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MELDUNG/079: König im Boxring - Leichtgewicht in der Politik (SB)



Vitali Klitschko zwischen Sportlerruhm und Politkarriere

Nachdem sich auch der zuvor hoch eingeschätzte Eddie Chambers der Überlegenheit Wladimir Klitschkos sang- und klanglos beugen mußte, steht einmal mehr die Frage im Raum, wer die Klitschkos schlagen soll, die seit geraumer Zeit das Schwergewicht beherrschen. Das ukrainische Brüderpaar fängt den gesamten Nachwuchs ab und läßt die heranwachsende Generation gar nicht erst groß werden, räumt aber nicht minder unter den alteingesessenen Kontrahenten auf. Das bekommen nicht zuletzt die US-amerikanischen Boxer zu spüren, deren Dominanz im Schwergewicht der Vergangenheit angehört.

Vitali Klitschko bedauert eigenen Angaben zufolge noch heute, daß ihm Lennox Lewis die zugesagte Revanche damals nicht mehr gewährt und statt dessen seine Karriere beendet hat. Seither macht dann und wann die Einschätzung die Runde, der Brite sei der letzte unumstrittene Schwergewichtsweltmeister gewesen, die zu entkräften der Ukrainer keine Gelegenheit hatte. Andererseits kommen die Klitschkos ihrem erklärten Ziel immer näher, alle vier bedeutenden Titel in ihren Besitz zu bringen.

Wie David Haye behauptet, brenne er darauf, sich endlich mit den Klitschkos zu messen und ihnen die Gürtel abzujagen. Im vergangenen Jahr hatte sich der Brite allerdings vor Kämpfen mit den beiden Ukrainern unter fadenscheinigen Vorwänden gedrückt und zugleich seine herbeigeredete Popularität genutzt, um schließlich gegen Nikolai Walujew anzutreten und ihn als WBA-Champion zu entthronen. Vitali Klitschko, der eigentlich als nächstes mit dem Russen in den Ring steigen wollte, was jedoch an den astronomischen Gagenforderungen Don Kings scheiterte, verteidigt seinen WBC-Gürtel nun gegen Europameister Albert Sosnowski. Wie der Ukrainer hofft, könnte es anschließend zum Duell mit David Haye kommen, sofern dieser nicht zuvor von Exweltmeister John Ruiz gebremst wird.

Wie lange Vitali Klitschko seine zweite Karriere als Boxer fortsetzen wird, kann gegenwärtig nicht einmal er selbst beantworten. Jedenfalls dementiert er Gerüchte, wonach er im kommenden Jahr endgültig zurücktreten und sich ganz der Politik widmen werde. Daß er mit seinem Versuch gescheitert ist, Bürgermeister von Kiew zu werden, führt er im wesentlichen auf zwei Gründe zurück: Weder habe er genug Zeit und Kraft investiert, den Menschen zu beweisen, daß er Reformen auf den Weg bringen kann, noch sei er in einer Partei gewesen. Wer Bürgermeister von Kiew und damit die drittwichtigste politische Kraft im Staat nach Präsident und Premierminister werden wolle, komme ohne eine solche Unterstützung nicht aus. Deshalb habe man eine Partei gegründet und werde an den nächsten Parlamentswahlen teilnehmen.

Klitschko attestiert der Ukraine ein gewaltiges Potential, beklagt aber zugleich die weit verbreitete Korruption. Er möchte seiner Heimat Reformen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen verordnen und verspricht sich von einer energischen Bekämpfung der Korruption die Beseitigung des wesentlichen Hindernisses auf dem Weg zu einem Land mit europäischen Standards. Seine eigene politische Positionierung bezeichnet Klitschko als liberal, womit er auf westeuropäische und US-amerikanische Lebensweisen anspielt.

Als politischer Autodidakt hält er sich vorzugsweise an vermeintlich unverfängliche und konsensfähige Formeln, wobei er offenbar Anschluß an einflußreiche Kräfte und Bewegungen sucht. Die Klitschkos stellten ihre Popularität als erfolgreiche Sportler zunächst in den Dienst der sogenannten orangenen Revolution, also der im Kern von der CIA beförderten Umwälzung in der Ukraine. Inzwischen scheint sich in der Bevölkerung die Einschätzung durchgesetzt zu haben, daß ihr mit einem Stühlerücken auf Regierungsebene nicht geholfen ist, wobei sich jedoch trotz merklich abgekühlter Euphorie nach wie vor viele Ukrainer von einer engeren Anbindung an den Westen mehr versprechen als von der traditionellen Nähe zu Rußland. Auf diesen Zug ist auch Vitali Klitschko aufgesprungen, wobei es natürlich eine Sache ist, als erfolgreicher und wohlhabender Sportstar aus dem Westen besuchsweise heimzukehren, eine andere jedoch, im Hauen und Stechen der von innen und außen umkämpften politischen Weichenstellungen der Ukraine ein Bein auf den Boden zu bekommen.


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Hertha BSC hofft weiter auf den Titel 2009

Hertha BSC hat die Hoffnung nicht aufgegeben, den Titel 2009 in der Bundesliga nachträglich zugesprochen zu bekommen. Die Berliner hatten eine Klage gegen den Deutschen Boxverband (DBV) eingereicht, doch scheint das nun ergangene Urteil des Landgerichts Kassel den Streit keineswegs beendet zu haben. Während sich Hertha nach dem Urteil juristisch als Meister sieht, beurteilt der DBV den Ausgang anders und weist darauf hin, daß Herthas Feststellungsanträge zum Gesamtresultat abgewiesen worden seien. Bei der Kontroverse geht es darum, daß Hertha die Liga 2009 als Punktbester beendet hatte. Nach einem erfolgreichen Protest von Motor Babelsberg gegen das Ergebnis eines Kampfs gegen Hertha erklärte der Verband jedoch Velbert zum Meister.

23. März 2010



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