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MELDUNG/282: Tomasz Adamek entsetzt über wehrlosen Shannon Briggs (SB)



"Er hätte im Ring sterben können"

Tomasz Adamek, der dem illustren Kreis jener zwei bis drei Boxer des Schwergewichts zugerechnet wird, denen man zutraut, unter Umständen mit den Klitschkos fertigzuwerden, hat sich entsetzt über den Verlauf des Titelkampfs zwischen Vitali Klitschko und Shannon Briggs geäußert. Der in den USA lebende Pole sprach von einem der erschreckendsten Kämpfe, die er je als Boxer oder Zuschauer miterlebt habe: "Shannon hätte im Ring sterben können." Ab der sechsten oder siebenten Runde habe das mit Boxen nichts mehr zu tun gehabt, da Briggs seinen Oberkörper und Kopf nicht mehr bewegte und ohne Deckung einem der am härtesten schlagenden Schwergewichtler gegenüberstand. "Er kämpfte, als wolle er im Ring sterben."

Derzeit bereitet sich Tomasz Adamek, der früher Weltmeister im Halbschwergewicht und Cruisergewicht war, auf seinen Kampf gegen Vinny Maddalone vor, der am 9. Dezember in New Jersey ausgetragen wird. Der 33jährige Adamek wird in der unabhängigen Rangliste BoxRec auf Rang vier geführt und dürfte wohl im nächsten Jahr eine Chance bekommen, Vitali Klitschko herauszufordern. Dem Vernehmen nach plant der Sender HBO bereits einen Kampf im New Yorker Madison Square Garden.

Gegen den WBC-Weltmeister rechnet sich der Pole gute Chancen aus. Mit Shannon Briggs könne man ihn nicht vergleichen, unterstreicht Adamek, der nicht nur 25 Kilo leichter, sondern auch wesentlich beweglicher ist. Vitali Klitschko habe gegen kleinere, agile Gegner wie Chris Byrd oder Corrie Sanders Probleme gehabt. "Gegen mich würde Klitschko in drei Runden so müde werden wie gegen Briggs in 36 Runden. Es wäre ein viel schnellerer Kampf, er würde auch eine Menge Energie aufwenden müssen, um sich gegen meine Kombinationen zu verteidigen. Es wäre ein komplett anderer Kampf", bringt sich Tomasz Adamek ins Gespräch.


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Shannon Briggs nimmt seinen Trainer in Schutz

Unterdessen hat Shannon Briggs seinen Trainer Herman Caicedo gegen den Vorwurf in Schutz genommen, er habe den Kampf gegen Klitschko nicht rechtzeitig abgebrochen. "Er wollte das Handtuch werfen, aber ich habe gesagt, daß ich den Fight durchstehe", hob Briggs hervor. "Ich wollte den Leuten das wahre Herz eines Löwen und die Beharrlichkeit eines Champions zeigen." Der 38jährige hatte am vergangenen Samstag in Hamburg klar nach Punkten verloren und dabei so schwere Treffer einstecken müssen, daß er anschließend zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurde. Bei einer Computertomographie wurde glücklicherweise keine Gehirnblutung diagnostiziert. Momentan wird Briggs wegen diverser Verletzungen im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt.

Wie der US-Amerikaner geltend macht, habe vor allem die Verletzung am linken Bizeps seine Strategie frühzeitig durchkreuzt. "Es ist bereits in der ersten Runde passiert, danach mußte ich mich komplett umstellen", berichtet Briggs. Er wolle die Leistung Vitali Klitschkos nicht schmälern, doch wäre der Kampf ohne die Verletzung möglicherweise anders ausgegangen. Nachdenklich äußerte sich Shannon Briggs bezüglich seiner Karriere und der Frage eines Rücktritts: "Ich weiß es noch nicht. Ich war zweimal Weltmeister. Vielleicht will Gott nicht, daß ich zum dritten Mal Champ werde."


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David Haye von Klitschkos Sieg nicht beeindruckt

Im Gespräch mit "Sport Bild" hat sich WBA-Weltmeister David Haye von Vitali Klitschkos Sieg über Shannon Briggs wenig beeindruckt gezeigt. Boxer wie Briggs seien am Ende. Die Brüder Klitschko seien offenbar glücklich, etwas zu wiederholen. Darüber könne er nur lachen, lästerte der Brite. Den Ukrainern fehlten nach wie vor die großen Kämpfe, mit denen sie in die Geschichte eingehen. Er selbst sei der einzige attraktive Gegner.

Allerdings müßten sich die Klitschkos beeilen, da er Ende 2011 seine Karriere beenden werde. Warteten sie noch lange, sei diese Chance dahin, und sie müßten weiter gegen alte, heruntergekommene Amerikaner antreten. Daß er bislang nicht gegen einen der beiden gekämpft hat, erklärt der 30jährige Brite folgendermaßen: Wenn sie den Kampf wirklich wollten, wäre er schon über die Bühne gegangen. In Wirklichkeit seien die Klitschkos nur daran interessiert, so viel Geld wie möglich herauszuquetschen.

21. Oktober 2010



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