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MELDUNG/243: Britisches Duell um den WBA-Titel im Schwergewicht (SB)



David Haye akzeptiert Audley Harrison als Herausforderer

Am 13. November verteidigt WBA-Weltmeister David Haye seinen Titel im Schwergewicht vor 19.000 Zuschauern in der MEN Arena in Manchester gegen seinen Landsmann Audley Harrison. Die beiden waren einst Freunde und Trainingspartner, doch gilt ihr Verhältnis seit geraumer Zeit als zerrüttet. Auf der Pressekonferenz im Londoner Park Plaza Riverbank Hotel zogen Haye und Harrison heftig übereinander her. Er glaube nicht, daß Audley diese Chance verdiene, nahm der Champion kein Blatt vor den Mund. "Aber eine Menge Leute würden gerne sehen, wie ich ihn zerstöre. Deswegen kommt es zu dem Kampf. Die Leute wollen den Vorhang der Audley Harrison-Show ein letztes Mal zugehen sehen. Ich will Audley ein letztes Mal am Boden liegen sehen." Darauf erwiderte der Herausforderer, er sei überglücklich, endlich eine Titelchance zu bekommen: "Ich habe seine Schläge bereits im Training abbekommen, und die haben zu keinem Zeitpunkt wehgetan. Zehn Jahre nach meinem Olympiasieg werde ich die Welt schockieren. Wenn ich meine Linke ins Ziel bringe, ist er platt!"

Der bedeutendste Schwergewichtskampf auf der britischen Insel seit Lennox Lewis 1993 in Cardiff gegen Frank Bruno antrat, hat einen klaren Favoriten. In der "Battle of Britain" rechnet man mit einem frühen Sieg des "Haymakers", da Harrison als Verlegenheitswahl des Weltmeisters gilt, der den Klitschkos weiterhin aus dem Weg geht. In England läßt sich der Novemberkampf jedoch ausgezeichnet vermarkten, so daß Haye auch in finanzieller Hinsicht auf seine Kosten kommt. Der 29jährige hatte Nikolai Walujew den WBA-Titel im November 2009 abgenommen und die Trophäe im April gegen den Puertoricaner John Ruiz erfolgreich verteidigt. Mit 24 Siegen (22 K.o.) und einer Niederlage verfügt er für einen Weltmeister zwar noch nicht über allzu große Erfahrung, doch boxt er spektakulär und stets auf ein vorzeitiges Ende bedacht.

Audley Harrison gewann bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney die Goldmedaille, worauf man ihn als britische Schwergewichtshoffnung in den Himmel hob. Von diesem Anspruch überfordert, mußte er im Laufe seiner Karriere zahlreiche Rückschläge hinnehmen, so daß der 38jährige vor kurzem selbst in seiner Heimat mit 27 Siegen bei vier Niederlagen nur noch als zweite Wahl galt. Zuletzt besiegte er jedoch seinen Landsmann Michael Sprott durch einen Glückstreffer in der zwölften Runde und wurde damit Europameister. Er verteidigte diesen Titel nicht, sondern legte ihn nieder, um gegen David Haye die letzte Chance seiner Karriere zu wahren, noch einmal für Furore zu sorgen. Aufmerksamer Beobachter des Duells in Manchester wird Ruslan Tschagajew aus dem Hamburger Universum-Boxstall sein, der durch einen Sieg über den Australier Kali Meehan im Mai nächster Pflichtherausforderer des WBA-Weltmeisters wurde.


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Für Abraham und Froch geht es um alles

Im Rahmen des Super-Six-Turniers trifft Arthur Abraham am 2. Oktober im Fürstentum Monaco auf den Briten Carl Froch. Nach einer langen Kontroverse hatte man sich beiderseits auf diesen neutralen Austragungsort geeinigt. Auf der Website des Sauerland-Boxstalls wird der Berliner Supermittelgewichtler mit den Worten zitiert, es sei eine große Ehre, in Monaco boxen zu dürfen. Man werde Fürst Albert und den Boxfans in der ganzen Welt ein unvergeßliches Spektakel liefern: "Für Carl Froch und mich geht es um alles. Das wird der größte Kampf, den es jemals in Monaco gegeben hat."

Abraham und Froch haben im Turnier jeweils einen Kampf gewonnen und einen verloren. Der Berliner hatte im vergangenen Oktober Jermain Taylor vor 14.000 Zuschauern in der Berliner o2 World in der zwölften Runde durch k.o. besiegt, worauf er im März in Detroit gegen Andre Dirrell eine Disqualifikationsniederlage hinnehmen mußte. Der Brite konnte in der ersten Runde seinen WBC-Titel in Nottingham erfolgreich gegen Andre Dirrell verteidigen, doch verlor er ihn anschließend in einem dramatischen Gefecht in Dänemark an Mikkel Kessler.

Beide müssen das Duell in Monaco gewinnen, um nicht vorzeitig aus dem Turnier auszuscheiden. Für höchste Spannung und einen Kampf auf Biegen und Brechen ist damit gesorgt, zumal auch die Bilanz beider Boxer durchaus ähnlich aussieht. Arthur Abraham hat 31 Siege (25 K.o.) und eine Niederlage vorzuweisen, während für Carl Froch 26 Siege (20 K.o.) und ebenfalls nur ein verlorener Auftritt zu Buche stehen.


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Sebastian Zbik wird vom WBC hingehalten

Interimsweltmeister Sebastian Zbik, der bei der Hamburger Universum Box-Promotion unter Vertrag steht, muß weiter auf seinen ersten Kampf in den USA warten. Der Verband WBC zieht den Mexikaner Julio Cesar Chavez jr. als Pflichtherausforderer des regulären Champions im Mittelgewicht, Sergio Gabriel Martinez aus Argentinien, vor. "Das ist eine Riesensauerei. Ich warte seit über einem Jahr auf den großen WM-Kampf, der mir im Frühjahr zugesichert wurde", reagierte Zbik erbost auf die Nachricht.

9. September 2010



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