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MELDUNG/147: Zsolt Bedak unterliegt Weltmeister Wilfredo Vazquez (SB)



Puertoricaner noch eine Nummer zu groß für den Ungarn

Der Ungar Zsolt Bedak aus dem Hamburger Universum-Boxstall mußte seinen ersten Griff nach dem Weltmeistergürtel mit einer Niederlage bezahlen. In Bayamon auf Puerto Rico war Lokalmatador und WBO-Champion Wilfredo Vazquez jr. einfach noch eine Nummer zu groß für den Herausforderer, um sich den Titel im Juniorfedergewicht abspenstig machen zu lassen. Wenngleich der von Artur Grigorian trainierte Ungar beherzt begann und die ersten beiden Runden für sich verbuchen konnte, unterstrich der von den 6.000 Zuschauern euphorisch angefeuerte Vazquez vom dritten Durchgang an, wer Herr im Ring war. In der achten und neunten Runde wurde die Überlegenheit des Puertoricaners drückend, in der zehnten schickte er Bedak zu Boden. Dieser kam zwar noch einmal auf die Beine, doch warf seine Ecke das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe, um die Gesundheit des Boxers zu schützen.

Nach 1:12 Minuten der zehnten Runde konnte der Lokalmatador, dessen Vater Wilfredo Vazquez sr. einst Weltmeister in drei Gewichtsklassen geworden war [1], seine erste erfolgreiche Titelverteidigung feiern. Während er seine Bilanz auf 19 gewonnene Kämpfe bei einer Niederlage verbesserte, mußte sich Bedak nach 15 Erfolgen erstmals geschlagen geben.

Dietmar Poszwa aus der Universum-Geschäftsführung, der zum Kampf nach Puerto Rico gereist war, würdigte die Leistung beider Akteure. Zsolt Bedak habe einen grandiosen Kampf geliefert und wenn er die richtigen Lehren aus dieser Niederlage ziehe, werde ihn das nur stärker machen. Vazquez sei an diesem Tag einfach viel besser gewesen, habe beweglicher und variabler geboxt, Zsolt viel vorbeischlagen lassen und seine rechten Konter ins Ziel gebracht.

Berücksichtigt man, daß Zsolt Bedak erstmals außerhalb Europas gekämpft und gegen einen Champion verloren hat, der angesichts seiner zahlreichen vorzeitigen Siege als klarer Favorit galt, wird die momentan schmerzliche Niederlage den Ungarn nicht aus der Bahn werfen. Nach seinen Landsleuten Istvan Kovacs, Zsolt Erdei und Karoly Balzsay ebenfalls zum Weltmeister aufzusteigen, bleibt ein Ziel, dessen Erreichen er notgedrungen verschieben, aber deshalb noch lange nicht aufgeben muß.

Anmerkung:

[1] Wilfredo Vasquez sr. wurde am 2. August 1960 in Bayamon geboren. Der 1,60 m große Puertoricaner, ein ehemaliger Teamgefährte Mike Tysons, machte sich einen Namen als angriffsfreudiger Kämpfer, der beidhändig über einen harten Schlag verfügte. Zwar verlor er seinen ersten professionellen Kampf im Jahr 1981, doch blieb er danach bis Februar 1986 ungeschlagen, als er bei der Herausforderung des WBC-Weltmeisters im Bantamgewicht Miguel Lola nach Punkten unterlag.

Im Oktober 1987 wurde er durch einen Sieg über den Koreaner Chan-Yong Park neuer WBA-Weltmeister im Bantamgewicht. Er verlor den Titel im Mai 1988 an Kaokor Galaxy, der ihn nach Punkten bezwang.

Der nächste Anlauf sollte fast vier Jahre dauern, bis es Wilfredo Vasquez schließlich im März 1992 gelang, Raul Perez vorzeitig zu besiegen und damit WBA-Weltmeister im Superbantamgewicht zu werden. In der Folge verteidigte er diesen Titel neunmal erfolgreich, bis er im Mai 1995 auf den Venezolaner Antonio Cermeno traf.

Cermeno übernahm frühzeitig die Initiative und beschäftigte Titelverteidiger Wilfredo Vasquez während des gesamten Kampfes mit seiner Führhand, die den Champion nicht wie gewohnt zur Entfaltung kommen ließ. In der dritten Runde fügte er ihm eine Verletzung zu und beendete den Kampf mit weiteren schweren Treffern, um eine klare Entscheidung zu seinen Gunsten herbeizuführen. Das Lager von Vasquez legte angesichts der umstrittenen Wertung offiziell Protest ein, der jedoch abgewiesen wurde. Es blieb beim Punktsieg Antonio Cermenos, der sich als neuer WBA-Champion im Superbantamgewicht feiern lassen konnte.

Wilfredo Vasquez aber kehrte ein drittes Mal auf den Thron des Weltmeisters zurück. Im Mai 1996 besiegte er Eloy Rojas in der elften Runde und holte sich den Titel im Federgewicht.

2. Juni 2010



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