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MELDUNG/254: Geldsorgen treiben Thomas Ulrich in den Ring zurück (SB)



Comeback in Hamburg gegen den Ungarn Daniel Regi

Thomas Ulrich steigt notgedrungen wieder in den Ring. Weil von seinen Millionenbörsen offenbar fast nichts mehr übrig ist, gibt der 35jährige am 9. Oktober in Hamburg sein Comeback. Für eine Gage von rund 15.000 Euro bestreitet der Berliner in der Sporthalle Wandsbek einen Kampf im Supermittelgewicht gegen den 29 Jahre alten Ungarn Daniel Regi. Dessen Bilanz weist elf Siege und sechs Niederlagen auf.

Der ehemalige Europameister im Halbschwergewicht galt in seiner Karriere als ewiges Talent, das sein sportliches Leistungsvermögen nie ausgeschöpft hat. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta verließ er seinen Amateurtrainer Ulli Wegner und unterschrieb auf Anraten seines Managers Werner Lichtenberg einen Profivertrag bei der Hamburger Universum Box-Promotion, wo man den Blondschopf als neuen deutschen Star aufbauen wollte. Im Oktober 2005 erlitt er in seinem ersten und einzigen Weltmeisterschaftskampf gegen den Polen Tomasz Adamek eine schwere K.o.-Niederlage, von der er sich im Grunde nie mehr richtig erholte.

Der Berliner scheiterte vor allem an der eigenen Psyche. Er galt als schwierig und brach mehrmals das Training aus Gründen ab, die für sein sportliches Umfeld nicht nachvollziehbar waren. Dies führte dazu, daß er im Laufe der Zeit von vier verschiedenen Trainern betreut wurde, darunter auch Fritz Sdunek. Zuletzt biß sich Ralf Rocchigiani die Zähne an dem Berliner aus. Hinzu kam ein unsolider Umgang Ulrichs mit seinen Einkünften, die er vor allem in schnelle Autos investierte.

Ulrich bestritt insgesamt 36 Profikämpfe, von denen er 31 gewann. Nach einer schweren K.o.-Niederlage am 7. März vergangenen Jahres gegen den Argentinier Mariano Nicolas Plotinsky erklärte er Mitte Juli 2009 seine Karriere offiziell für beendet.

Verantwortlich für die Rückkehr ist nicht zuletzt Exweltmeister Graciano Rocchigiani, der Ulrich starkgeredet hat. Mit Hilfe des früheren Profiboxers Ali Yildirim will der Berliner einen neuen Anlauf wagen. Ulrich suchte Hilfe bei einem Psychologen: "Dadurch überwinde ich die privaten Probleme. Ich war psychisch am Ende, ganz unten. Aber nicht wegen der Niederlagen, sondern wegen privater Probleme. Jetzt bin ich alle Laster los, frei im Kopf. Wenn es jetzt nicht klappt, kann ich einpacken. Ich weiß, daß es meine allerletzte Chance ist", sagte der Berliner.


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Inderin Mary Kom zum fünften Mal Amateurweltmeisterin

Bei der 6. Weltmeisterschaft der Amateurboxerinnen in Bridgetown auf Barbados hat Mary Kom aus Indien ihren fünften Titel gewonnen. Die Halbfliegengewichtlerin bezwang Steluta Duta aus Rumänien mit 16:6 nach Punkten. Für die Finalgegnerin war es nach 2006 und 2008 bereits die dritte Niederlage in Serie gegen die Inderin. Ziel der 27 Jahre alten Weltmeisterin, die Mutter zweier Kinder ist, sind die Olympischen Spiele 2012 in London. "Ich möchte eine Olympiamedaille gewinnen. Das ist mein ganz großer Traum", sagte Mary Kom nach ihrem erneuten Triumph in Bridgetown.

Erfolgreichste Nation der Weltmeisterschaft waren Rußland mit zwei Klassensiegen und China mit sieben Medaillen in zehn Gewichtsklassen. Deutschland gewann bei seinem ersten offiziellen Auftritt kein Edelmetall. Die letzten drei Boxerinnen des DBV waren bereits im Viertelfinale ausgeschieden. Cheftrainer Valentin Silaghi war mit den Auftritten von Maike Klüners aus Düsseldorf im Federgewicht sowie den beiden Augsburgerinnen Andrea Strohmaier im Weltergewicht und Ulrike Brückner im Mittelgewicht dennoch zufrieden. "Es war eine sehr gute Gesamtleistung unserer Athletinnen. Das deutsche Team hat eine sehr starke Duftmarke hinterlassen", meinte Silaghi.

21. September 2010



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