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MELDUNG/223: Roman Karmazin sinnt auf Revanche gegen Sebastian Sylvester (SB)



IBF setzt Ausscheidungskampf gegen Australier Daniel Geale an

Am 5. Juni rettete Weltmeister Sebastian Sylvester seinen IBF-Titel im Mittelgewicht durch ein umstrittenes Unentschieden gegen den Russen Roman Karmazin. Vor 4.500 Zuschauern im Jahnsportforum Neubrandenburg hatten die Kontrahenten einander einen lebhaften Kampf mit wechselnden Vorteilen geboten, in dem sich der Pflichtherausforderer zunächst besser in Szene setzte, während der Greifswalder erst im letzten Drittel die Oberhand gewann.

Erstaunlich waren die enormen Differenzen in den Wertungen der drei Punktrichter. Während nämlich John Duke Lawson aus den USA den Champion mit 118:111 klar in Front sah, notierte sein Landsmann Matthew Podgorski 111:117 und der Kanadier Pasquale Procopio kam auf 114:114. Im Verlauf der sieben Minuten dauernden Auswertung der Punktzettel kam es am Tisch der IBF-Delegierten zu einer Kontroverse, als die Ergebnisse des Kanadiers ein zweites Mal geprüft wurden. Im Lager Karmazins fürchtete man eine Manipulation und wollte die Neuauszählung fotografieren. Als es dabei zu einem Gerangel kam, griff der Sicherheitsdienst ein. Wie aus dem Umfeld Sylvesters verlautete, habe bei der ersten Zählung von 114:113 ein Fehler vorgelegen, da es bei der IBF keine unentschiedenen Runden gebe.

Karmazin, der früher IBF-Weltmeister im Superweltergewicht gewesen war, reklamierte den Sieg für sich und erklärte verbittert, daß man in Deutschland wenig Chancen habe. Er fühlte sich um den Titel betrogen und forderte einen Rückkampf. Nach diesem knappen und unglücklichen Scheitern winkt dem Russen unter Umständen eine erneute Titelchance. Zuvor muß er jedoch einen Ausscheidungskampf gegen den Australier Daniel Geale absolvieren, dessen Sieger das Vorrecht zuerkannt wird, den Champion herauszufordern.

Da Geale in der Rangliste der IBF an Nummer sieben und bei der WBO nur an dreizehnter Stelle geführt wird, ist allerdings schleierhaft, wieso gerade er in den Genuß dieser Qualifikation kommt. Doch bekanntlich sind die Wege der Verbände mehr oder minder unerforschlich, so daß man nur mutmaßen kann, daß Geld und Beziehungen im Spiel waren, auch wenn die IBF nach der vor einigen Jahren erfolgten zwangsweisen Absetzung der alten Führung angeblich einer Säuberung unterzogen wurde. Mit seinen undurchsichtigen und nicht selten grenzwertigen Praktiken steht dieser Verband indessen nicht allein, da auch die Konkurrenz kaum Skrupel kennt, wenn es gilt, geschäftliche Vorteilserwägungen über transparente Regeln und faire Verfahrensweisen zu stellen.

Wie Karmazin im Interview berichtete, habe man Beschwerde gegen die Wertung des Kampfs mit Sylvester eingelegt, über die nun in der Zentrale der IBF beraten wurde. Nach langwierigen Gesprächen habe der Verband eine sofortige Revanche abgelehnt und statt dessen einen Ausscheidungskampf anberaumt, dessen Ort und Zeitpunkt noch bekanntgegeben werden. Karmazin hofft, den Kampf mit Hilfe seines Sponsors nach Rußland holen und damit zur positiven Entwicklung des professionellen Boxsports in seiner Heimat beitragen zu können.

Einen Sieg über den Australier vorausgesetzt, böte sich Karmazin wohl erst im kommenden Jahr die Gelegenheit, erneut gegen Sebastian Sylvester anzutreten und ihm den Gürtel streitig zu machen. Nach Angaben des Sauerland-Boxstalls steigt der Greifswalder am 30. Oktober in Rostock zunächst zu einer freiwilligen Titelverteidigung in den Ring.

18. August 2010



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