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MELDUNG/226: Zeit der Worte für Huck und Godfrey vorüber (SB)



WBO-Champion verteidigt heute seinen Titel im Cruisergewicht

Weltmeister Marco Huck verteidigt heute abend in Erfurt den Titel der WBO im Cruisergewicht gegen Matt Godfrey aus den USA. Der 29 Jahre alte Herausforderer aus Providence, Rhode Island, hat wie der Champion in seiner Karriere nur einmal verloren und will sich den Traum seines Lebens erfüllen. Er hält Huck dessen ansehnliche Kampfbilanz wie auch Erfolge gegen hochklassige Konkurrenten zugute, meint aber auch entscheidende Mängel seines Gegners ausgemacht zu haben. Diesem fehle eine fundierte Ausbildung als Amateurboxer, was zu taktischen Fehlern und technischen Unzulänglichkeiten führe. Er werde den Weltmeister auf den Boden der Tatsachen zurückholen, erklärte er auf der letzten Pressekonferenz.

Trainiert wird Godfrey von seinem Landsmann John Scully, der 1996 in Leipzig gegen Henry Maske und 1997 in Berlin gegen Graciano Rocchigiani verloren hat. An internationaler Erfahrung mit Schwerpunkt Deutschland fehlt es der Ecke des Herausforderers also nicht, die freilich ihrem Schützling in dieser Hinsicht nur raten kann, mit einer überzeugenden Leistung alle Unwägbarkeiten einer knappen Punktwertung aus dem Feld zu schlagen.

Ein Freund taktischer Finessen ist der nordamerikanische Meister ohnehin nicht, wie seine Ankündigung zeigt. Sobald man im Ring stehe, seien alle vorangegangenen Analysen des Gegners Schall und Rauch, da es einzig und allein darum gehe, mehr auszuteilen als einzustecken. Er werde Huck den Kampf aufzwingen und auf sein Gesicht zielen, wann immer sich die Gelegenheit dazu biete. Obwohl er seit siebzehn Jahren boxe, sei dies seine erste Chance, Champion zu werden. Deshalb werde er sie nutzen und am Ende den Gürtel mit nach Hause nehmen.

Wie auf Godfreys Homepage nachzulesen ist, nimmt der US-Amerikaner Anleihen an ein cineastisches Vorbild und erklärt, er habe sich in den vergangenen sieben Monaten vorbereitet "wie Rocky im Film gegen den Russen Drago". Er zog sich in den kleinen und abgelegenen Ort Vernon im US-Bundesstaat Connecticut zurück, wo er in der Garage seines Kraft- und Konditionstrainers Ross Enamait an der Kondition arbeitete. Promoter Jim Burchfield wußte zu berichten, daß sein Boxer im Trainingscamp auf Rhode Island beim Sparring zwei Schwergewichtler verschlissen habe. Daraufhin habe man einen Cruisergewichtler engagiert, der Huck ziemlich ähnlich sehe, und diesen ebenfalls demoliert.

Marco Huck, der mit 29 Siegen neun Kämpfe mehr als der Herausforderer gewonnen hat, gesteht Godfrey gerne zu, daß dieser wie jeder gute Sportler an seine Chance glaubt. Andererseits seien es immer dieselben Sprüche, die er von den Herausforderern zu hören bekomme. Er selbst habe sich acht Wochen lang gründlich vorbereitet, nehme den Gegner nicht auf die leichte Schulter und werde deshalb Weltmeister bleiben, verkündete er resolut.

Trainer Ulli Wegner unterstrich, daß man völlig im Bilde sei, womit man es bei der vierten Titelverteidigung zu tun habe. Promoter Wilfried Sauerland fügte die obligatorische Warnung hinzu, man dürfe den Gegner nicht unterschätzen. Doch dann verlieh er seiner Zuversicht Ausdruck, daß Marco Huck seinen Titel erfolgreich verteidigen werde. Zugleich kündigte er einen ganz besonderen Boxabend an: "Wir sind stolz, zum 100. Mal in der ARD zu boxen. Die Zusammenarbeit war vom ersten Gong an hervorragend. Nicht umsonst haben wir den Vertrag Anfang dieses Jahres um fünf weitere Jahre verlängert."

Ein Sieg Marco Hucks ist auch insofern fest eingeplant, als der WBO-Weltmeister beim Turnier der sechs weltbesten Boxer des Cruisergewichts antreten soll, das man nach dem Vorbild des spektakulären Super-Six-Turniers aus der Taufe heben will, bei dem Sauerland mit den Supermittelgewichtlern Arthur Abraham und Mikkel Kessler zwei heiße Eisen im Feuer hat.

21. August 2010



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