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MELDUNG/177: Titelkampf Wladimir Klitschkos gegen Powetkin nimmt endlich Gestalt an (SB)



Im September soll das lange Warten des Russen ein Ende haben

Im Januar 2008 ging der russische Schwergewichtler Alexander Powetkin als Sieger aus einem Turnier der International Boxing Federation (IBF) hervor, in dem der nächste Herausforderer des Weltmeisters ermittelt werden sollte. Teilnehmer waren mit Calvin Brock, Chris Byrd, Eddie Chambers und dem Russen aus dem Sauerland-Boxstall keineswegs die vier bestplazierten Akteure der IBF-Rangliste, was die Willkür eines derartigen Verfahrens unterstreicht. Nach dem WBC ging damit ein weiterer Verband dazu über, den Pflichtherausforderer in einem Ausscheidungsverfahren zu ermitteln, um der dahinsiechenden Schwergewichtsszene eine kurze Scheinblüte zu verleihen.

Bei den Amateuren war Alexander Powetkin 2003 Weltmeister, 2004 in Athen Olympiasieger sowie zweifacher Europameister. Als es um seine Verpflichtung im Profilager ging, boten Don King, Klaus-Peter Kohl und sogar die Klitschkos mit. Am Ende behielten jedoch Wilfried Sauerland und sein Sohn Kalle die Oberhand, die dem Vernehmen nach über eine Million Euro investieren mußten, um die Konkurrenz auszustechen. Wieviel Geld und Einfluß die Sauerlands aufwendeten, um den Russen nach nur dreizehn Profikämpfen an diversen besserplazierten Konkurrenten vorbei ins Turnier zu schleusen, wird man wohl nie erfahren.

Am 27. Oktober 2007 traf der damals 27jährige Powetkin in der ersten Runde des Tournaments auf den zehn Jahre älteren Chris Byrd, der bereits 44 Profikämpfe bestritten und 2000 sowie 2006 klar gegen Wladimir Klitschko verloren hatte. Der Russe setzte sich in Erfurt gegen den Routinier durch, worauf am 2. November 2007 der 25 Jahre alte Eddie Chambers die Oberhand gegen seinen erfahreneren US-amerikanischen Landsmann Calvin Brock behielt. Anfang 2008 kämpften Powetkin und Chambers in Berlin um den Turniersieg, den der anfangs dominierende Amerikaner mit einer Punktniederlage regelrecht verschlief.

Damit hatte sich der Russe vor fast zweieinhalb Jahren für ein Duell mit dem amtierenden IBF-Champion Wladimir Klitschko qualifiziert, das noch immer nicht stattgefunden hat. Zunächst zog es der Ukrainer vor, seinen WBO-Titel zu verteidigen, dann mußte Powetkin einen im Dezember 2008 angesetzten Kampf gegen Klitschko wegen einer Verletzung am Fußgelenk absagen. Nun soll der Schwergewichtler aus Tschechow bei Moskau die langersehnte Chance bekommen. Er freue sich, daß der Kampf endlich stattfindet, und werde sich sehr gewissenhaft darauf vorbereiten, verspricht Powetkin auf der Website von Sauerland Event.

Der inzwischen 30jährige Russe wird von dem renommierten US-Trainer Teddy Atlas betreut und ist in 19 Profikämpfen ungeschlagen, von denen er vierzehn vorzeitig gewann. Sein kommender Gegner Wladimir Klitschko, der 1996 in Atlanta Olympiasieger war, hat 54 Profikämpfe gewonnen (davon 48 durch K.o.) und drei verloren.

Stattfinden wird das Duell aller Voraussicht nach am 11. oder 18. September in Frankfurt am Main, wo der Ukrainer das Fußballstadion bucht und wohl auch füllen wird. Die Promotion K2 der Klitschkos sicherte sich am Sitz der IBF in East Orange, New Jersey, bei der Versteigerung das Veranstaltungsrecht mit einem Gebot von 8,313 Millionen US-Dollar, während es Powetkins Promoter Wilfried Sauerland bei 4.250.000 Dollar belassen hatte. Dem Reglement der IBF entsprechend erhält Wladimir Klitschko als Titelverteidiger 75 Prozent der Börse (also 6.234.750 Dollar) und der Herausforderer Alexander Powetkin die restlichen 25 Prozent (also 2.078.250 Dollar), wobei der Kampf binnen 90 Tagen ausgetragen werden muß.

3. Juli 2010



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