Schattenblick → INFOPOOL → SPORT → BOXEN


MELDUNG/241: Wladimir Klitschko schießt sich verbal auf Samuel Peter ein (SB)



Anzüglichkeiten auf der letzten offiziellen Pressekonferenz

Am kommenden Samstag werden 50.000 Zuschauer in der Frankfurter Commerzbank-Arena erwartet, wenn Wladimir Klitschko die Titel der Verbände IBF, WBO und IBO im Schwergewicht gegen Samuel Peter verteidigt. Während der letzten offiziellen Pressekonferenz überreichte Klitschkos Manager Bernd Bönte dem Nigerianer zu dessen 30. Geburtstag eine Torte in Form eines Boxrings. Der Weltmeister hielt seinem Gegner anzüglich einen der Gürtel hin: "Das ist dein Ehrentag. Deshalb darfst du den Gürtel einmal anfassen und halten, aber mehr nicht. Besitzen wirst du ihn nie." Dann stellte der 34 Jahre alte Ukrainer eine vorzeitige Entscheidung in Aussicht: "Im Schwergewicht kann es schnell gehen. Ein K.o. kann in jeder Sekunde passieren."

Da der Herausforderer offenbar kein Mann der großen Worte oder Gesten ist, konnte ihm das Geplänkel zunächst nicht mehr als ein müdes Lächeln entlocken. Das Angebot, den Gürtel des Champions anzufassen, nahm er wort- und regungslos entgegen. Dann rang er sich aber doch zu einer kurzen Äußerung durch: "Der September ist meine Zeit. Ich bin auf dem Höhepunkt und gehe mit guten Gefühlen in den Kampf", sagte Peter. "Ich werde mir die Titel holen." Auch sein Trainer Abel Sanchez gab sich vom Erfolg seines Schützlings überzeugt: "Was 2005 begonnen wurde, soll nun zu Ende geführt werden. In Runde sechs gibt es einen K.o.-Sieg Samuels." Dieser Perspektive schloß sich Peters Manager Ivajlo Gotsew mit den Worten an: "Den Gürtel holen wir uns am Sonnabend als Geschenk." Innerhalb von sechs Runden werde man den Champion durch K.o. besiegen. Samuel Peter hat bislang 37 Profikämpfe bestritten und davon 34 gewonnen.

Klitschko zeigte sich unbeeindruckt von den Ankündigungen aus dem gegnerischen Lager: "Als ich dreißig war, habe ich auch gedacht, daß ich auf dem Höhepunkt bin. Aber ich habe mich jedes Jahr gesteigert", so der Ukrainer, der von 57 Profikämpfen 54 gewonnen hat, davon 48 vorzeitig. Seine letzte Niederlage liegt knapp sechseinhalb Jahre zurück. Damals unterlag er dem US-Amerikaner Lamon Brewster.

Wladimir Klitschkos Trainer Emanuel Steward warnte vor Leichtfertigkeit: "Peter ist in besserer Verfassung als 2005." Dennoch sieht der 66jährige US-Amerikaner, der zahlreiche Weltmeister wie beispielsweise Lennox Lewis betreut hat, seinen Schützling nicht in Gefahr: "Auch Wladimir ist heute ein anderer Boxer. Er ist der beste Schwergewichtler. Meine Prognose: K.o. in der vierten oder fünften Runde."

Der 30jährige Samuel Peter hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit den Klitschkos gemacht. In einem Ausscheidungskampf im Jahr 2005 hatte er Wladimir dreimal am Boden, verlor aber alle anderen Runden klar, so daß der Punktsieg des Ukrainers einstimmig ausfiel. Im Herbst 2008 mußte Peter in der Berliner o2 World den WBC-Titel an Vitali Klitschko abtreten, der nach vierjähriger Unterbrechung in den Ring zurückgekehrt war und den Nigerianer klar dominierte.

Samuel Peter wuchs als Jugendlicher in der armen Provinz Akwa Ibom mit Fußball auf und kam erst im Alter von 16 Jahren zum Boxen. Er war in jungen Jahren ein ausgezeichneter Sprinter, der die 100 Meter in weniger als elf Sekunden lief. Nach den Olympischen Spielen 2000 in Sydney wechselte er ins Profilager, wo ihn sein erster Promoter Dino Duva unter dem Kampfnamen "The Nigerian Nightmare" in den Ring schickte. Peter erwies sich in der Tat als Albtraum für seine Gegner, die er reihenweise vorzeitig besiegte. Er galt als größte Schwergewichtshoffnung der USA, als er im September 2005 in Atlantic City zum ersten Mal auf Wladimir Klitschko traf.

Die Niederlage warf Peter zwar auf seinem Karriereweg zurück, doch arbeitete er in der Folge hart an einem weiteren Anlauf und erkämpfte im März 2008 durch einen Sieg über den Russen Oleg Maskajew den Titel des WBC. Nur sieben Monate später wurde er in Berlin von Vitali Klitschko derart deklassiert, daß ihn der Ringrichter nach acht Runden aus dem Kampf nahm. Diese deprimierende Niederlage machte Samuel Peter schwer zu schaffen, und so verlor er seinen nächsten Kampf gegen Eddie Chambers nach Punkten. Seither hat er vier Gegner vorzeitig besiegt, die jedoch allesamt nicht zur ersten Garnitur gehörten.

Der Nigerianer hat sich von Promoter Duva wie auch Don King getrennt und läßt sich nun von Bob Arums Top Rank vertreten. Sein neuer Trainer Abel Sanchez hat im Trainingslager dafür gesorgt, daß sich Peter im athletischen Bereich verbessert. Als eine Folge dieser Herangehensweise wird der Nigerianer am Freitag fast zehn Kilo weniger als bei seinem Kampf gegen Vitali Klitschko auf die Waage bringen. Über den aktuellen Stand seiner boxerischen Qualitäten und deren Kompatibilität mit der Kampfesweise Wladimir Klitschko sagt das freilich nichts aus.

7. September 2010



Copyright 2010 by MA-Verlag
Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
Nachdruck und Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages.
Redaktion Schattenblick, Dorfstraße 41, 25795 Stelle-Wittenwurth
Telefon: 04837/90 26 98 · Fax: 04837/90 26 97
E-Mail: ma-verlag.redakt.schattenblick@gmx.de
Internet: www.schattenblick.de