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MELDUNG/188: Langersehnter Lichtblick für Matt Skelton (SB)



Früherer Europameister setzt sich gegen Lee Swaby durch

Matt Skelton, der lange die Kampfsportart Muay Thai betrieben hatte und bei K-1 professionell aufgetreten war, wechselte 2002 im Alter von 35 Jahren zum Profiboxen. Er wurde 2004 durch einen Sieg über Julius Francis englischer Meister und sicherte sich in der Folge im Kampf gegen Michael Sprott auch den britischen und Commonwealth-Titel. Am 25. Februar 2006 unterlag er jedoch Danny Williams knapp nach Punkten und bezog damit seine erste Niederlage, für die er sich bei der Revanche am 8. Juli 2006 revanchieren konnte.

Skelton lehnte ein Angebot ab, gegen WBC-Weltmeister Oleg Maskajew anzutreten, und da sich Pläne Promoter Frank Warrens zerschlugen, WBA-Champion Nikolai Walujew herauszufordern, blieb dem Boxer aus Bedford der Griff nach den höchsten Ehren zunächst versagt. Im Dezember 2006 sollte er in London gegen Audley Harrison antreten, doch brach er sich kurz vor dem anberaumten Termin die Hand, so daß er den Kampf absagen mußte.

Im bedeutendsten Kampf seiner Karriere bekam Matt Skelton, der damals amtierender Commonwealthmeister im Schwergewicht war, am 19. Januar 2008 in Düsseldorf die Gelegenheit, sich mit WBA-Weltmeister Ruslan Tschagajew zu messen. Der Usbeke aus dem Hamburger Universum-Boxstall kehrte nach langer krankheitsbedingter Pause in den Ring zurück, um seinen Titel erstmals zu verteidigen, den er im Frühjahr 2007 Nikolai Walujew abgenommen hatte. Während Tschagajew 23 Profikämpfe gewonnen und einen unentschieden beendet hatte, brachte der Brite aus Bedford eine Bilanz von 20 Siegen und einer Niederlage mit.

Das 4.500 Zuschauer fassende Düsseldorfer Burg-Wächter Castello war ausverkauft, als Ruslan Tschagajew wieder Tritt fassen, Matt Skelton jedoch den großen Wurf seines Lebens über die Bühne bringen wollte. Während der Usbeke mit 29 Jahren erheblich jünger als der bereits 40jährige Brite war, brachte dieser mit 115,5 kg deutlich mehr Gewicht auf die Waage als die 104 kg des Titelverteidigers. Mit lautstarker Unterstützung der etwa 1.000 angereisten britischen Fans hoffte der Commonwealthmeister, der noch nie k.o. gegangen war und als ebenso robuster wie unbequemer Gegner galt, von der fehlenden Kampfpraxis des Weltmeisters zu profitieren. Würden die Engländer nach dem Jahre zurückliegenden Abschied von Lennox Lewis endlich wieder einen Schwergewichtschampion von der Insel feiern?

Matt Skelton ging aggressiv und agil zu Werke, während sich Ruslan Tschagajew in den ersten Runden schwer tat. Der erheblich größere Brite deckte ihn immer wieder von oben klammernd zu, sobald er in Bedrängnis geriet, und schränkte mit dieser Taktik den Usbeken erfolgreich ein. Erst im Laufe der Zeit gelang es dem Titelverteidiger, sich häufiger vom Gegner zu lösen. Ab der neunten Runde zahlte der Herausforderer Tribut für sein hohes Anfangstempo. Er wurde nun sichtlich müde und mußte mehrfach schwere Treffer einstecken, da ihn der Champion wiederholt in den Seilen festsetzte. Zwar konnte Skelton den Kampf stehend beenden, doch war am klaren und einstimmigen Punktsieg Tschagajews nicht zu rütteln, der damit erstmals seinen WBA-Titel verteidigt hatte.

Gut vier Monate später nahm Matt Skelton erneut einen Gürtel ins Visier, wobei es sich diesmal eine Etage tiefer um den vakanten Titel des Europameisters im Schwergewicht handelte. Gegner in diesem am 30. Mai 2008 in Istanbul angesetzten Kampf war der in Hamburg lebende Sinan Samil Sam aus dem Arena-Boxstall, der bereits von 2002 bis 2004 Europameister gewesen war. Da sich der Türke jedoch während der Vorbereitung an der linken Hand verletzte, mußte der Kampf in den Juli verschoben werden.

Als der Termin näherrückte, fiel zur Abwechslung der Brite wegen einer Erkrankung aus. Am 19. Dezember 2008 kam es schließlich zu einem Kampf um den vakanten Titel zwischen dem Italiener Paolo Vidoz und Matt Skelton in Rom, bei dem sich der inzwischen 41 Jahre alte Brite mit technischem K.o. durchsetzte. Lange konnte sich Skelton des Gürtels jedoch nicht erfreuen, da er bereits im Februar 2009 dem ungeschlagenen, aber wenig bekannten 37jährigen Nordiren Martin Rogan durch technischen K.o. in der elften Runde unterlag.

Am 19. September 2009 trat Skelton in Neubrandenburg gegen den 18 Jahre jüngeren Francesco Pianeta aus dem Sauerland-Boxstall an. Der Rechtsausleger aus Gelsenkirchen wirkte lange gehemmt, so daß der Herausforderer aus Bedford durchaus ebenbürtig war. In der dritten Runde setzte sich der von Ulli Wegner betreute Pianeta besser in Szene, in der vierten drehte Skelton den Spieß um und erhöhte seinerseits den Druck. Nach und nach gewann der Gelsenkirchener die Oberhand und brachte Skelton zunehmend in Bedrängnis, der schließlich wegen einer Verletzung an der rechten Hand nicht mehr zum neunten Durchgang antreten konnte und aufgeben mußte.

Im Januar 2010 trat Matt Skelton, der inzwischen nur noch als Aufbaugegner verpflichtet wurde, erneut in Neubrandenburg an, wo er sich dem Bulgaren Kubrat Pulev geschlagen geben mußte. Dies war bereits die dritte Niederlage in Folge für den Briten, so daß die Frage im Raum stand, wie lange er seine absteigende Karriere noch fortsetzen wollte.

Vor wenigen Tagen stellte sich für Matt Skelton endlich wieder ein Lichtblick ein, gelang es ihm doch, sich gegen seinen Landsmann Lee Swaby durchzusetzen. Dieser hatte auf dem Höhepunkt seines Könnens einst den Waliser Enzo Maccarinelli bezwungen, der später Weltmeister im Cruisergewicht war und derzeit Europameister in dieser Gewichtsklasse ist. Auch mit dem amtierenden WBO-Champion Marco Huck stand Swaby im Ring, doch endete dieser Kampf für ihn mit einer Niederlage.

In der York Hall in Bethnal Green, einem Stadtteil im Londoner East End, mußte der 34 Jahre alte Lee Swaby in den ersten drei Runden zahlreiche Treffer einstecken. Nachdem ihn eine wuchtige Rechte Matt Skeltons im fünften Durchgang niedergestreckt hatte, gab er das Zeichen zur Aufgabe. Damit gewann der 43jährige aus Bedford durch technischen K.o. nach einer Minute der fünften Runde und verbesserte seine zuletzt arg ramponierte Bilanz auf 23 Erfolge aus 28 Kämpfen.

14. Juli 2010



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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