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MELDUNG/024: Wladimir Klitschko im Düsseldorfer Stadion gegen Eddie Chambers (SB)


Bei der Titelverteidigung werden 51.000 Zuschauer erwartet


Weltmeister Wladimir Klitschko verteidigt die Titel der Verbände WBO, IBF und IBO im Schwergewicht am 20. März im Düsseldorfer Stadion vor rund 51.000 Zuschauern gegen Pflichtherausforderer Eddie Chambers aus Philadelphia in den USA. Bei seinem letzten Auftritt im Juni 2009 hatte sich der Ukrainer vor 61.000 Fans in der Gelsenkirchener Arena gegen Ruslan Tschagajew aus dem Hamburger Universum-Boxstall mit technischem K.o. in der neunten Runde durchgesetzt. Danach mußte er sich einer Operation unterziehen, die eine längere Pause erforderlich machte.

Seinen bislang einzigen Kampf in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gewann Klitschko im Juli 1999 in der Philipshalle gegen Joseph Chingangu aus Sambia. "Ich freue mich riesig, wieder in den Ring zu steigen. An Düsseldorf habe ich sehr gute Erinnerungen, meinen bisher einzigen Kampf dort habe ich klar gewonnen. Der Kampf findet in einem gigantischen Stadion statt, und ich freue mich jetzt schon auf die Kulisse. Das gibt mir einen zusätzlichen Kick", sagte der 33jährige Champion.

Wie Bernd Bönte, Managing Director der Klitschko Management Group, erklärte, sei die Esprit Arena ein hochmodernes Stadion. "Wir freuen uns, erneut einen Kampf in einem Fußballstadion veranstalten zu können. Zusammen mit den Verantwortlichen der Arena, die uns in jeder Hinsicht voll unterstützen, planen wir einen großartigen Event mit günstigen Preisen und rechnen mit einem ausverkauften Stadion."

"Chambers ist zur Zeit klar der beste US-Amerikaner im Schwergewicht und steht nicht ohne Grund an Nummer eins der Weltrangliste", zeigte sich Klitschko vor den Qualitäten seines Gegners gewarnt. Der 27 Jahre alte Herausforderer besiegte im Juli 2009 der körperlich weit überlegenen Ukrainer Alexander Dimitrenko aus dem Universum-Boxstall in einem Ausscheidungskampf klar nach Punkten und qualifizierte sich damit für das Duell mit Klitschko. "Ich habe mir diesen WM-Kampf hart erarbeitet. Genauso wie ich Dimitrenko überrascht habe, werde ich Klitschko überraschen und mir seine drei Gürtel holen. Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen", gab sich Chambers selbstbewußt. "Klitschko mag für die meisten der Favorit sein, aber ich weiß, was ich kann, und hole seine Gürtelsammlung in die USA."

Während für Wladimir Klitschko vor seiner achten Titelverteidigung 53 Siege (47 K.o.) und drei Niederlagen zu Buche stehen, hat Eddie Chambers 35 Kämpfe gewonnen (18 K.o.) und einen verloren. Der US-Amerikaner ist Pflichtherausforderer des Verbands WBO. Seine einzige Niederlage bezog Chambers im Januar 2008 gegen den Russen Alexander Powetkin aus dem Sauerland-Boxstall, der ihn in Berlin nach Punkten besiegte. Seither hat der US-Amerikaner fünf Kämpfe in Folge gewonnen.

Der 1,85 Meter große "Fast" Eddie Chambers ist ein sehr beweglicher, technisch und taktisch versierter Schwergewichtler. Klitschko auszuboxen, dürfte jedoch kaum möglich sein, während der Ukrainer erfahrungsgemäß mit aggressiv zu Werke gehenden und wirksam schlagenden Gegnern die größten Probleme hat. Das trifft für Chambers nicht zu, der nur die Hälfte seiner Siege vorzeitig erzielt hat. Unterschätzen darf ihn der Ukrainer dennoch nicht, zumal Chambers vor dem favorisierten Alexander Dimitrenko bereits den ehemaligen WBC-Champion Samuel Peter ebenfalls klar nach Punkten bezwungen hatte.

Wladimir Klitschko und Eddie Chambers kennen einander recht gut, da der US-Amerikaner Sparringspartner des Ukrainers vor dessen Kampf gegen Calvin Brock im November 2006 war. Klitschko gewann damals durch K.o. in der siebten Runde, worauf sich Chambers im November 2008 knapp mit 2:1 nach Punkten gegen Brock durchsetzte. Wie der Amerikaner heute einräumt, habe er seinerzeit große Probleme mit Klitschkos Kampfesweise gehabt. Er selbst sei damals undiszipliniert und zufrieden mit dem Erreichten gewesen, so daß er keine Fortschritte mehr gemacht habe. Inzwischen habe er jedoch seine Einstellung geändert, arbeite hart an Verbesserungen und sei sowohl körperlich als auch mental erheblich stärker geworden.

Der Puertoricaner John Ruiz war 2005 Weltmeister der WBA im Schwergewicht. Im folgenden Jahr hatte Hasim Rahman den Titel des WBC und Chris Byrd die Trophäe der IBF in seinem Besitz. Im Juni 2007 wurde Shannon Briggs für kurze Zeit Champion der WBO, worauf kein gebürtiger US-Amerikaner mehr in der Königsklasse des Boxens an der Spitze stand. Der Brite David Haye ist seit seinem Sieg über Nikolai Walujew Weltmeister der WBA, während sich die Brüder Klitschko die restlichen Titel teilen. Haye wird möglicherweise Anfang April gegen den 38 Jahre alten John Ruiz antreten.

Chambers weiß nur zu gut, daß die Hoffnungen seiner Landsleute auf ihm ruhen, da er gegenwärtig der einzige US-Schwergewichtler mit gewissen Titelchancen ist. Wer mit diesem Druck nicht umgehen kann, sei nicht reif für einen Kampf um die Weltmeisterschaft, erklärt der Amerikaner. Im Ring zähle für ihn nur noch der Gegner. Er habe diesen Weg schon sehr lange beschritten und werde den Trend im nächsten Kampf fortsetzen.

Der 65 Jahre alte Murray wurde nach der Niederlage gegen Alexander Powetkin Cheftrainer des Teams um Eddie Chambers. Er beobachte Wladimir Klitschko seit mehr als fünf Jahren und habe Chambers zum Sparring mit Hasim Rahman, Monte Barrett, John Ruiz und Klitschko geschickt, um ihn mit den stärksten verfügbaren Kontrahenten zu konfrontieren. Die körperliche Überlegenheit des Ukrainers sei nicht zwangsläufig der entscheidende Faktor, meint der Trainer und verweist auf den American Football. Dort wiege der Abwehrspieler, der die letzte Verteidigungslinie halten muß, kaum mehr als 90 Kilo. Er müsse vor allem schnell, agil und wachsam sein, um das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden, und genau das habe man gegen Wladimir Klitschko vor.

26. Januar 2010



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