Schattenblick → INFOPOOL → SPORT → BOXEN


MELDUNG/231: Turnier bekommt Schlagseite - Kessler steigt aus (SB)



Augenverletzung zwingt Dänen zu neunmonatiger Pause

Mikkel Kessler steigt wegen einer Augenverletzung aus dem Turnier der sechs namhaften Supermittelgewichtler aus und legt seinen WBC-Titel nieder. Der für den 25. September in Herning geplante Kampf des Dänen gegen den US-Amerikaner Allan Green ist abgesagt worden. Das sei der bitterste Moment seiner Karriere, sagte Kessler auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Kopenhagen, die live im dänischen Fernsehen übertragen wurde. "Nach meinem Sieg über Carl Froch war ich auf dem besten Wege, das Turnier zu gewinnen. Jetzt auszusteigen, ist natürlich hart."

Wie nun bekannt wurde, hatte Kessler bereits während der Vorbereitung auf den ersten Kampf des Turniers, bei dem er in Oakland den Titel der WBA an den Lokalmatador Andre Ward verlor, an Augenproblemen laboriert. Dennoch nahm er am 24. April in einem mitreißenden Kampf dem Briten Carl Froch den WBC-Gürtel ab. Auf der Webseite des Sauerland-Boxstalls ist folgende Stellungnahme des 31 Jahre alten Dänen zu lesen: "In den Kämpfen gegen Ward und Froch hatte ich Probleme, und als ich jetzt voll ins Training für den Green-Kampf eingestiegen bin, war es nicht mehr auszuhalten. Ich habe führende Experten in Dänemark und Deutschland konsultiert und sie haben mir geraten, eine längere Pause zu machen, damit die Verletzung heilen kann. Nächstes Jahr bin ich wieder zurück im Ring. Als ein fairer Sportler möchte ich den weiteren Turnierverlauf nicht gefährden. Das Super-Six-Turnier ist und bleibt das Beste, was es seit langer Zeit im Boxen gegeben hat. Ich wünsche meinen Konkurrenten viel Glück. Möge der Beste gewinnen. Ich bin für den Sieger bereit."

Näheren Aufschluß über die Art der Verletzung gab Professor Dr. Gerhard Lang, Ordinarius der Universitätsaugenklinik Ulm und Präsident des Weltkongresses für Augenheilkunde 2010, der ein Problem am oberen Augenmuskel im linken Auge des Boxers festgestellt hatte. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um eine Schwäche des Musculus obliquus superior. Der Muskel benötige eine Erholungszeit von circa neun Monaten, in denen weder Sparring absolviert, noch ein Kampf bestritten werden dürfe. Man könne davon ausgehen, daß sich der Muskel während dieser Pause vollständig erholt, so der Experte.

Promoter Kalle Sauerland, der gemeinsam mit dem US-Sender Showtime das Turnier ins Leben gerufen hatte, bedauert Kessler und dessen Entscheidung, die er indessen für die einzig richtige erachtet. Die Gesundheit stehe stets an oberster Stelle. Er sei sich sicher, daß der Däne bei seiner Rückkehr an die überragende Form anknüpfen werde, die er im Kampf gegen Carl Froch gezeigt habe. Die Fortsetzung des Turniers sei nicht gefährdet, da man von Anfang an mit möglichen Verletzungen gerechnet habe. Man werde nach einer Abstimmung mit Showtime schon in wenigen Tagen eine Lösung präsentieren, versichert Sauerland.

Auch der General Manager des Senders Showtime, Ken Hershman, bestätigte, daß man zunächst intern Gespräche führen müsse, bevor man den weiteren Ablauf bekanntgeben könne. Das Turnier werde auf jeden Fall fortgesetzt und weiterhin außerordentlich spannend bleiben, bis in der ersten Jahreshälfte 2011 der Super-Six-Champion feststeht.

Nach zwei Runden des Turniers führt WBA-Weltmeister Andre Ward mit vier Punkten vor Arthur Abraham, der nach seinem K.o.-Sieg über Jermain Taylor drei Punkte auf dem Konto hat. Während der Berliner in der nächsten Runde auf Carl Froch trifft, muß Ward gegen seinen Landsmann Andre Dirrell antreten. Sauerland-Geschäftsführer Chris Meyer rechnet damit, daß der Verband WBC Kessler zum "Champion Emeritus" ernennt, wie das seinerzeit auch bei Vitali Klitschko praktiziert worden ist. Dann könnte der Däne bei seiner Rückkehr sofort gegen den neuen Weltmeister des WBC antreten und sich wenn möglich den Gürtel wiederholen.

Als möglicher Ersatz für Mikkel Kessler im Super-Six-Turnier käme der in Kanada lebende Rumäne Lucian Bute in Frage. Allerdings wurde der IBF-Weltmeister bei der ursprünglichen Auswahl der sechs Kandidaten übergangen, so daß ungewiß ist, ob er unter diesen Umständen überhaupt Interesse an einer Teilnahme hätte. Denkbar wäre natürlich auch, die Kämpfe Abraham gegen Froch und Dirrell gegen Ward bereits als Halbfinale auszutragen. Dabei ginge jedoch Allan Green leer aus, der nach dem freiwilligen Ausscheiden Jermain Taylors nachträglich ins Turnier aufgenommen worden war. Green mußte dabei ohne Punkte beginnen und hat seinen ersten Kampf verloren, weshalb er geneigt sein könnte, sich mit einem anderen lukrativen Auftritt entschädigen zu lassen.

Mikkel Kesslers verletzungsbedingter Ausstieg ist zwar das bislang gravierendste, aber keineswegs das einzige Problem des lange Zeit als ideales Vermarktungsmodell hochgelobten Turniers. Die US-Amerikaner Andre Ward und Andre Dirrell sträuben sich offenbar, gegeneinander anzutreten. Wie die Webseite des Universum-Boxstalls berichtet, sind die beiden seit Jahren befreundet und standen schon gemeinsam in der Staffel ihres Landes bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Damals gewann Ward die Goldmedaille im Halbschwergewicht, während sich Dirrell Bronze im Mittelgewicht sicherte. Zwar haben die beiden zu Amateurzeiten mitunter im Sparring zusammengearbeitet, doch gaben sie dem Bericht zufolge einander das Wort, nie einen Wettkampf gegeneinander auszutragen. Um dies durchzusetzen, halten sie derzeit einen Streit um den Austragungsort ihres ausgelosten Duells vor. So besteht Ward darauf, auch den dritten Kampf in seiner Heimatstadt Oakland zu bestreiten, während Dirrell nur vor heimischem Publikum in Detroit boxen will.

Völlig geklärt scheint auch der Kampf zwischen Arthur Abraham und Carl Froch am 2. Oktober noch nicht zu sein, der nach einer längeren Kontroverse um den Ort nach Monaco verlegt wurde. Frochs Promoter Mick Hennessy teilte jedenfalls der britischen Zeitung The Mirror mit, daß Fürst Albert II. der Veranstaltung bislang keine Zustimmung erteilt habe. Sollte diese nicht in wenigen Tagen vorliegen, müsse man eine Alternative suchen.

26. August 2010



Copyright 2010 by MA-Verlag
Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
Nachdruck und Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages.
Redaktion Schattenblick, Dorfstraße 41, 25795 Stelle-Wittenwurth
Telefon: 04837/90 26 98 · Fax: 04837/90 26 97
E-Mail: ma-verlag.redakt.schattenblick@gmx.de
Internet: www.schattenblick.de