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MELDUNG/118: Marco Huck kämpft Brian Minto mit Brachialgewalt nieder (SB)



Ecke des Herausforderers wirft in Runde zehn das Handtuch

Vor 3.500 begeisterten Zuschauern in der Oldenburger Weser-Ems-Halle hat Weltmeister Marco Huck den WBO-Titel im Cruisergewicht erfolgreich gegen den US-Amerikaner Brian Minto verteidigt, der sich durch technischen K.o. in der zehnten Runde geschlagen geben mußte, als seine Ecke das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe warf. Der 25jährige Champion aus dem Berliner Sauerland-Boxstall schickte den zehn Jahre älteren Herausforderer in der dritten, fünften und neunten Runde auf die Bretter. Doch der bullige Amerikaner, der vor knapp vier Jahren Axel Schulz das Comeback gründlich verdorben hatte, kam immer wieder auf die Beine und setzte den Kampf fort. Nach dem zweiten Niederschlag verlor er allerdings vorübergehend die Orientierung und ließ sich in der Rundenpause zu Hucks verblüfftem Trainer Ulli Wegner in die Ecke.

Marco Huck hatte sich von Beginn an Vorteile verschafft und Minto bereits in der ersten Runde zweimal hart mit der Rechten getroffen. Der US-Amerikaner ging zu Boden, doch wertete Ringrichter Robert Byrd dies nicht als Niederschlag. Im dritten Durchgang fand sich der Herausforderer nach einem regulären Treffer auf dem Boden wieder, überstand jedoch diese kritische Phase trotz weiterer Schläge des Weltmeisters gut. Der bullige Minto hielt durchaus mit, griff seinerseits an und blieb insbesondere mit seinen Aufwärtshaken gefährlich.

Nach einem weiteren Niederschlag in der fünften Runde wirkte der Herausforderer schwer angeschlagen und wollte in der Ecke des Titelverteidigers Platz nehmen. Allerdings mußte nun auch Huck dem hohen Anfangstempo Tribut zollen und etwas ruhiger zu Werke gehen. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, weitere Treffer ins Ziel zu bringen und den US-Amerikaner im neunten Durchgang noch einmal zu Boden zu schicken. Zu Beginn der zehnten Runde hatte der Trainer des Herausforderers schließlich ein Einsehen und signalisierte die Aufgabe.

Wie Brian Minto nach seiner Niederlage erklärte, ziehe er den Hut vor Marco Huck, der ein junger und starker Kämpfer sei. Er selbst habe alles gegeben, doch habe es nicht gereicht. Da er viel einstecken mußte, sei in seiner Ecke der Entschluß zum Abbruch gereift. Manager Wilfried Sauerland war voll des Lobes für seinen Boxer, den er als spektakulärsten Kämpfer in den eigenen Reihen bezeichnete, dem zuzuschauen immer attraktiv sei.

Trainer Ulli Wegner freute sich natürlich für seinen Schützling, dessen Auftritt ihn allerdings wieder einmal reichlich Nerven gekostet hatte. "Ich weiß, was noch alles mit Marco zu tun ist", stöhnte der 68jährige, da sich Huck nur sporadisch an die abgesprochene Taktik gehalten und den Sieg mit Brachialgewalt erzwungen hatte. Zwar feuerten die begeisterten Zuschauer den attackierenden Weltmeister euphorisch an, der zwischendurch jedoch gewaltige Luftlöcher schlug, wenn er sich mit aller Macht in seine Schläge warf und dabei Substanz lassen mußte. "Mach doch, was ich dir sage", fuhr Wegner seinen Schützling an. "Hör mal zu: Du bist Weltmeister. Du mußt schlauer boxen. Ist doch klar, daß du dumm boxt." Doch Marco Huck kämpfte, wie er es am besten kann, auf seine ungestüme Art weiter, bis der ähnlich draufgängerische Minto endlich niedergekämpft war.

Verhaltene Kritik übte auch Promoter Sauerland: "Marco vergißt nach Niederschlägen, konzentriert weiterzuboxen." Luan Krasniqi, der Minto seinerzeit nach Punkten geschlagen hatte, urteilte etwas reserviert, daß einiges gelungen sei. Man müsse locker boxen, räumte auch der Sieger hinterher reumütig ein, worauf er sich eine Steigerung von Kampf zu Kampf zugute hielt.

Für Marco Huck, der am 13. März in Berlin Adam Richards aus den USA durch K.o. in der dritten Runde besiegt hatte, war dies die zweite erfolgreiche Titelverteidigung binnen sieben Wochen. Seine Bilanz weist nun 29 Siege und eine Niederlage auf, während Minto 34 Kämpfe gewonnen und vier verloren hat. Wie es hieß, wechselt mit Steve Cunningham der einzige Gegner, dem Huck in seiner Profikarriere unterlegen ist, in den Sauerland-Boxstall. Offenbar soll der 33jährige US-Amerikaner in absehbarer Zeit eine Revanche mit dem Weltmeister bestreiten, der am liebsten schon im nächsten Jahr ins Schwergewicht aufsteigen möchte.


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Karo Murat setzt sich gegen Tommy Karpency durch

Im zweiten Hauptkampf des Abends in der Weser-Ems-Halle besiegte Karo Murat den US-Amerikaner Tommy Karpency klar nach Punkten und bleibt damit weiterhin Intercontinentalchampion der WBO im Halbschwergewicht. Nach zwölf spannenden Runden sahen die Punktrichter den 26jährigen mit 116:111, 116:111 und 117:110 in Front, der damit auch im 22. Kampf ungeschlagen blieb.

Der Titelverteidiger ergriff sofort die Initiative und schickte seinen Gegner bereits in der zweiten Runde mit einem linken Haken zum Kopf auf die Bretter. Karpency erholte sich jedoch wieder und überstand den Durchgang, wie er sich auch in der Folge zu behaupten wußte und geschickt konterte. Murat dominierte weiter das Geschehen, boxte aber nicht präzise genug, um den US-Amerikaner in die Enge zu treiben, der ihn mit seinen langen Armen sperrig abzuwehren verstand.

Gegen Ende des Kampfes gingen die Kontrahenten zum offenen Schlagabtausch über, was beim Publikum natürlich gut ankam. Murat verbuchte dabei im Handgemenge die klareren und härteren Treffer. Als die beiden Boxer dann in der letzten Runde noch einmal alles gaben, war dem Titelverteidiger der Erfolg nicht mehr zu nehmen.

"Ich freue mich über den Sieg. Das war ein harter Kampf", atmete der Intercontinentalchampion nach seiner zweiten Titelverteidigung auf. "Karpency war ein unangenehmer Gegner. Den muß man erstmal schlagen." Nun werde er sich ausruhen und danach sehen, wie es weitergeht. "Da muß Karo taktisch noch klüger werden", hielt Ulli Wegner mit einer ersten Manöverkritik nicht hinter dem Berg. "Das war eine gute Erfahrung. Er ist unglaublich jung und kann noch viel lernen. Der Kampf heute wird ihm in seiner Entwicklung helfen."

2. Mai 2010



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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