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MELDUNG/263: Haye kündigt Harrison eine öffentliche Hinrichtung an (SB)



Von der früheren Freundschaft ist nichts mehr zu spüren

David Haye verteidigt den WBA-Titel im Schwergewicht am 13. November in Manchester gegen seinen britischen Landsmann Audley Harrison. Während der Herausforderer international gesehen eher als Ausweichmanöver des Champions vor dem lauthals geforderten, aber beharrlich vermiedenen Kampf gegen einen der Klitschkos eingestuft wird, fasziniert er in England ein Massenpublikum. In der MEN Arena werden rund 19.000 Zuschauer beim bedeutendsten Schwergewichtskampf auf der Insel seit dem Duell von Lennox Lewis und Frank Bruno 1993 in Cardiff erwartet.

Im November 2009 hatte sich Haye den Gürtel der WBA gesichert, als er Nikolai Walujew aus dem Sauerland-Boxstall entthronte. Im April folgte eine überzeugende Titelverteidigung gegen John Ruiz, womit der aus dem Cruisergewicht aufgestiegene Brite erneut unter Beweis stellte, daß seine Beweglichkeit und Schlagwirkung physisch überlegene, aber boxerisch limitierte Gegner vor kaum lösbare Probleme stellen. Die Bilanz von 24 Siegen und einer Niederlage weisen ihn als frischen Wind im Konzert der Veteranen aus, die das Bild der stagnierenden Schwergewichtsszene prägen.

Audley Harrisons ruhmreiche Tage als gefeierter Sieger bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney liegen lange zurück. Sein mit hochgesteckten Erwartungen überfrachteter Wechsel ins Profilager mündete im Laufe der Zeit in ernüchternde Rückschläge, die ihn ins zweite Glied des britischen Schwergewichts verwiesen. Als sich ihm schließlich die Chance bot, im April gegen seinen Landsmann Michael Sprott um die vakante Europameisterschaft zu kämpfen, wendete er das sich abzeichnende Debakel mit einem Glückstreffer in der zwölften Runde ab. Ohne diesen Titel verteidigt zu haben, legte er ihn nieder, um gegen David Haye anzutreten. Mit 27 Siegen und vier Niederlagen auf dem sportlichen Konto greift er am Ende doch noch einmal nach den Sternen.

Daß es bei einem hilflosen Versuch Harrisons bleiben wird, versichert der Weltmeister. Haye kündigt vollmundig eine öffentliche Hinrichtung an und verhöhnt seinen Gegner als Lachnummer, die er vollends zerstören werde. Er wolle diese Aufgabe mit Vergnügen übernehmen und die Karriere seines Kontrahenten endgültig beenden. Von der früheren Trainingspartnerschaft und Freundschaft der beiden scheint nichts mehr übriggeblieben zu sein, wie die frostige Stimmung bei der Londoner Pressekonferenz unterstrich. Harrison mühte sich redlich und drohte mit seiner Linken, die bei Haye einschlagen und ihn vernichten werde.

Daß Harrison das gelingt, glaubt auch Promoter Kalle Sauerland nicht, der seit dem Kampf gegen Walujew Aktien in David Hayes Geschäften hat. Der "Hayemaker" werde die "Battle of Britain" klar für sich entscheiden, da er "unglaublich viel Power in seinen Fäusten" habe, was "Harrison schmerzhaft zu spüren bekommen wird". Von Langeweile könne dennoch keine Rede sein, da Haye zu den schillerndsten Charakteren des Schwergewichts gehöre.


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Super-Six-Turnier im Cruisergewicht wirft seinen Schatten voraus

Laut unbestätigten Informationen des polnischen Senders Polsat sind die Erstrundenpaarungen für das geplante Super Six-Turnier im Cruisergewicht bereits bekannt. Unter dem Vorbehalt möglicher Änderungen sieht der Auftakt der Serie, die nach dem Muster des laufenden Turniers im Supermittelgewicht konzipiert ist, folgendermaßen aus:

WBO-Weltmeister Marco Huck (30 Siege, eine Niederlage) aus dem Sauerland-Boxstall tritt im Dezember gegen den Franzosen Steve Herelius (20 Siege, eine Niederlage, ein Unentschieden) an, der im Juli Firat Arslan von der Universum Box-Promotion besiegt hat. Ebenfalls bei Sauerland steht IBF-Champion Steve Cunningham (23 Siege, zwei Niederlagen) unter Vertrag, der es im Dezember mit dem ungeschlagenen Russen Denis Lebedew (22 Siege) zu tun bekommt. WBC-Weltmeister Krzysztof Wlodarczyk aus Polen (44 Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden), der vor wenigen Tagen seinen Titel erfolgreich gegen den US-Amerikaner Jason Robinson verteidigt hat, kämpft im Januar gegen den Sauerland-Boxer Yoan Pablo Hernandez (22 Siege, eine Niederlage).

Nicht berücksichtigt ist demnach Alexander Frenkel, der jüngst durch einen spektakulären K.o.-Sieg gegen den favorisierten Waliser Enzo Maccarinelli in Birmingham neuer Europameister im Cruisergewicht geworden ist. Da Frenkel ebenfalls bei Sauerland Event unter Vertrag steht, hatte man dort in dieser gut bestückten Gewichtsklasse offenbar die Qual der Wahl und gab dem aufstrebenden Kubaner Hernandez die Chance, sich internationale Sporen zu verdienen. Wenngleich man bei Mitveranstalter Sauerland sicher ein Traumfinale mit Marco Huck und Steve Cunningham favorisieren würde, das zugleich Gelegenheit zur Revanche für die einzige Niederlage in der Karriere des Deutschen böte, ist in einem solchen Turnier erfahrungsgemäß alles möglich.

30. September 2010



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