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MELDUNG/082: Manny Pacquiao versucht sich erneut in der Politik (SB)



Nach Sieg über Clottey Wahlkampf auf den Philippinen

Manny Pacquiao, der im Laufe seiner nunmehr 19 Jahre währenden Profikarriere Weltmeister in sieben verschiedenen Gewichtsklassen geworden ist und derzeit den Gürtel der WBO im Weltergewicht besitzt, hat das Boxgeschäft mit einer Äußerung in düstere Stimmung versetzt. Nach seinem Sieg über Joshua Clottey in die Philippinen heimgekehrt, ließ er die Branche wissen, daß ihn seine Mutter gebeten habe, die Boxhandschuhe an den Nagel zu hängen. Diese Gedanken an ein Ende der aktiven Laufbahn lassen befürchten, daß es nicht mehr zum Duell mit Floyd Mayweather kommen wird, von dem man sich einen spürbaren Aufschwung bei der Rückgewinnung des zahlenden Sportpublikums erhofft hatte.

Obgleich Clottey für sich genommen kein Publikumsmagnet ist, waren 51.000 Zuschauer ins Footballstadion der Dallas Cowboys geströmt, um Pacquiao zu sehen, der gegenwärtig als weltbester Boxer aller Gewichtsklassen gehandelt wird. Wenngleich man zweifellos über den Sinn einer solchen Kategorie streiten kann, beflügelt sie jedenfalls die Vermarktung des Trends, immer häufiger Duelle namhafter Stars aus unterschiedlichen Gewichtsklassen über die Bühne zu bringen. Promoter Bob Arum und Trainer Freddie Roach genossen sichtlich den neuerlichen Triumph ihrer Geldmaschine und zeigten sich nicht abgeneigt, weitere Kämpfe wie etwa eine Revanche gegen den Mexikaner Juan Manuel Marquez in dieser Arena ins Auge zu fassen.

Nach seinen souveränen Siegen gegen Miguel Cotto und Joshua Clottey im Weltergewicht gehen Pacquiao langsam aber sicher die Gegner aus, da man die Zuschauer nach dieser Serie gegen die besten Akteure aller Gewichtsklassen, in denen anzutreten dem wesentlich leichteren Philippiner noch möglich ist, nicht mit schwächeren Kontrahenten bei Laune halten kann. Der seit geraumer Zeit geforderte Kampf gegen Floyd Mayweather, der zur Klärung der Frage, wer der "beste Boxer der Welt" sei, aus dem sportlichen Ruhestand zurückgekehrt ist, kann nicht ewig auf die lange Bank geschoben werden.

Mayweather trifft am 1. Mai in Las Vegas auf Shane Mosley und wird frühestens nach diesem Sieg, an dem kaum jemand zweifelt, für erneute Verhandlungen zur Verfügung stehen. Allerdings sind die Fronten verhärtet, da der US-Amerikaner auf einer scharfen Dopingkontrolle besteht, während das Lager des Philippiners eine Verleumdungsklage wegen der Unterstellung, Pacquiao bediene sich verbotener Substanzen, eingereicht hat.

Freddie Roach wirft der Gegenseite nicht nur Verbohrtheit vor, sondern warnt darüber hinaus, daß die Erhebung haltloser Dopingverdächtigungen den gesamten Boxsport ruinieren könne. Umgekehrt verweigert der Philippiner die geforderten Tests unter Angabe des für viele nicht nachvollziehbaren Grundes, eine Blutabnahme kurz vor dem Kampf schwäche ihn. Inzwischen scheinen die beiden Streithähne derart verfeindet zu sein, daß sie für rationale Argumente wie etwa das einer Gesamtbörse von mindestens 70 Millionen Dollar kaum noch empfänglich sind.

Auf den Philippinen stürzt sich der 31jährige Manny Pacquiao erneut in die Politik und nimmt einen zweiten Anlauf, wobei er für einen Sitz im Kongreß kandidiert, mit dem er 400.000 Landsleute repräsentieren würde. Ob er diesmal genügend Stimmen auf sich vereinigen kann, ist jedoch ungewiß, da selbst sein Wahlkampfteam einräumt, daß die Chancen nicht besser als 50:50 stünden. Heute hat der Wahlkampf für den Urnengang im Mai begonnen, wobei Pacquiao auf einer Plattform kandidiert, die ein besseres Gesundheitssystem und Bildungswesen wie auch die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Mittelpunkt stellt.

Der erste Wahlkampf des in seiner Heimat als Volksheld verehrten Boxers im Jahr 2007 wurde in nur einem Monat zusammengeschustert und war von zweckentfremdeten Geldern überschattet, da sich seine Berater hemmungslos aus der Kasse bedienten. Zudem bekam es der politisch eher unbedarfte Pacquiao mit mächtigen Eliten wie auch dem Problem zu tun, daß seine Erfolge im Ring, die zu den größten Quellen überbordenden Nationalstolzes in seiner Heimat gehören, mit dem Eintritt in die Politik enden würden. Wenngleich ihn seine Landsleute euphorisch als besten Boxer der Welt bejubeln, zweifeln viele an seiner Eignung und Durchsetzungsfähigkeit im Dschungel philippinischer Machtpolitik.

Zwar ist es auf den Philippinen üblich, daß populäre Persönlichkeiten früher oder später in die Politik gehen, doch weiß man auch, daß Pacquiao ein Protegé von Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyos ist, mit deren Familie er persönlichen Umgang pflegt. Die umstrittene Staatschefin, gegen die wiederholt Korruptionsvorwürfe erhoben wurden, worunter auch der Verdacht fällt, es sei bei ihren Wahlsiegen nicht mit rechten Dingen zugegangen, instrumentalisiert in mehr oder minder großem Umfang die Popularität des aus ärmsten Verhältnissen stammenden Boxers. So attestiert man Pacquiao zwar beste Absichten, fragt sich aber zugleich, ob er unter diesen Voraussetzungen jemals mehr als eine bloße Schachfigur des Regierungslagers sein kann.

Unterdessen läßt Promoter Bob Arum nichts unversucht, die Befürchtung zu zerstreuen, daß Pacquiao als Politiker für den Boxring verloren wäre. Erstens bliebe immer noch genug Zeit, um zu trainieren und sich auf Kämpfe vorzubereiten, und zweitens könne der Boxer am meisten für sein Land tun, wenn er in den Ring steige, da zu solchen Zeiten auf den Philippinen Waffenstillstand herrsche, argumentiert Arum. Die Zahl verübter Straftaten gehe dramatisch zurück, und selbst die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen würden eingestellt, da alle gebannt vor dem Fernseher säßen.

Wie Freddy Roach versichert, könne sein Schützling angesichts seiner Trainingsdisziplin ohne weiteres noch drei Jahre boxen. Andererseits sollte man nicht vergessen, daß Manny Pacquiao inzwischen 56 Kämpfe bestritten und dabei 317 harte Runden überstanden hat. Muhammad Ali hatte seinerzeit nur fünf Kämpfe mehr auf dem Buckel und mußte das allzu späte Ende der Karriere mit seiner Gesundheit bezahlen. Abgesehen davon braucht der philippinische Ausnahmeathlet nur einen Blick in seine Ecke auf den ebenfalls an Parkinson leidenden Freddy Roach zu werfen, um die möglichen Folgen einer strapaziösen Boxerlaufbahn vor Augen zu haben.

26. März 2010



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