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MELDUNG/228: Mit der Brechstange zum Sieg - Marco Huck zerlegt Matt Godfrey (SB)



WBO-Weltmeister im Cruisergewicht siegt in Runde fünf

Marco Huck hat der Sauerland-Promotion und deren Fernsehpartner ARD das passende Präsent zur 100. gemeinsamen Veranstaltung überreicht. Der WBO-Weltmeister im Cruisergewicht brachte vor 4.500 Zuschauern in der Messehalle Erfurt auch seine vierte Titelverteidigung erfolgreich über die Bühne und besiegte den US-Amerikaner Matt Godfrey durch technischen K.o. nach zwei Minuten und 18 Sekunden der fünften Runde. Damit verbesserte der Champion seine Bilanz auf 30 Siege in 31 Profikämpfen, während für den Herausforderer nach dieser Niederlage 20 gewonnene und zwei verlorene Auftritte zu Buche stehen.

In der ersten Runde des Kampfs ging es noch recht verhalten zu, wobei Godfrey, der in der Rechtsauslage boxte, mit guter Beinarbeit und schnellen Händen zum Erfolg zu kommen versuchte. Im zweiten Durchgang ging Huck entschiedener zur Sache und erzielte kurz vor der Pause mit einer Rechten zum Kopf seines Gegners bereits den ersten Niederschlag. Godfrey wurde angezählt, rettete sich aber über die verbliebene Frist. In den folgenden drei Minuten erhöhte der 25jährige Titelverteidiger den Druck und schickte den Herausforderer erneut zu Boden, der jedoch nicht angezählt wurde, da ein Tiefschlag im Spiel war. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging der Kampf weiter, und der US-Amerikaner konnte sich vorübergehend fangen, zumal Huck im nächsten Durchgang etwas zurückhaltender zu Werke ging.

In der fünften Runde landete Godfrey nach einer rechten Geraden auf den Brettern, wo der 29jährige angezählt wurde. Er kam wieder auf die Beine, doch trieb ihn der Weltmeister derart gegen die Seile, daß der Amerikaner fast aus dem Ring fiel. Der Schützling von Trainer John Scully steckte dennoch nicht auf, doch mußte er sogleich weitere schwere Treffer einstecken, worauf Ringrichter Genaro Rodriguez einschritt und den ungleichen Kampf abbrach.

Matt Godfrey hatte keine Gelegenheit bekommen, Marco Huck auszuboxen, dessen Angriffsdruck und Schlagwirkung ihn überforderten. "Da kamen einfach so viele Hände angeflogen, daß ich nicht in der Lage war, eigene Angriffe zu starten", beschrieb der Herausforderer hinterher seine aussichtslose Situation. "Ich bin den ersten drei, vier Schlägen ausgewichen, er hat aber immer sechs, sieben Schläge gebracht. Mein Coach hat gesagt, ich habe alles falsch gemacht. Bei ihm kommen die Schläge aus allen Richtungen, dort wo sie normalerweise nicht herkommen. Es sind so viele unerwartete Schläge gekommen. Gratulation an Marco, er war der bessere Mann."

"Ich habe die altbewährte Brechstange herausgeholt, um zu siegen", zog der alte und neue Weltmeister zutreffend Bilanz. "Godfrey war ein unbequemer Gegner. Ich wollte mich nicht zu lange mit ihm aufhalten und habe den Sieg quasi erzwungen. Wo meine Rechte hintrifft, da wächst kein Gras mehr. Ich freue mich, daß ich bei der 100. Sendung von 'Boxen im Ersten' erfolgreich war und will beim geplanten Super-Six-Turnier einen Titelvereinigungskampf bestreiten", gab sich Huck nach dem Erfolg zuversichtlich.

Ulli Wegner fand zwar bei seinem Schützling so manches, was es zu verbessern gilt, zeigte sich aber insgesamt sehr zufrieden: "Ich freue mich, daß wir so viel Anteilnahme in Erfurt bekommen haben. Wir haben gesiegt, Marco hat schon recht, wo seine Rechte hinschlägt, da wächst kein Gras mehr. Wir müssen aber noch mehr Ruhe reinbringen. Wir müssen in Zukunft damit rechnen, daß es viele Klasseleute im Cruisergewicht gibt. Aber Marco ist eben ein aggressiver Kämpfer, und das lieben ja die Leute."

Vor 3,8 Millionen Fernsehzuschauern (21,8 Prozent Marktanteil) demonstrierte Huck eindrucksvoll, daß ihm Gegner vom Schlage Matt Godfreys nicht das Wasser reichen können. Die Anforderungen werden jedoch steigen, wenn Promoter Sauerland das nächste Super-Six-Turnier in die Tat umsetzt. Entsprechend dem laufenden Turnier im Supermittelgewicht sollen ab Dezember die weltbesten Cruisergewichtler aufeinandertreffen. "Mit drei Weltmeistern sind wir uns bereits einig. Wir hoffen, daß wir bis Ende Oktober die Verträge für das Turnier unter Dach und Fach haben", teilte Wilfried Sauerland mit.

Mit von der Partie ist sicher IBF-Weltmeister Steve Cunningham aus den USA, der Huck die bislang einzige Niederlage beigebracht hat und inzwischen ebenfalls bei Sauerland Event unter Vertrag steht. Dritter Weltmeister im Bunde soll der polnische WBC-Titelträger Krzystof Wlodarczyk sein. Aus dem Sauerland-Boxstall kommt neben Huck und Cunningham noch der Kubaner Yoan Pablo Hernandez hinzu.

Mit Denis Lebedew steht der Gegner für die nächste Pflichtverteidigung Marco Hucks bereits fest. Im Juli hatte sich der Russe in einem Ausscheidungskampf, der in Schwerin ausgetragen wurde, gegen seinen Landsmann Alexander Alexejew aus dem Universum-Boxstall durch K.o. in der zweiten Runde durchgesetzt.

23. August 2010



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