, doch will ihm Helenius beim bislang bedeutendsten Kampf seiner Karriere einen Strich durch die Rechnung machen.

Ebenfalls im Schwergewicht bekommt es der erfahrene René Dettweiler mit dem jungen Edmund Gerber zu tun. Die beiden kennen einander aus früheren Trainingseinheiten, wobei Dettweiler mit seiner Bilanz von 25 Siegen in 27 Profikämpfen die Favoritenrolle zufällt. Der von Otto Ramin trainierte 26jährige hatte sich zuletzt am 17. Oktober in der Berliner o2 World klar nach Punkten gegen Brewster-Bezwinger Gbenga Oloukun durchgesetzt und rückte dank dieses Sieges auf Platz sieben der WBO und Rang 15 bei der WBA vor.

Der erst 21 Jahre alte Edmund Gerber gewann bei seinem letzten Auftritt am 7. November in Nürnberg gegen Shawn McLean aus den USA durch technischen K.o. in der ersten Runde und verbuchte damit den neunten Sieg in ebenso vielen Profikämpfen. Sollte er Dettweiler bezwingen, könnte er sich unter den Top 15 der Weltrangliste plazieren.

Und schließlich gibt in Neubrandenburg auch Kuprat Pulev eine Kostprobe seines Könnens, auf den Sauerland mit Blick auf die Zukunft große Stücke setzt. Der Bulgare tritt im Jahnsportforum gegen Oleg Platov an, der es bislang nicht zum Hauptkämpfer gebracht hat und daher in diesem Duell als Außenseiter gehandelt wird.

22. Januar 2010



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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