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MELDUNG/230: Michael Grant kein Stolperstein für Tomasz Adamek (SB)



Polnischer Schwergewichtler empfiehlt sich für Titelchance

Tomasz Adamek, der bereits Weltmeister im Halbschwergewicht und Cruisergewicht war, setzt seinen Siegeszug in der Königsklasse fort. Vor 10.972 Zuschauern im Prudential Center in Newark bezwang der ins Schwergewicht aufgestiegene Pole den US-Amerikaner Michael Grant über zwölf Runden einstimmig nach Punkten (117:111, 118:110, 118:111) und verbesserte seine Bilanz auf 42 Siege und eine Niederlage. Für seinen Gegner stehen nun 46 gewonnene und vier verlorene Auftritte zu Buche.

Der 33 Jahre alte Ranglistenerste der WBO stellte gegen den zehn Zentimeter größeren und 20 Kilo schwereren Kontrahenten einmal mehr seine Fähigkeit unter Beweis, es mit körperlich überlegenen Gegnern aufnehmen zu können. Der Pole spielte konsequent seine Schnelligkeit aus, indem er in die Halbdistanz vorstieß, seine Kombinationen schlug und sich sofort wieder zurückzog. Behäbig boxend, kam Grant mit dieser Beweglichkeit über lange Strecken nicht zurecht und geriet in den ersten fünf Runden klar in Rückstand. Adamek mußte dennoch vor der schieren Wucht des US-Amerikaners auf der Hut sein, durch dessen sporadische Treffer er kurz vor Ende des sechsten Durchgangs sichtlich Wirkung zeigte und sich eine Rißwunde über dem rechten Auge zuzog, der zwei Runden später ein Cut über dem linken folgte.

Zur Vorsicht gemahnt, ging der Pole in der Folge vorsichtiger zu Werke, so daß Grant die Oberhand gewann und den Kampf sogar umzudrehen schien. Adamek erhöhte jedoch in der zehnten und elften Runde wieder den Druck und baute seine Führung weiter aus, so daß ihn nur ein Zufallstreffer aus der Bahn werfen konnte. Der US-Amerikaner setzte in der letzten Runde noch einmal alles auf eine Karte und versetzte dem Polen mehrere schwere Treffer, doch fehlte ihm am Ende die Kondition, um den wankenden Adamek niederzuschlagen. Dieser konnte sich nach dem Schlußgong als verdienter Sieger feiern lassen, wobei man allenfalls einwenden kann, daß die Punktwertung etwas zu deutlich ausfiel, da auch Grant phasenweise gute Szenen hatte.

Der fünf Jahre ältere US-Amerikaner hat den Zenit seiner Karriere geraume Zeit hinter sich und war somit ein erfahrener wie auch robuster, aber kein überragender Gegner. Bei seinem einzigen Titelkampf unterlag er vor zehn Jahren in New York dem damaligen WBC- und IBF-Champion Lennox Lewis durch K.o. in der zweiten Runde.

Mit seinem fünften Sieg im Schwergewicht unterstrich der im US-Bundesstaat New Jersey lebende Tomasz Adamek seine Ambitionen auf einen Kampf um die Weltmeisterschaft. Dabei dürfte der ebenfalls aus dem Cruisergewicht aufgestiegene britische WBA-Champion David Haye auf Grund seiner Statur und Kampfesweise eine naheliegendere Wahl für den Polen als die Klitschkos sein.


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Dominik Britsch behält seine weiße Weste

Bei seinem Auftritt in der Messehalle Erfurt hat der 22 Jahre alte Dominik Britsch aus dem Sauerland-Boxstall seine weiße Weste behalten und auch den 20. Profikampf gewonnen. Der junge Mittelgewichtler, den Trainer Ulli Wegner als eines der größten Talente unter seinen Fittichen auszuweisen pflegt, setzte sich gegen den aus Sardinien stammenden Italiener Lorenzo Cosseddu über acht Runden einstimmig nach Punkten durch (77:75, 77:75, 78:75).

Der 33jährige Cosseddu erwies sich als der erwartet aggressiv boxende Gegner mit gehörigem Dampf in den Fäusten, vor dem Britsch auf der Hut sein mußte. Der Neckarsulmer war schnell auf den Beinen, hielt die Distanz und versuchte mit der Führhand zu punkten oder mit Kombinationen zum Zuge zu kommen. In der dritten Runde traf ihn der Italiener mit einem linken Haken an der Stirn, und auch in der Folge wurde er mehrfach in die Seile gedrängt, befreite sich aber immer wieder mit Gegenangriffen aus der mißlichen Lage. Gegen Ende des Kampfs stürmte Cosseddu noch einmal ungestüm an und versetzte Britsch diverse Treffer, die dieser jedoch überstand und so seinen verdienten Punktsieg sichern konnte.

Ganz zufrieden sei er nie, da es immer etwas zu verbessern gebe, zog Dominik Britsch nach seinem Erfolg Bilanz. Außerdem habe er schon vorher gewußt, daß es gegen diesen Gegner nicht so leicht werden würde, weshalb es nun keinen Grund gebe, sich nicht zu freuen. Wie sich allerdings herausstellte, hatte er sich in der zweiten Runde einen Kapselriß am Mittelfinger der linken Hand zugezogen, der in den kommenden Wochen auskuriert werden muß.

25. August 2010



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