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MELDUNG/048: Trainer Loew kündigt große Taten Kelly Pavliks an (SB)



Mittelgewichtschampion tritt gegen Sergio Martinez an

Kelly Pavlik, der die Titel der Verbände WBC und WBO im Mittelgewicht hält und vielfach als derzeit bester Boxer dieser Gewichtsklasse gehandelt wird, bestreitet am 17. April einen Kampf gegen Sergio Martinez, den amtierenden WBC-Weltmeister im Halbmittelgewicht, der bei diesem Duell im höheren Limit antritt. Schauplatz des Geschehens ist die Boardwalk Hall in Atlantic City, wobei der übertragende Sender HBO an diesem Abend zwei Titelkämpfe präsentiert. In einem zweiten Höhepunkt der Veranstaltung fordert der Kolumbianer Edison Miranda den IBF-Champion Lucian Bute heraus.

Pavlik, der aus Youngstown in Ohio stammt und am liebsten in seiner Heimatstadt boxt, hat 36 Profikämpfe gewonnen und nur einmal verloren, als er in einer höheren Gewichtsklasse bei einem der in den letzten Jahren zunehmend in Mode gekommenen Duelle zweier Stars Bernard Hopkins unterlag. Ende 2007 nahm er seinem Landsmann Jermain Taylor die beiden Gürtel ab, die er seither erst dreimal verteidigt hat.

Auch sein Gegner Martinez hat mit 44 Siegen sowie je zwei Niederlagen und Unentschieden eine spektakuläre Bilanz vorzuweisen. Martinez bestritt bereits seinen letzten Kampf im Mittelgewicht und verlor dabei umstritten gegen Paul Williams, wobei die beiden einander eine atemberaubende Schlacht lieferten. Nachdem Martinez bereits in der ersten Runde niedergeschlagen worden war, revanchierte er sich noch im selben Durchgang und schickte Williams erstmals in dessen Karriere auf die Bretter. Dieser mußte auch in den folgenden beiden Runden kräftig einstecken, kam aber gegen Mitte des Kampfs seinerseits besser zur Geltung, worauf das Gefecht bis zum Schlußgong hin und her wogte. Die Punktrichter sahen Paul Williams am Ende mit 2:1 Stimmen hauchdünn in Front, doch hätte ebenso gut auch Sergio Martinez das Rennen machen können.

Ursprünglich sollte Paul Williams im Oktober 2009 gegen Kelly Pavlik antreten, der sich jedoch eine Infektion in der rechten Hand zuzog und den Kampf deshalb kurzfristig auf Anfang Dezember verschieben mußte. Als der neu anberaumte Termin jedoch näherrückte, teilte Pavliks Lager mit, daß der Heilungsprozeß noch nicht abgeschlossen sei, weshalb man erst zwei Wochen später am 19. Dezember antreten könne. Daraufhin verlor die Gegenseite die Geduld und arrangierte für Williams den oben beschriebenen Kampf gegen Martinez.

Kelly Pavlik stieg jedoch am 19. Dezember tatsächlich in den Ring, wobei er vor heimischem Publikum in Youngstown mit dem überforderten Ersatzgegner Miguel Espino relativ kurzen Prozeß machte und den Kampf in der fünften Runde gewann. Nun hätte es eigentlich nahegelegen, das ausgefallene Duell zwischen Pavlik und Williams nachzuholen, doch wirken beide Fraktionen mittlerweile so unversöhnlich, daß eine Annäherung derzeit nicht in Sicht ist. Während Pavlik wie gesagt gegen Martinez antritt, sind Luis Collazo und Kermit Cintron als mögliche Gegner für Williams im Gespräch.

Wie Pavliks langjähriger Trainer Jack Loew in einem Interview mit Doghouse dazu ausführte, habe Williams nach dem Sieg über Martinez die alten Verträge nicht mehr anerkannt und eine höhere Gage als die im Herbst vereinbarte verlangt. Das habe sich ihr Promoter Bob Arum nicht bieten lassen, worauf er mit Martinez handelseinig geworden sei. Nach Einschätzung Loews ist dieser ohnehin der gefährlichere Gegner, da er sehr beweglich und variantenreich boxe. Kelly werde sich hüten, wie bei der Niederlage gegen Bernard Hopkins stur hinter dem Gegner herzulaufen und alles zu kassieren, was dieser an Kontern aus dem Hut zaubern könne. Wer glaube, sein Schützling müsse gegen einen Boxer dieses Schlags zwangsläufig schlecht aussehen, werde sein blaues Wunder erleben.

Kelly Pavliks lädierte Hand ist demnach vollständig ausgeheilt und bereitet ihm keinerlei Probleme mehr. Der Weltmeister arbeitet derzeit an seiner Kondition und will in der letzten Februarwoche ins Trainingslager gehen. Einen Sieg über Martinez vorausgesetzt, fasse man einen Kampf gegen WBA-Weltmeister Felix Sturm im Herbst ins Auge. Interessant wäre auch Lucian Bute im Supermittelgewicht, da man sich mit dem Gedanken trage, den späteren Sieger des Super-Six-Turniers herauszufordern. Sei 2009 alles in allem recht enttäuschend für Pavlik verlaufen, so werde dieser 2010 zu seinem Jahr machen, kündigte Loew große Taten seines Schützlings an, der nur noch gegen die allerbesten Kontrahenten kämpfen wolle.

19. Februar 2010



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