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MELDUNG/181: Rechtsstreit zwischen Sturm und Kohl endet mit Vergleich (SB)



Weltmeister zahlt Universum eine Abfindung

In der zweiten Verhandlungsrunde vor dem Landgericht Hamburg im Rechtsstreit zwischen Weltmeister Felix Sturm und seinem langjährigen Promoter Klaus-Peter Kohl haben sich die beiden Parteien auf einen Vergleich geeinigt, der die Auflösung ihres Vertrags bei gleichzeitiger Zahlung einer Abfindung durch Sturm vorsieht. Damit muß der Leverkusener nicht mehr für die Universum Box-Promotion kämpfen und darf Veranstaltungen in Eigenregie organisieren.

Wie Richter Michael Otto mitteilte, habe Sturm eine Abfindung von maximal 800.000 Euro geboten, während Kohl mindestens 1,5 Millionen verlangte. Auf welche Summe man sich schließlich geeinigt hat, wollten beide Seiten nicht nennen. Daher kann man nur mutmaßen, daß der Boxer rund eine Million Euro zahlen wird. Der genaue Betrag wird lediglich dem Richter schriftlich zur Protokollierung mitgeteilt. Wie einer der Anwälte des Universum-Boxstalls anmerkte, habe der Kompromiß beiden Seiten wehgetan. Kohl zog einen Schlußstrich mit den Worten, beide Parteien seien zufrieden: "Die Sache ist vom Tisch. Jeder kann jetzt in Ruhe machen, was er möchte."

Der 31 Jahre alte Weltmeister hatte seinen WBA-Titel im Mittelgewicht bei seinem letzten Auftritt für den Universum-Boxstall am 11. Juli 2009 auf dem Nürburgring durch einen Punktsieg gegen seinen armenischen Teamkollegen Khoren Gevor erfolgreich verteidigt. Dank dieses Erfolgs verbesserte der Leverkusener seine Profibilanz auf 33 Siege aus 36 Kämpfen. Im August kündigte er einseitig seinen Vertrag zum 19. November 2009, da dessen reguläre Laufzeit zu diesem Zeitpunkt endete. Universum beharrte jedoch auf einer Option für eine dreijährige Vertragsverlängerung bis 2012.

Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Kohl und seinem einstigen Zugpferd ist, verdeutlicht folgende Aussage des Leverkuseners: "Ich würde auch für die Hälfte des Geldes boxen, das ich bei Universum verdient habe, wenn ich nur mit Herrn Kohl nichts mehr zu tun haben muß", sagte Sturm dem "Hamburger Abendblatt".

In der ersten mündlichen Anhörung am 27. Mai hatte der Vorsitzende Richter angedeutet, daß er den Vertrag für grundsätzlich wirksam erachte und die fristlose Kündigung als nicht haltbar einstufen wolle. Andererseits könne die Verlängerungsoption um weitere drei Jahre, die Universum gezogen und Sturms Anwalt als "sittenwidrig" bezeichnet hatte, tatsächlich hinfällig sein. Einem bei Vertragsabschluß 27 Jahre alten Boxer könne nicht zugemutet werden, sich insgesamt sechs Jahre an einen Promoter zu binden.

Um eine außergerichtliche Lösung herbeizuführen, die beiden Seiten einen langen Berufungsweg durch die Instanzen ersparen könnte, hatte Kohl eine Zahlung von drei Millionen Euro vorgeschlagen, was Sturms Berater jedoch rundweg ablehnten. Im Vorfeld der zweiten Verhandlungsrunde ging der Promoter in die Offensive und kündigte im Gespräch mit der "Bild am Sonntag" an, er werde den Vorwurf der Sittenwidrigkeit mit allen Mitteln ausräumen. Er wolle beweisen, daß er nicht mehr verdient habe als der Boxer, auch wenn er dafür seine Bücher offenlegen müsse. Sturm habe allein für die Unterschrift unter den im November 2006 modifizierten Vertrag ein sechsstelliges Handgeld erhalten, wozu Kampfbörsen in Millionenhöhe gekommen seien. Da der Rechtsstreit mit dem nun geschlossenen Vergleich beendet ist, wird man wohl nie erfahren, wieviel beide Parteien im einzelnen von dem gemeinsam erwirtschafteten Kuchen abbekommen haben.

Vom Verband WBA wird Felix Sturm inzwischen als Superchampion geführt, was ihn der Pflicht zur Titelverteidigung innerhalb einer in den Statuten festgelegten Frist enthob. Andernfalls hätte man ihm angesichts seiner langen Pause den Gürtel aberkannt und damit seine sportlichen und geschäftlichen Aussichten erheblich geschmälert.

Künftig wird sich der Boxer bosnischer Abstammung, der mit bürgerlichem Namen Adnan Catic heißt, nach dem Vorbild der Klitschkos selbst vermarkten. Er hat in der Kölner Südstadt ein eigenes Gym errichtet und will am 4. September in der Lanxess-Arena der Domstadt in den Ring zurückkehren, wofür er einen namhaften Gegner in Aussicht stellt. Als übertragender Sender ist Sat.1 im Boot.

Während Felix Sturm nun freisteht, seine Karriere mit allen Risiken und Erträgen in die eigenen Hände zu nehmen, endet für Klaus-Peter Kohl ein weiterer Trennungsstreit mit einem seiner erfolgreichsten Boxer. Ohnehin ist der Sommer 2010 eine Zeit des Abschieds für den 66jährigen Promoter, der den größten Boxstall Europas aufgebaut hat, nun aber vor einer ungewissen Zukunft steht. Am 31. Juli läuft nach acht Jahren der Vertrag mit dem Fernsehpartner ZDF unwiderruflich aus, der den Löwenanteil der Einkünfte des 1984 gegründeten Unternehmens beigesteuert hat.

7. Juli 2010



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