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MELDUNG/215: Ahmet Öner arbeitet künftig mit Don King zusammen (SB)



Vermarktung Selcuk Aydins in den USA erfordert Partnerschaft

Selcuk Aydin ist neben dem Kubaner Yuriorkis Gamboa der bislang erfolgreichste Akteur des Hamburger Arena-Boxstalls. Promoter Ahmet Öner hatte die Austragungsrechte an einem Ausscheidungskampf ersteigert, in dem das World Boxing Council (WBC) den ungewöhnlichen Titel des Silver Champion im Weltergewicht vergab, dessen Sieger mit dem amtierenden Weltmeister in den Ring steigen darf. Während traditionell der Ranglistenerste jedes Verbands automatisch Pflichtherausforderer des jeweiligen Champions war, ist man inzwischen dazu übergegangen, dieses Vorrecht durch eine Qualifikation zu ermitteln, in der für gewöhnlich die beiden in der Rangliste am besten plazierten Boxer aufeinandertreffen.

Diese Praxis ist ebenso wie die Ernennung von Superchampions dem Interesse geschuldet, das Boxgeschäft für das Publikum attraktiver zu gestalten. Allerdings führt diese Entwicklung dazu, daß über kurz oder lang jeder Verband neben dem regulären Weltmeister über ein bis zwei weitere über- oder untergeordnete Champions wie etwa einen Interimsweltmeister verfügt, was die Situation für das Publikum unüberschaubar macht und den Boxsport weiter denn je von dem alten Prinzip entfernt, daß es in jeder Gewichtsklasse nur einen "wahren" Champion geben sollte. Hinzu kommt natürlich, daß sich die Qualität des Sports nicht dadurch verbessert, daß man seine Präsentation diversifiziert und den Zuschauern Erlesenes vorgaukelt, indem man die Hausmannskost spektakulär anpreist. Im Versuch, schwindende Substanz zu kompensieren, setzt man also Umsetzungsprozesse in Gang, welche die Entwertung der verbliebenen Bestände beschleunigen.

Was nun Selcuk Aydin betrifft, so bekam es dieser am 5. Juni in Istanbul mit dem in Kanada lebenden Rumänen Ionut Dan Ion zu tun, nachdem der ursprünglich vorgesehene Gegner Luis Collazo wegen angeblicher Gewichtsprobleme abgesagt hatte. Da beide Boxer ungeschlagen waren, stand im Abdi Ipekci Spor Salonu, einer der größten Basketballarenen der Metropole am Bosporus, ein hochklassiger Kampf zu erwarten. Während Aydin hinter dem US-Star Floyd Mayweather jr. an Nummer zwei der WBC-Rangliste im Weltergewicht notiert wurde, führte der 28jährige Rechtsausleger Ionut Dan Ion die Rangliste im niedrigeren Halbweltergewicht an und stieg eine Klasse auf, um diese Chance zu nutzen.

Vor 10.000 begeisterten Zuschauern schenkten die beiden einander nichts und boten eine wahre Ringschlacht, die Aydin zunächst im Vorteil sah. Dieser schickte seinen Gegner gleich in der ersten Runde mit einem rechten Haken zu Boden, doch der Rumäne erholte sich wieder und war bald der aktivere Boxer im Ring. Ion schlug wesentlich häufiger, während der Türke die insgesamt klareren Treffer verbuchte. Nach zwölf spannenden Runden trug Selcuk Aydin knapp nach Punkten (114:113, 114:113, 111:116) den Sieg davon.

Natürlich wurde Aydin, dem es als erstem Türken gelungen war, auf heimischem Boden Profiweltmeister zu werden, von seinen Landsleuten ausgiebig gefeiert. Zu den Höhepunkten zählte ein Empfang bei Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der ihn beglückwünschte. Überdies konnte sich Selcuk Aydin über eine Auszeichnung durch die Europäische Box-Union freuen. Bei ihrer Jahresversammlung in Madrid zeichnete die EBU seinen Kampf gegen den Belgier Jackson Bonsu im Juli 2009 als "Europameisterschaft des Jahres" aus.

Wenngleich der Türke gerne in Deutschland kämpft und einen Auftritt in seiner Heimat besonders schätzt, ist ihm doch bewußt, daß er zu großen Kämpfen gegen die namhaftesten Kontrahenten in die USA reisen muß. Er hat dort schon einmal geboxt, was ihm gut gefallen hat, wie er auf der Internetseite des Arena-Boxstalls berichtet. Er wolle den Fans auf der ganzen Welt zeigen, daß er der Beste seiner Gewichtsklasse sei.

Wie für alle ausländischen Promoter stellt sich auch für Ahmet Öner das Problem, daß er in den USA Partner braucht, um seine Boxer dort plazieren zu können. Er ist bereits strategische Partnerschaften mit Bob Arums "Top Rank" und Oscar de la Hoyas "Golden Boy Promotions" eingegangen und wird künftig auch mit Don King zusammenarbeiten. Mit ihm habe man sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt, da er nach wie vor zu den bekanntesten, einflußreichsten und besten Promotern der Welt gehöre, so Öner. Selcuk Aydin sei mit seinem aggressiven, offensiven Kampfstil wie geschaffen für den amerikanischen Markt und strebe dort Titelkämpfe gegen den regulären WBC-Weltmeister Andre Berto, aber auch überragende Stars wie Floyd Mayweather und Manny Pacquiao an. Für solche Kämpfe sei es unverzichtbar, einen starken Partner an der Seite zu haben.

Don King, der am letzten Samstag Veranstalter des Titelkampfs zwischen dem US-Amerikaner Devon Alexander und dem früheren Universum-Boxer Andrej Kotelnik war, der in St. Louis ausgetragen wurde, stellte dem Publikum Selcuk Aydin und Ahmet Öner persönlich vor. Vor dem Hauptkampf bat er die beiden in den Ring, wo sie dann Seite an Seite mit den ebenfalls anwesenden Evander Holyfield und Floyd Mayweather standen. King erfüllt seinen Teil der Zusammenarbeit, was Öner den sauren Apfel versüßen dürfte, daß der US-Promoter künftig bei Auftritten Aydins in den USA mitverdient und mitbestimmt.

10. August 2010



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