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MELDUNG/029: Erste erfolgreiche Titelverteidigung Sebastian Sylvesters (SB)



IBF-Weltmeister im Mittelgewicht besiegt Billy Lyell

Rund 4.500 Zuschauer im restlos ausverkauften Neubrandenburger Jahnsportforum und in der Spitze 4,83 Millionen bei der Übertragung im ZDF wurden Zeuge der ersten erfolgreichen Titelverteidigung Sebastian Sylvesters. Der 29 Jahre alte IBF-Weltmeister im Mittelgewicht aus dem Berliner Sauerland-Boxstall setzte sich durch technischen K.o. in der zehnten Runde gegen Billy Lyell aus den USA durch und erzielte damit den 33. Sieg im 36. Profikampf. Der US-Amerikaner, dessen Trainer Jack Loew auch den Mittelgewichtsstar Kelly Pavlik betreut, bezog im 29. Kampf die achte Niederlage.

Obwohl sich der Greifswalder kurzfristig auf einen neuen Gegner einstellen mußte, da der ursprünglich vorgesehene Herausforderer Pablo Navascues bei einer unangemeldeten Dopingkontrolle positiv getestet worden war, zeigte er keine Unsicherheit. Zum Auftakt des Kampfs setzte der US-Amerikaner häufig seine Führhand ein, um Sylvester nicht zum Zug kommen zu lassen, und ergänzte diese Vorgehensweise durch schnell geschlagene Kombinationen. Der Weltmeister zeigte ebenfalls einige gute Aktionen und kam dann in der zweiten Runde besser mit dem Herausforderer zurecht, der in einer Situation sogar kurzzeitig angeschlagen wirkte. Der 25jährige Lyell hielt in der Folge tapfer mit, doch waren seine Möglichkeiten offensichtlich zu begrenzt, um Akzente zu setzen, so daß Sylvester über lange Strecken das Geschehen im Ring dominierte.

Nach einer ruhigeren Phase erhöhte der Titelverteidiger von der siebten Runde an wieder den Druck und brachte seinen Gegner nun immer häufiger in Schwierigkeiten. Der Amerikaner schien müde zu werden und hielt die Deckung inzwischen so tief, daß Sylvester seine Kombinationen landen konnte. In der Pause zur achten Runde forderte Trainer Jack Loew von seinem Boxer, daß jetzt mehr kommen müsse, da er ihn andernfalls aus dem Kampf nehmen werde. Daraufhin legte Lyell in den folgenden drei Minuten zu, doch geriet er im nächsten Durchgang schon wieder in die Defensive. Als die Gegenwehr Lyells nahezu zum Erliegen kam, gab sein Trainer Jack Loew in der zehnten Runde das Zeichen zur Aufgabe. "Er hat Billy immer wieder getroffen. Es war unsinnig, ihn weiterboxen zu lassen", begründete der Trainer anschließend seine umsichtige Entscheidung.

Zum erfolgreichen Auftritt Sebastian Sylvesters trug einmal mehr das begeisterungsfähige Neubrandenburger Publikum bei, das den Greifswalder immer wieder mit Sprechchören stürmisch anfeuerte und jede gelungene Aktion bejubelte. Der Weltmeister bedankte sich für die Unterstützung durch die Zuschauer, die sich trotz Sturm und Schnee auf den Weg gemacht hatten, um seinen Auftritt zu sehen.

Wie der IBF-Champion selbstkritisch anmerkte, habe er sich vielleicht etwas zu viel vorgenommen, da er vor heimischem Publikum besonders glänzen wollte. Um vorzeitig zu gewinnen, habe er zu sehr auf seine Rechte gesetzt und zeitweise nicht locker genug geboxt. Trainer Karsten Röwer bestätigte, daß sein Schützling den Sieg zu verbissen erzwingen wollte. Wenn die Rechte zu fest sei, komme sie nur geschoben und nicht locker genug, um Wirkung zu erzielen. Auch habe Sebastian zu eng am Gegner gestanden. Röwer lobte die Nehmerqualitäten Lyells, der immer wieder versucht habe, die Distanz zu verkürzen.

Billy Lyell zeigte sich hinterher enttäuscht, da er sich von seinen schnellen Schlagserien mehr erhofft hatte. Sylvester sei ein starker Kämpfer, habe sehr hart geschlagen und ihn immer wieder an derselben Stelle getroffen. Der Manager des Herausforderers, Pat Nelson, meinte sogar, daß Sylvester inzwischen auch Felix Sturm besiegen würde, der sich bei ihrem ersten Duell klar durchgesetzt hatte. Bevor der Greifswalder noch einmal an Sturm denken kann, muß er seinen Titel gegen den Ranglistenersten Roman Karmazin verteidigen.


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Karo Murat macht kurzen Prozeß mit Sean Corbin

Karo Murat hat in Neubrandenburg den Intercontinentaltitel der WBO im Halbschwergewicht durch technischen K.o. in der zweiten Runde gegen Sean Corbin aus Guyana erfolgreich verteidigt. Der 26 Jahre alte Schützling Trainer Ulli Wegners blieb damit auch in seinem 21. Kampf ungeschlagen und hat nun dreizehn Auftritte vorzeitig gewonnen.

In der ersten Runde setzte Murat den Herausforderer soweit unter Druck, daß sich dessen Schwächen abzeichneten. Nachdem der Titelverteidiger Maß genommen hatte, traf er Corbin im zweiten Durchgang mit einem linken Haken, der den Guayaner zu Boden schickte. Dieser kam noch einmal auf die Beine, wurde aber von dem nachsetzenden Murat so heftig bedrängt, daß ihn eine weitere Linke erneut auf die Bretter schickte. Damit war der Kampf so gut wie gelaufen, da der Herausforderer weitere Treffer einstecken mußte und schließlich schwer angeschlagen in den Seilen hing, worauf Ringrichter Mickey Vann den Kampf zu Recht abbrach.

Wie Karo Murat nach seinem überzeugenden Auftritt sagte, habe er den Gegner gut analysiert. Er habe mit seinem Trainer abgesprochen, in der ersten Runde abzuwarten. In der zweiten Runde habe er dann zugelegt und gewonnen. Nun hoffe er, bereits in diesem Jahr um die Weltmeisterschaft kämpfen zu können. Ulli Wegner lobte seinen Schützling und teilte dessen Einschätzung, daß man schon in der ersten Runde sehen konnte, wo die Schwächen des Gegners lagen. Karo müsse in solchen Situationen natürlich die Übersicht behalten und habe das ganz ordentlich gemacht. Er sei im Training sehr fleißig und habe das Zeug dazu, schon bald um eine Weltmeisterschaft in seiner Gewichtsklasse zu boxen.


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Robert Helenius glänzt gegen Lamon Brewster

"Wer bereits in seinem elften Profikampf so einen großen Namen schlägt und eine so starke Leistung zeigt, dem gehört die Zukunft", zollte Trainer Ulli Wegner dem Schwergewichtler Robert Helenius hohes Lob. "Das hat Robert ganz toll gemacht. An ihm werden wir noch viel Freude haben." Der erfahrene Exweltmeister Lamon Brewster mußte sich dem aufstrebenden Skandinavier, der den gesamten Kampf dominiert hatte, durch technischen K.o. in der achten Runde geschlagen geben.

Helenius schickte den US-Amerikaner bereits in der zweiten Runde mit einer Rechten zu Boden und setzte auch in der Folge die Akzente. Er beschäftigte Brewster fortwährend mit seinem linken Jab und traf mit der Rechten des öfteren Kopf oder Körper seines Gegners. Der schwer gezeichnete Amerikaner stand zuletzt nach zahlreichen Treffern verteidigungsunfähig in den Seilen, worauf der Ringrichter den ungleichen Kampf beendete.

Wie Robert Helenius nach seinem Erfolg berichtete, habe er zunächst großen Respekt vor Brewster gehabt, der zu jeder Zeit gefährlich geblieben sei. Er habe jedoch auf seinen Trainer gehört und die geforderten Links-Rechts-Kombinationen geschlagen, was ausgezeichnet funktioniert habe: "Das war ein guter Kampf. So kann es weitergehen."

Sauerlands Sportdirektor Hagen Doering hatte den Skandinavier mit schwedischem und finnischem Paß bei der Amateureuropameisterschaft 2006 entdeckt, bei der Helenius die Silbermedaille gewann. Wie er dem Schwergewichtler nach dessen elftem Sieg bescheinigte, habe dieser gezeigt, was in ihm steckt, und zweifellos eine große Zukunft vor sich.

31. Januar 2010



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