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MELDUNG/225: Vitali Klitschko in Hamburg gegen Shannon Briggs (SB)



Erstmals seit elf Jahren wieder ein Gastspiel in der Hansestadt

Vitali Klitschko verteidigt seinen WBC-Titel im Schwergewicht am 16. Oktober in Hamburg gegen Shannon Briggs. Der US-Amerikaner war nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Nikolai Walujew des öfteren als potentieller Gegner ins Gespräch gebracht worden, doch blieb eine offizielle Bestätigung bislang aus. Nun bestätigte der Ukrainer in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung erstmals den Vertragsabschluß: "Ich freue mich riesig, daß ich endlich wieder einmal in Hamburg boxe. Hier hat meine Profilaufbahn begonnen. Die O2 World ist eine traumhafte Arena. Shannon Briggs redet zwar unglaublich viel Mist, ist aber ein sehr starker Gegner. Schließlich hat er deutlich mehr Profikämpfe als ich bestritten und ist einer der härtesten Puncher in der Schwergewichtsszene. Ich werde mich mit meinem Trainer Fritz Sdunek sehr intensiv auf ihn vorbereiten."

Klitschko kehrt nach elf Jahren zu einem Auftritt nach Hamburg zurück, wo er seinen dreizehnten Kampf um die Weltmeisterschaft bestreiten wird. Der 39 Jahre alte Schwergewichtler aus der Ukraine hat bei 40 seiner 42 Kämpfe den Ring als Sieger verlassen. Er verlor lediglich wegen einer schweren Schulterverletzung gegen Chris Byrd sowie gegen Lennox Lewis. Nur zwei Gegner schafften es, mit dem Ukrainer bis zum Schlußgong durchzuhalten, nämlich vor Jahren Timo Hoffmann und in jüngerer Zeit Kevin Johnson. Der Kampf am 16. Oktober ist die fünfte Titelverteidigung Klitschkos seit seinem Comeback im Oktober 2008, bei dem er Samuel Peter den Titel abnahm.

Danach besiegte er den Kubaner Juan Carlos Gomez, der damals beim Arena-Boxstall unter Vertrag stand, und den US-Amerikaner Cristobal Arreola vorzeitig, worauf er Kevin Johnson nach Punkten bezwang. Zuletzt verteidigte er seinen Gürtel am 29. Mai in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen mit einem K.o.-Sieg in der zehnten Runde erfolgreich gegen den Polen Albert Sosnowski. Bevor er selbst wieder in den Ring steigt, drückt er seinem Bruder Wladimir am 11. September die Daumen, wenn dieser die Titel der Verbände IBF, WBO und IBO gegen Samuel Peter aus Nigeria in der Frankfurter Commerzbankarena verteidigt.

Briggs, der an Nummer acht der WBC-Rangliste notiert wird, gilt nicht gerade als Wunschgegner Klitschkos. Der 38 Jahre alte US-Amerikaner aus New York hat bislang 51 Profikämpfe gewonnen (davon 45 durch K.o.), fünf verloren und einen unentschieden beendet. International bekannt wurde Briggs 1997 durch einen fragwürdigen Punktsieg gegen den überlegenen George Foreman, der ihm den Weg zu einem Titelkampf öffnete. Im März 1998 brachte er in Atlantic City den damaligen WBC-Weltmeister Lennox Lewis in der ersten und zweiten Runde in große Schwierigkeiten, verlor jedoch im fünften Durchgang durch Knockout. Durch einen K.o.-Sieg in der letzten Sekunde seines Kampfs gegen den Weißrussen Sergej Liachowitsch wurde er im November 2006 Champion der WBO, doch entthronte ihn Sultan Ibragimow im Juni 2007 bereits bei der ersten Titelverteidigung.

Nach dieser deprimierenden Niederlage legte Briggs eine Pause von zweieinhalb Jahren ein, bevor er wieder in den Ring zurückkehrte. Im Dezember 2009 besiegte er Marcus McGee in der ersten Runde, wurde aber positiv auf eine verbotene Substanz getestet. Er willigte ein, den Kampf "ohne Wertung" zu verbuchen, und wurde im Gegenzug von der New Yorker Boxkommission nur kurz suspendiert und mit einer milden Geldstrafe belegt. Darauf folgten zwei Siege, wobei er zuletzt am 28. Mai kämpfte und gegen seinen Landsmann Rob Calloway einen vorzeitigen Sieg feierte.

Shannon Briggs, der seit Jahren einen Kampf gegen einen der Klitschkos gefordert hat, bekommt nun die Gelegenheit, den Beweis anzutreten, daß er mehr als ein Notnagel nach den nicht zustande gekommenen Duellen der Ukrainer gegen Nikolai Walujew oder David Haye ist. Er freue sich schon darauf, einen großen Champion in Rente zu schicken, hatte Briggs schon vor einigen Wochen erklärt, als sich ein Kampf gegen Klitschko abzeichnete. Nun legte er noch einmal nach: "Die meisten Gegner der Klitschkos machen sich in die Hose, wenn sie den Ring betreten. Aber ich werde Vitali unter Druck setzen. Er kann sich noch ein paar Wochen seinen WBC-Gürtel anschauen, doch am 16. Oktober gehört er mir."

Wie der Geschäftsführer der Klitschko Management Group, Bernd Bönte, mitteilte, seien die Verträge unterzeichnet. Auf Pressekonferenzen am 30. August in Kiew und am folgenden Tag in Hamburg werde der Kampf offiziell angekündigt. Auf jeden Fall handle es sich um eine sehr interessante Konstellation. Vitali müsse sich gut vorbereiten, da Briggs in den ersten sechs oder sieben Runden sehr gefährlich sei. Vitali sei sich im klaren darüber, daß dies kein Spaziergang wird und er den Gegner nicht unterschätzen dürfe. Wie man von Briggs wisse, könne er auf Weltklasseniveau kämpfen, aber auch wie gegen Sultan Ibragimow wie ein Schlafwandler im Ring herumlaufen, warb Bönte für den Kampf, ohne eine desolate Vorstellung des Herausforderers gänzlich auszuschließen. Was eine Übertragung für das US-Publikum betreffe, stehe er in Kontakt mit dem Sender ESPN, der auch Wladimir Klitschkos Titelverteidigung gegen Samuel Peter ausstrahlt, und hoffe mit Blick auf Vitalis Kampf im Oktober ebenfalls auf eine Einigung.

20. August 2010



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