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MELDUNG/199: Anstelle Powetkins soll Peter gegen Klitschko antreten (SB)



IBF stuft den Russen herunter - Nigerianer neuer Pflichtherausforderer

Weltmeister Wladimir Klitschko wird am 11. September in Frankfurt/Main aller Voraussicht nach gegen den Nigerianer Samuel Peter antreten. In der Arena, in der normalerweise der Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt seine Heimspiele austrägt, sollen am Kampfabend 54.000 Zuschauer Platz finden. Zunächst war ein Kampf des Champions der Verbände WBO, IBF und IBO im Schwergewicht gegen Alexander Powetkin aus dem Sauerland-Boxstall vorgesehen, der die Rangliste der IBF als Pflichtherausforderer anführte. Der Russe hat jedoch den Kampfvertrag nicht unterzeichnet und ist auch nicht zur offiziellen Pressekonferenz am Montag erschienen - angeblich wegen einer Nebenhöhlenentzündung, die ihn am Fliegen hinderte.

Powetkins Promoter Wilfried Sauerland hofft dennoch, daß der Kampf zwischen Klitschko und dem Russen zustande kommt. "Alexander und sein Management sind zum Gespräch bei der IBF eingeladen worden. Mal abwarten", sagte Sauerland. Powetkins Trainer Teddy Atlas ist nicht davon überzeugt: "Ich habe Alexander von Anfang an gesagt, daß wir mehr Zeit brauchen. Ich wollte nicht, daß der Kampf schon in allernächster Zeit stattfindet", sagte Atlas dem russischen Internetportal "gazeta.ru".

Zudem bezeichnete Sauerland den angebotenen Kontrakt als "Sklavenvertrag". Einzelheiten aus der umstrittenen Vereinbarung hat der Internet-Dienst Figosport veröffentlicht. Demnach geht es um die Handschuhe, Hotel- und Reisekosten sowie ungewöhnliche Vertragsstrafen. Nach Angaben Sauerlands umfaßt der Vertrag 25 Seiten und enthält nur Pflichten und Knebelpassagen. So etwas habe er in 35 Jahren im Boxgeschäft noch nicht gesehen. Merkwürdig sei auch der zeitliche Ablauf. Noch bevor eine Entscheidung des Verbandes IBF vorlag, soll das Lager Klitschkos bereits mit dem Ersatzgegner Samuel Peter verhandelt haben - vermutlich weil der Nigerianer weitaus billiger als Powetkin ist, dem als Pflichtgegner 2,1 Millionen Dollar zustanden, mutmaßt Sauerland. Der Streit erinnert an die geplatzten Kämpfe der Klitschkos gegen WBA-Champion David Haye. Auch der Brite nannte "Knebelverträge der Klitschkos" als Grund für seine Absagen.

Den Kampf gegen Powetkin werde es mit Sicherheit nicht geben, zog Klitschkos Manager Bernd Bönte einen Schlußstrich. "Die IBF hat Powetkin bereits heruntergestuft, nachdem er den Kampfvertrag innerhalb der gesetzten 15-Tage-Frist nicht unterschrieben hat. Wir wurden gebeten, uns mit dem nächsten Boxer in der Rangliste in Verbindung zu setzen. In erster Linie dankt Wladimir der IBF für die schnelle Entscheidung. Er hatte schon Sorge, daß Powetkin den Kampf kurzfristig platzen läßt. Jetzt haben wir Zeit, einen Ersatz zu finden. Als nächster Pflichtherausforderer rückt Samuel Peter als Nummer zwei der IBF-Rangliste nach. Ich bin zuversichtlich, daß wir diesen Kampf bis Anfang nächster Woche in trockenen Tüchern haben", sagte Bönte. "Nach Maßgabe der IBF verhandeln wir mit ihm, und es sieht gut aus." Am 2. August soll die Pressekonferenz mit dem neuen Kontrahenten steigen.

Der 29 Jahre alte Samuel Peter hat 34 seiner 37 Profikämpfe gewonnen und 27 Gegner vorzeitig besiegt. Für den 34jährigen Klitschko ist es der 18. Titelkampf seiner Karriere. Seine Bilanz steht bei 54 Siegen in 57 Kämpfen (davon 48 durch K.o.) und drei Niederlagen. Zuletzt verteidigte er seine Gürtel am 20. März in Düsseldorf vor 50.000 Zuschauern durch einen K.o.-Sieg gegen den US-Amerikaner Eddie Chambers.

Mit Samuel Peter hat Wladimir Klitschko im Jahr 2005 schon einmal im Ring gestanden. In einem Ausscheidungskampf in Atlantic City gewann der Ukrainer damals, obwohl ihn der Nigerianer dreimal zu Boden geschickt hatte, am Ende noch nach Punkten und holte sich dann im April 2006 gegen Chris Byrd den Titel. "Wladimir freut sich auf den Kampf. Peter war einer der härtesten Gegner, die er je hatte", betonte Bönte. Gegen Vitali Klitschko verlor Samuel Peter 2008 in der achten Runde den Kampf und zugleich den Titel des WBC.

25. Juli 2010



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