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MELDUNG/187: Kräftemessen der Australier Danny Green und Paul Briggs (SB)



Beide Cruisergewichtler in ihrer Heimat außerordentlich populär

Der Australier Danny Green gehörte vor sieben Jahren zu den vielversprechendsten Akteuren des Supermittelgewichts, dem man zutraute, dieser Gewichtsklasse in führender Position seinen Stempel aufzudrücken. Dies schien sich zu bewahrheiten, als er im August 2003 am Nürburgring auf den damaligen WBC-Weltmeister Markus Beyer traf und ihm Runde für Runde eine Tracht Prügel verpaßte. Nach Punkten haushoch in Führung liegend, wurde er jedoch durch eine umstrittene Disqualifikation um den sicher geglaubten Sieg gebracht.

Trotz zahlreicher Rückschläge und einer mentalen Anfälligkeit brachte sich Markus Beyer mit Unterstützung seines Trainers Ulli Wegner wie auch psychologischer Hilfe wieder in eine ausgezeichnete Verfassung, die ihn im März 2005 über seinen Angstgegner triumphieren ließ. In einem hochklassigen Kampf verteidigte er seinen Titel diesmal verdient durch einen Punktsieg gegen Danny Green.

Im folgenden Jahr wechselte der Australier ins Halbschwergewicht, wo er in der WBA-Rangliste auf dem achten Platz geführt wurde, als sich ihm die Gelegenheit bot, den Weltmeister dieses Verbands herauszufordern. Stipe Drews, der beim Hamburger Universum-Boxstall unter Vertrag stand, hatte sich den vakanten Gürtel am 28. April 2007 durch einen Punktsieg gegen den Italiener Silvio Branco gesichert. Nun reiste er nach Perth, um den Titel am 16. Dezember 2007 erstmals zu verteidigen. Danny Green stellte erneut sein Können unter Beweis und entthronte den Kroaten durch einen einstimmigen Punktsieg.

Im April 2008 war eine Titelverteidigung gegen den Argentinier Hugo Hernan Garay anberaumt, als der Australier überraschend den Gürtel niederlegte und seine Karriere für beendet erklärte. Wie der 35jährige zur Begründung dieses Schritts anführte, habe er mit Blick auf seine Zukunft in 25 Jahren die Entscheidung eines intelligenten Mannes getroffen.

Wie viele andere Boxer vor und nach ihm beließ es Danny Green jedoch nicht bei diesem weisen Entschluß. Ein Jahr darauf kehrte er in den Ring zurück und sicherte sich den Titel der unbedeutenden International Boxing Organization (IBO) im Cruisergewicht. In diesem Limit traf er am 2. Dezember 2009 in der Acer Arena der australischen Metropole Sydney auf die US-amerikanische Legende Roy Jones. Beide Boxer hatten ihre beste Zeit mehr oder minder lange hinter sich und ihre Karriere zwischenzeitlich für beendet erklärt, was sie nicht daran hinderte, eine grandiose Ringschlacht in Aussicht zu stellen.

Der Australier gab sich im Vorfeld des Kampfs äußerst selbstbewußt: "Ich werde den Typen ausknocken", kündigte der 36jährige in seiner Heimat an. "Am 2. Dezember werde ich wie entfesselt sein und vorzeitig gewinnen." Während Danny Green 27 Kämpfe gewonnen, 24 von ihnen vorzeitig beendet und drei verloren hatte, standen für den bereits 40jährigen Roy Jones in seiner langen Laufbahn 54 Siege (40 durch K.o.) und fünf Niederlagen zu Buche.

Der Australier ließ seinen großen Worten entsprechende Taten folgen und machte seine Ankündigung, er werde Roy Jones im Ring überrollen, im Handumdrehen wahr. Der Herausforderer fand sich nach nur 75 Sekunden der ersten Runde nach einer Rechten zum Kinn am Boden wieder. Zwar kam er noch einmal auf die Beine, doch hatte er dem Schlaghagel des sofort nachsetzenden Lokalmatadors nichts mehr entgegenzusetzen, worauf der Ringrichter den Kampf nach nur 122 Sekunden abbrach.

Danny Green, der in seiner Heimat nach wie vor außerordentlich populär ist, trifft am 21. Juli in Perth auf seinen australischen Landsmann Paul Briggs, der ebenfalls eine große Fangemeinde hat. Internationalen Respekt erwarb er insbesondere durch zwei Ringschlachten gegen den Polen Tomasz Adamek um die WBC-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht in den Jahren 2005 und 2006, die er allerdings beide knapp verlor. Während Green inzwischen 29 Siege (26 durch K.o.) und drei Niederlagen eingefahren hat, bilanziert Briggs ebenfalls 29 Erfolge (18 durch K.o.) und drei verlorene Kämpfe.

Ursprünglich sollte dieser in Australien höchst attraktive Kampf in Sydney ausgetragen werden. Die New South Wales Sports Combat Authority forderte jedoch, daß Briggs nach seiner über drei Jahre währenden Pause zunächst einen Aufbaukampf bestreiten müsse. Diese an sich nachvollziehbare Entscheidung stand in Widerspruch zur Auffassung der IBO, die als Weltverband offenbar keine Einwände gegen den Herausforderer hatte. Daraufhin wurde der Kampf nach Perth und damit in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Boxkommission verlegt, so daß der Austragung nun nichts mehr im Weg stehen dürfte.

13. Juli 2010



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