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MELDUNG/115: An Zuversicht mangelt es weder Huck noch Minto (SB)



Axel Schulz ist nur noch eine Reminiszenz

Vor der Titelverteidigung Marco Hucks am Samstag in der Oldenburger Weser-Ems-Halle gegen Brian Minto fehlt es keinem der beiden an Zuversicht und Vertrauen in das eigene Können. "Ich bin überzeugt, daß ich der beste Cruisergewichtler der Welt bin", verkündet der WBO-Weltmeister aus dem Sauerland-Boxstall. "Ich will der neue Superstar des Cruisergewichts werden", hält der US-Amerikaner dagegen und fügt hinzu, er sei so leicht wie seit der Highschool nicht mehr: "Ich fühle mich wohl und bin sehr schnell. Ich bin überzeugt, daß ich gewinnen werde", versichert der 35jährige, der inzwischen von Trainerlegende Freddy Roach betreut wird.

Brian Minto hat bislang im Schwergewicht gekämpft und tritt erstmals in der niedrigeren Gewichtsklasse an. Im Cruisergewicht darf der 1,80 Meter große Boxer maximal 90,0 Kilo wiegen, was für ihn angeblich kein Problem ist. "Ich mußte in meinen Schwergewichtskämpfen eher zunehmen, um auf 98 Kilo zu kommen. Jetzt bin ich viel schneller. Aber ich habe meine Power nicht verloren." Daß es in der Königsklasse nicht zum Durchbruch reichen würde, zeigte Mintos K.o.-Niederlage im Dezember gegen den wesentlich schwereren Chris Arreola.

Huck, der bisher 28 Siege in 29 Kämpfen feiern konnte, glaubt die Schwächen seines Gegners zu kennen: "Minto wird sicher schneller sein als früher. Aber er wird schnell müde. Und dann schlage ich zu." Sein Trainer Ulli Wegner warnt jedoch nicht zuletzt wegen Mintos Abstieg ins Cruisergewicht, daß dieser nun zwangsläufig härter und disziplinierter trainieren muß, was ihn gefährlicher macht. Ohnehin sei der Amerikaner ein zäher Bursche, der seine Gegner zermürbt, weshalb sich Marco unbedingt an die taktische Linie halten müsse, um seinen Gürtel zu verteidigen. Er habe sich in den letzten Kämpfen taktisch und boxerisch sichtlich weiterentwickelt und müsse diese positive Entwicklung nun fortsetzen.

Der Herausforderer hat mit Ola Afolabi einen früheren Gegner Hucks als Sparringspartner verpflichtet, der ihm manchen Hinweis geben kann und natürlich die Einschätzung teilt, daß der Weltmeister zu besiegen sei. Minto, der 34 seiner 37 Profikämpfen gewonnen hat, wird in der Rangliste der WBO auf Position fünf geführt. Sein Manager Pat Nelson erwartet einen offenen Schlagabtausch, der die Fans begeistern wird: "Brian ist nicht hier, um zu verlieren."

Der US-Amerikaner aus Butler im Bundesstaat Pennsylvania hatte auf dem College Football gespielt und erst mit 23 Jahren angefangen zu boxen. Bis 2003 arbeitete der Familienvater als Monteur bei einer Kabelfirma, für die er auf Masten klettern und Telefonleitungen verlegen mußte. Seither reichen die Einkünfte als Boxer zum Leben, wobei sich Minto unverdrossen emporgekämpft hat.

In Deutschland ist Brian Minto seit seinem Kampf gegen Axel Schulz ein Begriff, der ihn sich damals nach siebenjähriger Kampfpause als ersten Gegner für sein Comeback ausgewählt hatte. Nur sechs Runden hielt sich der Frankfurter im November 2006 vor mehr als 12.000 Fans in Halle/Westfalen auf den Beinen, dann mußte er sich geschlagen geben und die Boxhandschuhe endgültig an den Nagel hängen. Minto profitierte davon, daß ihn das deutsche Publikum nun kannte, und bekam später einen Kampf gegen Luan Krasniqi, dem er beträchtliche Schwierigkeiten bereitete.

"Mein erster Gedanke, als ich gehört habe, daß ich gegen Minto boxen werde, war: Rache für Axel Schulz", sagte Huck. Diesen Bezug hält der Amerikaner für reichlich übertrieben. Er verstehe gar nicht, warum das hier in Deutschland immer noch so ein Thema ist: "Gegen Huck, das ist doch ein ganz anderer Kampf. Wenn wir im Ring stehen, ist es nur noch eine Sache zwischen ihm und mir."


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Anspruchsvolles Vorprogramm in der Weser-Ems-Halle

In der Weser-Ems-Halle wird auch Karo Murat im Ring zu sehen sein, der im Irak geboren wurde und in Bayern lebt. Trainiert von Ulli Wegner ist der Halbschwergewichtler in 21 Kämpfen ungeschlagen und hat sich auf den zweiten Platz der WBO-Weltrangliste hochgearbeitet. Er verteidigt in Oldenburg den Intercontinentaltitel dieses Verbandes gegen den US-Amerikaner Tommy Karpency, der angesichts einer Bilanz von 19 Siegen und einem Unentschieden aus 21 Kämpfen als Außenseiter gelten muß. Überdies hat er bislang ausschließlich in den USA geboxt und kämpft erstmals über zwölf Runden. Auf die leichte Schulter nehmen wird ihn Murat deswegen sicher nicht, strebt er doch einen Kampf um die Weltmeisterschaft an, so daß Karpency keinesfalls zu einem Stolperstein werden darf.

Einen Ausrutscher will sich auch Dominik Britsch nicht erlauben, der in 18 Kämpfen ungeschlagen ist und den Titel des Juniorenweltmeisters der IBF im Mittelgewicht sein eigen nennt. Dieser Gürtel steht diesmal nicht zur Disposition, da der Gegner des Neckarsulmers bereits 33 Jahre alt ist. Der Italiener Alessio Furlan hat schon 44 Kämpfe bestritten und 15 von ihnen verloren, ist nach den Worten Ulli Wegners jedoch ein Boxer mit Kämpferherz, der nicht so schnell aufgibt.

Im Schwergewicht trifft der Bulgare Kubrat Pulev, der erst sieben Profikämpfe bestritten, dabei aber schon den früheren Europameister Matt Skelton aus England aus dem Feld geschlagen hat, auf den 27 Jahre alten Oleg Platov, dessen ansehnliche Bilanz 28 Siege aus 30 Kämpfen aufweist.

Außerdem gibt der schwedische Cruisergewichtler Erik Skoglund sein Debüt im Profilager, während der Österreicher Marcos Nader im Mittelgewicht, Halbschwergewichtler Dustin Dirks aus Berlin und der saarländische Mittelgewichtler Jürgen Doberstein weiter an einer erfolgreichen Karriere feilen wollen.

29. April 2010



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