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MELDUNG/176: Stuttgarter Gala mit Ina Menzer und Firat Arslan (SB)



Weltmeisterin und Titelaspirant samt weiteren Attraktionen

Da die Zusammenarbeit zwischen der Hamburger Universum Box-Promotion und dem Fernsehpartner ZDF mit Ablauf des Monats Juli nach acht Jahren endet, zieht man zum Abschluß der Kooperation noch einmal alle Register und veranstaltet in den kommenden vier Wochen nicht weniger als drei Kampfabende mit prominenten Akteuren. Zunächst gastiert die "Universum Champions Night" nach zweijähriger Unterbrechung erstmals wieder in Stuttgart, wo Weltmeisterin Ina Menzer und Lokalmatador Firat Arslan morgen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Die in 26 Profikämpfen ungeschlagene Ina Menzer verteidigt die Titel der Verbände WBC, WIBF und WBO im Federgewicht in der Porsche-Arena gegen Jeannine Garside. Obgleich die 32jährige Kanadierin mit einer Bilanz von neun Siegen, drei Niederlagen und einem Unentschieden wesentlich schlechter dasteht als die Mönchengladbacherin, wird sie aus unerfindlichen Gründen bei der unabhängigen Weltrangliste boxrec.com im Federgewicht auf Platz eins vor Ina Menzer geführt. Wie diese angekündigt hat, werde sie die Reihenfolge im Ring korrigieren.

Jeannine Garside, die schon in Südkorea und Bosnien gekämpft hat, bedankte sich für die Möglichkeit, gegen Ina Menzer anzutreten, die eine hervorragende Weltmeisterin sei. Die Kanadierin stellte einen aufregender Kampf in Aussicht, in den sie als Außenseiterin gehe. Wie ihre Betreuer gesagt hätten, habe sie in Deutschland keine Chance, nach Punkten zu gewinnen. Sie hoffe auf ein faires Urteil und habe es ansonsten in den Fäusten, für klare Verhältnisse zu sorgen.

Firat Arslan, der früher WBA-Weltmeister im Cruisergewicht war, kehrt nach 20 Monaten Verletzungspause in den Ring zurück und bekommt dabei auf Anhieb die Gelegenheit, sich den Interimstitel dieses Verbands zu sichern. Gegner des 39jährigen ist der sechs Jahre jüngere Franzose Steve Herelius. Während der erfahrenere Arslan 29 Siege, vier Niederlagen und ein Unentschieden auf dem Konto hat, reist Herelius mit 19 Erfolgen, einem verlorenen und einem unentschieden beendeten Auftritt an. Wie der Lokalmatador aus dem schwäbischen Ort Süßen vor den Toren Stuttgarts erklärte, habe er großen Respekt vor diesem Gegner, der im Cruisergewicht noch ungeschlagen ist. Er selbst sei in einem Alter, in dem er keine Aufbaukämpfe mehr brauche und zeigen wolle, was in ihm steckt. Er sei bereit, noch einmal Weltmeister werden.

Steve Herelius bestreitet erstmals einen Kampf in Deutschland, das er jedoch schon während seiner Zeit als Sparringspartner von Wladimir Klitschko, Nikolai Walujew und Alexander Powetkin kennengelernt hat. Er freue sich auf den bevorstehenden Kampf und werde den Gürtel mit nach Hause nehmen.

Trainer Michael Timm, der Ina Menzer und Firat Arslan auf ihre Kämpfe vorbereitet hat, zeigte sich sehr zufrieden. Ina habe im Training wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Es begeistere ihn immer wieder, mit welcher Professionalität sie arbeitet. Und was Firat betreffe, so sei dieser für seinen Siegeswillen bekannt. Er werde wieder 110 Prozent geben, da könne man sicher sein.

Im Vorprogramm der hochkarätig besetzten Veranstaltung ist der Russe Rachim Tschachkijew zu sehen, der bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Goldmedaille im Schwergewicht gewonnen hat. Er unterschrieb bei Universum einen Profivertrag und hat bislang fünf Kämpfe im Cruisergewicht für den Hamburger Boxstall bestritten, die er durchweg vorzeitig für sich entscheiden konnte. Sein Gegner ist der 28 Jahre alte Pole Lukasz Rusiewicz, für den acht Siege und ebenso viele Niederlagen zu Buche stehen.

Mit von der Partie ist auch Jack Culcay, der im September 2009 bei den Amateurweltmeisterschaften in Mailand als erster Deutscher nach vierzehn Jahren wieder eine Goldmedaille gewonnen hatte. Er tritt als Profi im Halbmittelgewicht an und hat seine ersten drei Auftritte überzeugend gewonnen. In Stuttgart trifft er auf den hochgewachsenen Franzosen Yoann Camonin, der ihn um 18 Zentimeter überragt.

Auf der Website des Universum-Boxstalls bedauert Ina Menzer in einem kurzen Interview, daß wohl noch einige Zeit ins Land gehen wird, bevor sich Frauenboxen auch im Fernsehen etabliert hat. Universum habe eine Vorreiterrolle übernommen und vielen guten Boxerinnen die Chance gegeben, sich vor einem großen Publikum zu zeigen und Erfolg zu haben. Ohne Universum gäbe es kein Frauenboxen im deutschen Fernsehen. Das ZDF sei eine ausgezeichnete Möglichkeit der Präsentation gewesen, weshalb man die weitere Entwicklung schwer abschätzen könne. Sollte Universum keinen neuen Fernsehvertrag erhalten, werde auch das Frauenboxen sehr darunter leiden.

Leider habe der zweite große Boxstall in Deutschland, Sauerland Event, nur eine Frau unter Vertrag, die zudem nicht live im Fernsehen gezeigt wird. Das sei natürlich ausgesprochen schade, da sie eine sehr gute Boxerin sei. "Dennoch bin ich davon überzeugt, daß die Zeit für das Frauenboxen erst noch kommt, aber es wird noch ein wenig dauern."

2. Juli 2010



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