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MELDUNG/255: Exweltmeister Kelly Pavlik will sich die Gürtel wiederholen (SB)



Bleibt das Mittelgewicht seine Bestimmung?

Wenn Manny Pacquiao am 13. November im Cowboys Stadium von Arlington, in dem mehr als 70.000 Zuschauer erwartet werden, gegen den Mexikaner Antonio Margarito um den vakanten WBC-Titel im Superweltergewicht kämpft, steigt Kelly Pavlik im Rahmenprogramm in den Ring. Der ehemalige Weltmeister der Verbände WBC und WBO im Mittelgewicht bestreitet seinen ersten Auftritt nach der Niederlage gegen den Argentinier Sergio Martinez, der ihm im April überraschend die Titel abgenommen hatte. Natürlich hofft der ehemalige Champion aus Youngstown, Ohio, auf eine Revanche, um sich die verlorenen Gürtel wiederzuholen. Martinez verteidigt seine Titel am 20. November gegen Paul Williams, der im Falle eines Sieges natürlich an Stelle des Argentiniers Wunschgegner Pavliks wäre.

Kelly Pavlik, der im Laufe seiner Karriere 36 Kämpfe gewonnen und dabei 32 Gegner vorzeitig besiegt hat, mußte sich vor der Niederlage gegen Martinez nur Bernard Hopkins geschlagen geben. Ende 2007 hatte er seinem Landsmann Jermain Taylor die beiden Gürtel abgenommen und danach dreimal erfolgreich verteidigt. Im Oktober 2008 trat er in einer höheren Gewichtsklasse bei einem der in den letzten Jahren zunehmend in Mode gekommenen Duelle zweier Stars gegen Bernard Hopkins an, der einst alle vier maßgeblichen Titel im Mittelgewicht vereint hatte. Vor 11.332 Zuschauern in der Boardwalk Hall von Atlantic City mußte der 26jährige Pavlic gegen den 17 Jahre älteren Exweltmeister, der ihn nach allen Regeln der Kunst ausmanövrierte, eine klare Punktniederlage hinnehmen.

Der "Executioner" aus Philadelphia war als Außenseiter in diesen Kampf gegangen, da ihm sein erheblich jüngerer Gegner in puncto Kondition und Schnelligkeit überlegen schien. Doch die Prognose, Hopkins könne allenfalls durch einen Glückstreffer gewinnen, erwies sich als komplette Fehleinschätzung. Mit seinem Team hatte er eine exzellente Strategie ausgearbeitet und setzte diese makellos um. Da man davon ausging, daß Pavlik Druck machen wollte, hinderte man ihn konsequent daran, vorwärts zu marschieren. Im Rückwärtsgang konnte der Favorit seinen linken Jab nicht wirksam einsetzen, womit auch seine gefährlichen Kombinationen entschärft wurden. Hopkins hingegen beherrschte die Distanzen und wechselte mit bemerkenswerter Leichtfüßigkeit und Eleganz zwischen Angriff und Ausweichen. So erteilte er Kelly Pavlik eine Lektion, die dieser so schnell nicht vergessen sollte.

Pavliks Trainer Jack Lowe räumte nach der ersten Niederlage seines Schützlings ratlos ein: "Das war heute wirklich nicht unser Tag. Ich denke, das ist einfach nicht das richtige Gewichtslimit für Kelly." Pavlik selbst erklärte konsterniert, er sei einfach nicht zum Zuge gekommen: "Ich konnte einfach nicht so boxen, wie ich es gewohnt bin. Ich war völlig von der Rolle." Bernard Hopkins sparte nicht mit Lob für seinen jungen Gegner: "Ich war vorher dein Fan und bin es auch jetzt. Du mußt nur ein wenig ausgefuchster werden. Das Mittelgewicht ist deine Bestimmung."

Diese Prognose behielt bis heute ihre Gültigkeit. Pavlik, der in der Vergangenheit immer wieder über Gewichtsprobleme geklagt hatte, liebäugelte lange mit einem Wechsel ins Supermittel- oder Halbschwergewicht. Dort ist die Konkurrenz der auf diese Limits eingeschworenen Gegner jedoch so scharf, daß Kelly Pavlik vorerst seiner angestammten Gewichtsklasse treu bleibt, die international weniger stark besetzt ist. Allerdings könnte man den bevorstehenden Kampf, der bei einem Gewichtslimit von 164 amerikanischen Pfund ausgetragen wird, als Herantasten an sein ursprüngliches Limit von 160 Pfund bezeichnen.

Bekanntlich fordert die radikale Gewichtsreduktion vor einem Kampf ihren hohen Preis, den auch Pavlik bei seinem Duell gegen Sergio Martinez zollen mußte. Der Argentinier kam aus dem niedrigeren Halbmittelgewicht und fühlte sich konditionell sichtlich wohl, während der durch kräftezehrendes Abkochen geschwächte Titelverteidiger aus Youngstown ausgelaugt wirkte. Da Boxer nach dem offiziellen Wiegen am Vortag ihres Auftritts nicht selten sofort wieder deutlich zulegen, sind einige Verbände bereits dazu übergegangen, die Kontrahenten am Morgen des Kampftags ein zweites Mal auf die Waage zu zitieren. Üblicherweise darf dabei die Gewichtszunahme seit der offiziellen Messung zehn Pfund nicht überschreiten. Sollte das dennoch der Fall sein, wird der Kampf zwar wie geplant ausgetragen, doch kann es sich dabei um keine reguläre Titelverteidigung mehr handeln.

Bei dem geplanten Auftritt Anfang November tritt Pavlik gegen Daniel Edouard an, der zweifellos als Aufbaugegner fungieren und mithin eine mehr oder minder eindeutige Niederlage beziehen soll. Der Haitianer hat 28 Profikämpfe bestritten, von denen er 23 gewann, drei verlor und zwei unentschieden beendete. In der Bilanz seiner Auftritte tauchen nur wenige bekannte Namen auf: Im Jahr 2003 konnte er Pavliks letztes Opfer Miguel Angel Espino nach Punkten besiegen und im Februar 2005 unterlag er Jermain Taylor in der dritten Runde.

22. September 2010



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