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MELDUNG/053: Kali Meehan bekommt Chance gegen Ruslan Tschagajew (SB)



39jähriger Australier auf dem Sprung zum Titelkampf

Nachdem es um den mittlerweile 39jährigen Australier Kali Meehan geraume Zeit so ruhig geworden war, daß man den Schwergewichtler aus dem Radar verloren hatte, winkt ihm nun fast über Nacht die Chance, unter Umständen sogar einen Weltmeister herauszufordern. Nach sieben abgesagten Kämpfen und zwei Jahren ohne Ringauftritt scheint das langersehnte Duell mit Ruslan Tschagajew von der Hamburger Universum Box-Promotion endlich Gestalt anzunehmen. Das Management des Usbeken hat Meehan einen Vertrag geschickt, wobei man davon ausgeht, daß der Kampf in Deutschland stattfinden wird. Sollte der Australier gewinnen, darf er den Sieger des Duells zwischen David Haye und John Ruiz herausfordern und damit um den Titel der WBA boxen.

Im Jahr 2004 hatte Kali Meehan gegen den damaligen WBO-Weltmeister Lamon Brewster umstritten verloren, dessen Vater später einräumte, daß eigentlich der Australier den Gürtel verdient habe. Nur einen Monat später trat Meehan gegen Exweltmeister Hasim Rahman an, er ihn vorzeitig besiegte. Wie Meehan heute berichtet, sei der Kampf gegen Brewster damals zu früh für ihn gekommen. Er habe zuvor zwei Jahre nicht mehr im Ring gestanden und als Sparringspartner für John Ruiz gearbeitet, als dessen Trainer bei Don King angerufen und ihn dem Promoter empfohlen habe. Er bekam daraufhin einen Auftritt im Vorprogramm, und nur zwei Monate später ging es bereits gegen Lamon Brewster, dem er trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen beinahe den Titel abgenommen hätte. Auch das kurz darauf folgende Duell mit Hasim Rahman stand unter einem schlechten Vorzeichen, da sich der Australier im Vorfeld eine Verletzung zugezogen hatte, aber dennoch angetreten war.

Dank der jüngsten Entwicklung winkt Kali Meehan nun die Chance, es wie sein Landsmann Danny Green, der früher Weltmeister im Supermittelgewicht war, zum Champion zu bringen. Wie er in Interviews mit australischen Medien überglücklich berichtete, fehlten ihm beinahe die Worte, um zu erklären, was das für ihn bedeute. Das Beste, was ihm in seinem Leben passieren könne, sei wie in einem Märchen am Ende eingetreten. Nach sieben ausgefallenen Kämpfen habe er nur noch frustriert gedacht, daß man es ihm eben nicht leicht mache, Millionär zu werden. Boxen sei nun einmal das, was er am besten könne, und langsam werde es Zeit, den Ertrag einzustreichen.

Natürlich müsse er zuvor noch zwei Gegner besiegen, die ihn jedoch nicht aufhalten könnten. Da wäre zuerst Exweltmeister Ruslan Tschagajew, genannt der "Weiße Tyson", dessen beeindruckende Bilanz bei 25 Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage gegen Wladimir Klitschko steht. Dennoch hält ihn der Australier für "nichts Besonderes". Tschagajew habe schon als Amateur kaum einen Kampf verloren und sei wirklich gut. Er habe sich jedoch die Auftritte des Usbeken angesehen und festgestellt, daß dieser sehr überschaubar boxe: Seine beste Waffe sei die Linke, was er auch gar nicht verberge, da er sie so oft wie möglich einsetze. Er werde ihn indessen nicht unterschätzen und habe bereits begonnen, sehr hart zu trainieren.

In den zurückliegenden Jahren sah sich Kali Meehan gezwungen, seinen Lebensunterhalt mit Hilfe verschiedener Erwerbstätigkeiten zu bestreiten, da er mit den versiegenden Einkünften aus dem Profiboxen nicht über die Runden kam. Jetzt öffnet sich vermutlich zum letzten Mal in seiner Karriere die Tür zu lukrativen Börsen, die ganz aufzustoßen für ihn aus handfesten existentiellen Gründen das Gebot der Stunde ist.

24. Februar 2010



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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