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MELDUNG/128: Ahmet Öner will nicht ewig Boxpromoter bleiben (SB)


Arena-Chef denkt mittelfristig an ein Ende dieser Karriere


Promoter Ahmet Öner denkt mittelfristig an ein Ende seiner Karriere als Profimanager. "Ich glaube, ich will diesen Job nicht ewig machen, es ist anstrengend und zermürbend. Ich will sehen, daß ich in den nächsten Jahren so viel Geld mache wie möglich, und dann bin ich auch schnell raus aus dem Geschäft", sagte der 38jährige in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel". Öner, der seinen Hamburger Boxstall derzeit von Istanbul aus leitet, war im August vergangenen Jahres bei einem Geschäftstermin in der Hansestadt angeschossen worden. Die Täter wurden bislang nicht gefaßt, weshalb wilde Spekulationen aufkamen, der kubanische Geheimdienst habe es auf den ehemaligen Profiboxer abgesehen. Öner hat mehrere Weltklasseboxer in seinem Stall, die er aus dem sozialistischen Land ausschleusen ließ. Er war über Mittelsmänner finanziell an Transaktionen beteiligt, bei denen sich Yuriorkis Gamboa, Odlanier Solis, Erislandy Lara und später auch Doppelolympiasieger Guillermo Rigondeaux aus Kuba absetzten.

Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, daß sich Öner bei seinen Geschäften in Hamburg Feinde gemacht hat, die ihm einen Denkzettel verpassen wollten. Der Anschlag, bei dem er von einem Schuß in den linken Oberschenkel getroffen wurde, war Ende August 2009 verübt worden. Öner verließ damals gegen 22.15 Uhr mit seinem Fahrer und einem Geschäftspartner in der Eiffestraße im Stadtteil Borgfelde das Büro eines Sponsors über den Hintereingang, als drei Schüsse fielen. Die Täter hatten dem Chef des Arena-Boxstalls hinter seinem Auto aufgelauert, doch wurden sie offenbar durch angehendes Licht auf dem dunklen Parkplatz überrascht. Eine Kugel traf Öner ins linke Bein, bevor er sich mit seinen Begleitern zurück in das Bürogebäude retten und die Polizei rufen konnte. Die beiden Täter flohen unerkannt, eine Fahndung mit mehreren Streifenwagen blieb erfolglos. Öners Begleiter kamen mit dem Schrecken davon.

Nach der notärztlichen Versorgung wurde Öner ins Krankenhaus in St. Georg eingeliefert, wo man noch in der Nacht das Projektil aus dem Oberschenkel entfernte. Nach Angaben der Ärzte hatte der Chef des Arena-Boxstalls großes Glück gehabt. Die Operation verlief problemlos, so daß Öner das Krankenhaus wenige Tage später verlassen konnte. Die Polizei konnte die Täter nicht ermitteln, und das Motiv für den Anschlag blieb ungeklärt. Wie Öner damals sagte, neide man ihm offenbar seinen Erfolg. Es sei ja nicht der erste Anschlag auf ihn gewesen, aber das erste Mal, daß ihm jemand hinterhältig mit einer Schußwaffe im Dunkeln aufgelauert habe. Er hoffe sehr, daß es auch das letzte Mal war.

Daß Ahmet Öner selbst kein Kind von Traurigkeit ist, dokumentieren seine Probleme mit der Justiz. Mitte Februar 2010 wurde er vor dem Hamburger Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten auf Bewährung verurteilt und mußte eine Geldbuße in Höhe von 120.000 Euro an die Staatskasse zahlen. Der 38 Jahre alte Promoter mußte sich für 16 Straftaten verantworten. Neben Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ging es in dem Verfahren vor allem um den rabiaten Umgang mit der Konkurrenz. So soll Öner den Chef des Universum-Boxstalls, Klaus-Peter Kohl, erpreßt und sogar dessen Familie bedroht haben.

Bei der Androhung von Gewalt ist es in anderen Fällen laut Öners Geständnis nicht geblieben. Opfer eines Wutanfalls war unter anderem sein Bankberater, dem er eine Kopfnuß verpaßt, sowie ein Arzt, den er mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen hat. Zudem war es vor drei Jahren bei einer Universum-Veranstaltung in der Hansestadt zwischen Öner und von Kohl engagierten Sicherheitskräften zu einer Schlägerei gekommen.

Unter diesen Umständen war das Strafmaß sicher eine Erleichterung für Ahmet Öner, der die Geldstrafe eigenen Angaben zufolge verschmerzen konnte. Da er in der Vergangenheit bereits mehrfach vor Gericht gestanden hat, hätte der Prozeß gravierendere Folgen haben können, zumal es für ihn bereits die dritte auf Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe war. Öner hatte ein Geständnis abgelegt, für das zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Absprache über das Strafmaß ausgehandelt wurde. Zu dem vergleichsweise milden Urteil trug offenbar der Umstand bei, daß sich der Boxpromoter seit 2009 einem Antiaggressionstraining unter Leitung eines Psychotherapeuten unterzogen hat. Um nicht weiter mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten und Gefahr zu laufen, gegen die Bewährungsauflagen zu verstoßen, verlegte Öner seinen Wohnsitz nach Istanbul.

12. Mai 2010



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