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MELDUNG/220: Chris Arreola nach Sieg über Manuel Quezada "Mexiko-Champion" (SB)



Klarer Punktsieg gegen einen nie aufsteckenden Kontrahenten

Christobal Arreola, der dem deutschen Boxpublikum seit seiner Niederlage gegen WBC-Weltmeister Vitali Klitschko bekannt sein dürfte, ist neuer Mexiko-Champion dieses Verbands. Er setzte sich gegen seinen US-amerikanischen Landsmann Manuel Quezada durch, dessen Familie wie die seine mexikanischer Herkunft ist. Arreola ging als hoher Favorit in diesen Kampf, doch traf er auf einen tapferen Kontrahenten, der auch nach drei Niederschlägen nicht aufsteckte und sich nur nach Punkten geschlagen gab.

Zwar versuchte Arreola, frühzeitig eine Entscheidung herbeizuführen und sich mit einem souveränen Auftritt für einen erneuten Titelkampf zu empfehlen, doch ließ sich Quezada davon kaum beeindrucken und bot ihm nach Kräften Paroli. Erst in der neunten Runde gelang es dem Favoriten, mit einer sehenswerten Kombination deutliche Wirkung zu erzielen. Quezada ging in diesem Durchgang zweimal zu Boden und wurde schließlich vom Gong gerettet. Arreola konnte in dieser Phase nicht nachsetzen, da er offensichtlich Konditionsprobleme bekam, so daß sich sein Gegner überraschenderweise gut in Szene setzte. In der zwölften und letzten Runde erzielte Arreola dann einen dritten Niederschlag, der jedoch ebenfalls keine vorzeitige Entscheidung herbeiführte. An seinem klaren Punktsieg (117:108, 118:107, 118:107) gab es freilich nichts zu rütteln.

Chris Arreola verbesserte dank dieses Erfolgs seine Bilanz auf 29 Siege und zwei Niederlagen, wobei er 25 Gegner vorzeitig besiegt hat. Für Manuel Quezada stehen nun 29 gewonnene und sechs verlorene Auftritte zu Buche. Im April war Arreola dem wesentlich leichteren Polen Tomasz Adamek unterlegen, der früher Titel im Halbschwergewicht und Cruisergewicht in seinem Besitz hatte. Nach dieser Niederlage räumte Arreola, der in der Vergangenheit des öfteren durch mangelnden Trainingseifer und Gewichtsprobleme aufgefallen war, unzureichende Vorbereitung ein. Zugleich versprach er damals, sich bei seinem nächsten Auftritt in Bestform zu präsentieren. Er brachte gegen Quezada jedoch noch drei Kilogramm mehr auf die Waage als im April.

Dennoch wirkte er kompakter und hatte keine Mühe, über die vollen zwölf Runden zu gehen. Quezada, der in seiner Profikarriere nur ein einziges Mal vorzeitig verloren hat, erwies sich einmal mehr als kampfstarker und robuster Boxer, der es seinem Gegner außerordentlich schwer macht und viel einstecken kann. Deshalb sollte man Arreola nicht zur Last legen, diesen Kampf nicht rascher zu Ende gebracht zu haben. Er boxte an diesem Abend wie man es von kennt, ging er doch aggressiv zu Werke und suchte immer wieder den Schlagabtausch.

Durch den Sieg über Quezada bleibt Chris Arreola jedenfalls im Kreis der Kandidaten für einen Titelkampf, dem ohnehin wenige Boxer angehören, die so attraktiv zu Werke gehen wie er. Zudem nahmen inkompetente Einwände allzu oft sein äußeres Erscheinungsbild aufs Korn, das nicht das geringste über seine Qualitäten im Ring aussagt. Dem nichtssagenden Ideal des Athleten wird er nie entsprechen, weshalb auch in seinem Fall geboten wäre, sich vom laienhaften Blick fremdbestimmter physischer Vorgaben zu verabschieden.

Gegen Vitali Klitschko stand er auf verlorenem Posten, doch galt das auch für alle anderen Schwergewichtler, die dem Ukrainer in jüngerer Zeit gefährlich zu werden hofften. Auch Wladimir Klitschko kann man zutrauen, mit Arreola fertig zu werden. Reizvoll wäre indessen ein Kampf gegen WBA-Weltmeister David Haye, dessen Ausgang sich keineswegs sicher voraussagen ließe. Bevor es soweit ist, wird Chris Arreola zweifellos noch Gelegenheit bekommen, seine Fertigkeiten unter Beweis zu stellen, wobei seine Gegner nur hoffen können, daß er in seine alten Untugenden zurückfällt und die Vorbereitung schleifen läßt.

15. August 2010



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