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MELDUNG/142: Bundesverdienstkreuz für Vitali Klitschko (SB)



Förderung der deutsch-ukrainischen Beziehungen gewürdigt

Vitali Klitschko wird mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Dem Ukrainer, der lange Zeit in Hamburg gelebt hat, soll der Orden am 3. Juni in seiner Heimatstadt Kiew überreicht werden. Wie es in der Begründung heißt, habe sich Klitschko mit länderverbindendem Engagement um die Förderung der deutsch-ukrainischen Beziehungen verdient gemacht und sei ein Vorbild für die Jugend. Der 38jährige engagiert sich in seiner Heimat aktiv in der Politik und ist Fraktionschef seiner Partei im Stadtparlament von Kiew.

Am Samstag verteidigt Vitali Klitschko in der Gelsenkirchener Arena des Bundesligisten Schalke 04 seinen Titel nach Version des World Boxing Council (WBC) im Schwergewicht gegen den Polen Albert Dariusz Sosnowski. Er habe immer davon geträumt, in einem Stadion wie auf Schalke zu boxen, versicherte der Ukrainer. Manche Träume dauerten eben etwas länger, bis sie sich erfüllen. Jetzt sei es endlich soweit, und er freue sich wie ein kleiner Junge. Sein jüngerer Bruder Wladimir hat schon zweimal vor der riesigen Kulisse eines Stadions gekämpft. Im vergangenen Jahr sahen ebenfalls in Gelsenkirchen rund 61.000 Zuschauer seinen Sieg gegen den Usbeken Ruslan Tschagajew und vor einigen Monaten kamen 50.000 Fans zum Düsseldorfer Kampf gegen den US-Amerikaner Eddie Chambers. Nun möchte auch Vitali nachlegen und für ein gehöriges Spektakel sorgen. So verspricht er denn eine Nacht, die man noch lange in Erinnerung behalten werde. Um Befürchtungen hinsichtlich der Qualitäten seines Gegners zu zerstreuen, kündigt er eine Schlacht an und betont, daß im Schwergewicht ein einziger Schlag entscheidend sein könne. Daher werde er keinen Kontrahenten im Ring unterschätzen. Eine Niederlage schließt er freilich aus, da er der stärkste Boxer der Welt sei und seinen Titel nur freiwillig abgeben könne.

Diesen Worten bot Herausforderer Albert Sosnowski auf der letzten Pressekonferenz zumindest verbal mit der Erklärung Paroli, er habe sich perfekt vorbereitet und sei gekommen, um Geschichte zu schreiben: "Klitschko ist ein großer Champion, aber er ist nicht der Größte." Was die Körpergröße betrifft, überragt ihn der Ukrainer um volle dreizehn Zentimeter. Vor allem aber hat es der Ex-Europameister noch nie mit einem Gegner vom Kaliber des Titelverteidigers zu tun gehabt. Zwar verfügt der von Fiodor Lapin trainierte 31jährige Pole auf dem Papier über die größere Erfahrung, da er 48 Kämpfe bestritten, nur zwei verloren und einen unentschieden beendet hat. Demgegenüber sind die 39 Siege und zwei Niederlagen Klitschkos jedoch wesentlich hochwertiger, da der Champion mit zahlreichen Kontrahenten von Rang und Namen im Ring gestanden hat. Auch muß dem Herausforderer zu denken geben, daß der Ukrainer 37 Auftritte vorzeitig beendet hat und somit nur zweimal in seiner Profikarriere über die volle Distanz gehen mußte.

"Albert hat einen wirklich durchtrainierten Körper. Das ist ganz toll, und ich bin wirklich beeindruckt. Wir veranstalten aber keinen Wettbewerb im Bodybuilding, unser Sport heißt Boxen", spottete Klitschko. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, die Vorbereitung bitter ernst zu nehmen. Wie der 38jährige erzählte, komme er auf dem täglichen Weg ins Gym an einer Tafel mit folgender Aufschrift vorbei: "Die Zeit schlägt alle." Noch habe er genügend trockenes Pulver, doch sobald er merke, daß es ausgeht, werde er aufhören. Für ihn könne buchstäblich jeder Kampf der letzte sein, weshalb er stets so hineingehe, als gebe es keinen weiteren mehr.

Gemeinsam mit seinem 62 Jahre alten Trainer Fritz Sdunek hat er sich wie immer in den letzten Jahren im Tiroler Nobelhotel Stanglwirt in Going auf den Kampf vorbereitet. Zeitweise zog er sich dort in eine einsame Waldhütte zurück, um viel nachzudenken und neue Strategien zu entwickeln. Wie ihm Sdunek attestiert, hat er sich athletisch noch einmal verbessert und 118 Sparringsrunden ohne die kleinste Blessur absolviert. Vitali sei ein Phänomen, sagte der erfahrene Trainer, was man allein schon in physischer Hinsicht nur unterstreichen kann. Bekanntlich hatte der Ukrainer wegen diverser schwerer Verletzungen, die er sich überwiegend im Training zuzog, seine Karriere eigentlich schon vor Jahren beendet. Daß er nach mehrjähriger Unterbrechung eine Rückkehr in den Ring rein körperlich verkraften würde, bezweifelten viele. Um so erstaunlicher mutet an, in welch guter Verfassung sich Vitali Klitschko seither präsentiert.

Fritz Sdunek kann bestätigen, daß sein Schützling Spaß am Training und nichts von seiner Akribie verloren hat. Habe er ihn früher warnen müssen, den Gegner nicht zu unterschätzen, sei es heute Vitali, der zur Vorsicht mahne. Sosnowski sei keineswegs ein leichtes Opfer, sondern austrainiert, mutig und fest entschlossen. Er werde versuchen, mit seinem linken Haken überfallartig in Vitali hineinzuspringen. Der Pole sei hinsichtlich seiner Aggressivität und Schlagwirkung vergleichbar mit Chris Arreola, doch dazu auch noch schnell. Dennoch werde der Sieger Vitali Klitschko heißen, dessen stärkere Physis in den späteren Runden entscheidend sei, weshalb man auch ein vorzeitiges Ende nicht ausschließen könne.

Nachdem Fritz Sdunek seine Tätigkeit beim Hamburger Universum-Boxstall zum Jahresende aus gesundheitlichen Gründen eingestellt hatte, war Vitali Klitschko sein letzter verbliebener Schützling. Wie der Trainer berichtet, genieße er es einerseits, sich zurückgenommen zu haben, was wohl auch Vitali zugute komme. Andererseits hänge er schon noch mit dem Herzen an seinen früheren Boxern, telefoniere oft mit ihnen und schreibe noch Trainingspläne. Er hoffe sehr, daß es bei Universum auch ohne das ZDF weitergeht, damit sie eine Zukunft haben.

27. Mai 2010



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