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MELDUNG/098: Evander Holyfield nimmt Francois Botha den Gürtel ab (SB)



Sieg in der achten Runde im Kampf um einen marginalen Titel

Der 47jährige Evander Holyfield hat sich in Las Vegas gegen den sechs Jahre jüngeren Francois Botha durchgesetzt und dem gebürtigen Südafrikaner den Titel der unbedeutenden World Boxing Federation (WBF) abgenommen. Der US-Amerikaner gewann durch technischen K.o. in der achten Runde und erzielte in seinem 55. Profikampf den 43. Sieg. Zehn Auftritte hat er verloren, zwei endeten unentschieden. "Ich habe lange pausiert und weiß, daß ich noch besser werden kann. Ich werde schnell wieder in den Ring steigen", verkündete der Exweltmeister, der nun wie so viele von einem Duell mit Vitali oder Wladimir Klitschko träumt. "Ich werde der unumstrittene Weltmeister im Schwergewicht sein", gab sich Holyfield gar nicht erst damit ab, seinen Erfolg ins angemessene Licht zu setzen. Für ihn war es der erste Kampf nach seiner knappen Punktniederlage gegen den damaligen WBA-Champion Nikolai Walujew aus dem Berliner Sauerland-Boxstall am 20. Dezember 2008 in Zürich.

Francois Botha hatte seine beste Szene, als er Holyfield nach 56 Sekunden der zweiten Runde mit einem schweren Treffer ins Wanken brachte. Über weite Strecken machte jedoch Holyfield die bessere Figur, zumal der Südafrikaner ab der sechsten Runde deutlich nachließ. Im siebten Durchgang trug Botha eine Verletzung davon und nach 55 Sekunden der achten Runde mußte er schließlich zu Boden gehen, worauf Ringrichter Russell Mora Holyfield zum Sieger durch technischen K.o. erklärte. Botha zeigte sich wesentlich besser in Form, als bei seinem letzten Auftritt in Dessau, wo ihm die gewogenen Punktrichter mit einem schmeichelhaften Unentschieden gegen den Kubaner Pedro Carrion den Gürtel gerettet hatten. Vor allem der konditionellen Überlegenheit des athletisch noch immer gut vorbereiteten Evander Holyfield mußte er jedoch auf Dauer Tribut zollen.

Im Thomas-&-Mack-Center wollten nur 3.127 Zuschauer den Kampf der beiden Veteranen sehen, der zuvor mehrmals verschoben werden mußte, da der ursprüngliche Veranstalter aus finanziellen Gründen an der geplanten Durchführung in Kampala gescheitert war. Wegen der geringen sportlichen Bedeutung des WBF-Titels gilt weiterhin George Foreman als ältester Schwergewichtsweltmeister. Dieser besiegte am 5. November 1994 Michael Moorer im Alter von 45 Jahren und zehn Monaten und sicherte sich damals die Titel nach Version der WBA und IBF.

"Er verfügt immer noch über die boxerischen Fähigkeiten von früher. Und den Biß hat er ohnehin nicht verloren", zollte der 41jährige Botha dem Sieger Respekt. "Er landete seine Schläge. Er ist ein wahrer Krieger", schämte sich der Südafrikaner seiner Schlappe nicht. Der "Weiße Büffel", dessen Bilanz nun bei 47 Siegen, sechs Niederlagen und drei Unentschieden steht, mußte den Gürtel nach eigenen Worten an "einen großen Champion" abtreten. Am 25. Oktober 1990 hatte Holyfield ebenfalls in Las Vegas den damaligen Sensationsweltmeister James Buster Douglas in der dritten Runde ausgeschaltet und sich dessen Gürtel der Verbände WBC, WBA und IBF gesichert. Er kehrte später noch viermal auf den Schwergewichtsthron zurück, wobei man den aktuellen Erfolg abziehen sollte, da kein nennenswerter Titel auf dem Spiel stand.

Wie Evander Holyfield im Hochgefühl seines jüngsten Triumphs zu Recht erklärte, habe er sich mit den Besten seiner Ära gemessen. Bei aller Sympathie für die Leistung des 47jährigen, der sich vom Jugendwahn nicht in die Suppe spucken läßt, sollte man allerdings zu bedenken geben, daß der frühere Star der Schwergewichtsszene nur dank deren Degeneration noch heute vom Ruf seiner besten Tage zehren kann.

12. April 2010



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