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MELDUNG/252: Alexander Frenkel neuer Europameister im Cruisergewicht (SB)



Enzo Maccarinelli unterliegt durch K.o. in der siebten Runde

Alexander Frenkel ist neuer Europameister im Cruisergewicht. Der 25 Jahre alte Würzburger aus dem Sauerland-Boxstall entthronte in Birmingham den Waliser Enzo Maccarinelli durch K.o. in der siebten Runde. Mit einem Volltreffer wendete Frenkel das Blatt, der zum Zeitpunkt des Abbruchs auf den Punktzetteln zurücklag. Maccarinelli, der früher sogar Weltmeister in dieser Gewichtsklasse war, bis er von seinem britischen Landsmann David Haye besiegt wurde, bezog bereits die fünfte vorzeitige Niederlage seiner Karriere und wird nach diesem Debakel wohl die Boxhandschuhe an den Nagel hängen.

Frenkel gestaltete die erste Runde offen und verbuchte zum Auftakt leichte Vorteile. Dann kam der Waliser besser in den Kampf und deutete die Wucht seiner Schläge an, die der Herausforderer zu spüren und meiden schien, da er immer vorsichtiger zu Werke ging. Daraufhin dominierte der Waliser in den folgenden Durchgängen das Geschehen. Frenkel fand lange kein wirksames Mittel gegen den geschickt boxenden Titelverteidiger und geriet auf den Zetteln der Punktrichter zusehends in den Rückstand. Im vierten Durchgang bäumte er sich zwar auf und bot seinem Gegner energisch Paroli, was sich jedoch rasch als Strohfeuer erwies, da Maccarinelli alsbald wieder die Initiative ergriff. In der sechsten Runde beherrschte er Frenkel unangefochten aus der Distanz und brachte etliche Treffer an, die der Herausforderer jedoch standfest wegsteckte.

In der siebten Runde kam Frenkel plötzlich mit einem linken Haken zum Kopf Maccarinellis durch, der den Briten augenblicklich zu Boden schickte. Obgleich nach diesem schweren Treffer ein Abbruch durchaus gerechtfertigt gewesen wäre, gab Ringrichter Erkki Meronen den Kampf noch einmal frei. Der Waliser kam zwar wieder auf die Beine, doch war er schwer angeschlagen und verteidigungsunfähig, so daß ihn der Herausforderer mit einem weiteren Volltreffer erneut niederstreckte.

Für Alexander Frenkel, der weiterhin ungeschlagen bleibt, war es der bislang bedeutendste Sieg seiner Karriere. Im nachfolgenden ARD-Interview verlieh er seiner großen Erleichterung Ausdruck und berichtete, wie schwer dieser Kampf angesichts des starken Gegners gewesen sei, dessen Verteidigung nur schwer zu durchbrechen war. Zudem habe er erstmals in seiner Karriere einen auf zwölf Runden angesetzten Kampf bestritten und daher das Tempo gedrosselt. Warum der Ringrichter nach dem ersten Niederschlag den Kampf noch einmal freigegeben habe, sei ihm schleierhaft, da man normalerweise in einer derartigen Situation abbrechen müsse.

Ein Stein vom Herzen fiel auch dem wie immer mitfiebernden Ulli Wegner. Er habe den linken Haken immer gefordert, unterstrich Frenkels Trainer, und sei sehr glücklich, daß sein Schützling so deutlich gewonnen habe. Da dieser nach Punkten zurücklag, mußte er zwangsläufig durch K.o. gewinnen.


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Karo Murat scheitert an Nathan Cleverly

Ein Mißerfolg war hingegen der Ausflug Karo Murats auf die Insel, da der 27jährige Halbschwergewichtler von Sauerland Event einen Ausscheidungskampf gegen Nathan Cleverly durch technischen K.o. in der zehnten Runde verlor. Damit ist der Waliser nun Pflichtherausforderer von WBO-Weltmeister Jürgen Brähmer aus dem Universum-Boxstall.

Der 23 Jahre alte Cleverly ergriff sofort die Initiative und beherrschte in den ersten beiden Runden das Geschehen im Ring, während sich Murat kaum zurechtfand und hinter einer Doppeldeckung Schutz suchte. Cleverly ließ mit hohem Tempo, schnellen Schlägen und guten Kombinationen seinen Gegner nicht zur Entfaltung kommen und brachte insbesondere seinen rechten Uppercut des öfteren ins Ziel. Von Trainer Ulli Wegner energisch ins Gebet genommen, fand Murat schließlich in der vierten Runde besser in den Kampf und traf den Waliser nun häufiger. Dieser war jedoch hart im Nehmen und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.

Immer wieder suchten die beiden nun den offenen Schlagabtausch, worauf Murat in der sechsten Runde angeschlagen wirkte und Cleverlys unvermindertem Druck kein probates Mittel außer seinen enormen Nehmerqualitäten und einem unermüdlichen Kampfgeist entgegenzusetzen hatte. Der Waliser folgte dem Rat seiner Ecke nicht, Abstand zu halten und seinen linken Jab einzusetzen. Sichtlich bemüht, den Gegner zu konsternieren und das Publikum zu begeistern, schlug er weiterhin mit hoher Frequenz und zudem präziser als Murat, der allenfalls darauf hoffen konnte, daß dem Kontrahenten am Ende die Luft ausgehen würde.

Dies zu prüfen, bekam Murat jedoch keine Gelegenheit mehr, denn als er zur zehnten Runde aus seiner Ecke kommen wollte, brach der US-amerikanische Ringrichter Mark Nelson auf Anraten des Arztes den Kampf ab, in dem der Deutsche viele Treffer eingesteckt und sich im achten Durchgang einen Cut an der Nase zugezogen hatte. Für Karo Murat war es die erste Niederlage im 23. Profikampf, während Nathan Cleverly auch bei seinem 20. Auftritt ungeschlagen blieb.

Wie Nathan Cleverly im Interview mit Sky bilanzierte, sei Murat offenbar davon ausgegangen, daß er den Jab schlagen und ihm aus dem Weg gehen werde. Er habe jedoch den Schlagabtausch gesucht und seinen Gegner ausgebremst. Damit habe sich seine Vorhersage, er werde den Kampf in der neunten oder zehnten Runde beenden, erfüllt. "Ich habe das Zeug, in ein paar Jahren der unbestrittene Weltmeister im Halbschwergewicht zu sein", schloß der Waliser.

19. September 2010



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