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MELDUNG/303: David Haye sieht Audley Harrison als Schlachtopfer (SB)



Weltmeister klarer Favorit in der "Battle of Britain"

Am Samstag verteidigt WBA-Weltmeister David Haye seinen Titel im Schwergewicht in Manchester gegen seinen britischen Landsmann Audley Harrison. Bei dem zur "Battle of Britain" hochstilisierten Duell wird die MEN Arena mit 19.000 Zuschauern ausverkauft sein und aller Voraussicht nach im englischen Bezahlfernsehen eine neue Rekordmarke erreicht. Die deutschen Zuschauer bekommen dank der Beteiligung von Sauerland Event an den Auftritten des Champions Gelegenheit, das Spektakel zur gewohnten Sendezeit bei der ARD live mitzuerleben.

Wie nicht anders zu erwarten, nutzt David Haye diesen Kontext zu einem seiner obligatorischen Seitenhiebe gegen die Brüder Klitschko. Er stellt den deutschen Fans "richtiges Schwergewichtsboxen" in Aussicht, "nicht das ewige Geklammere und Gehalte, auf das sich die Klitschkos spezialisiert haben". Die Zuschauer müssen seines Erachtens von den Auftritten der Ukrainer längst zu Tode gelangweilt sein, da die beiden nur gegen langsame und schwache Gegner kämpften, die allein deswegen nach Deutschland kämen, um sich einen ordentlichen Scheck abzuholen. Im nächsten Jahr wolle er sich die beiden vorknöpfen, die angesichts ihres Bedarfs an einem würdigen Gegner ohnehin auf ihn angewiesen seien. Haye attestiert dem deutschen Publikum großes Interesse und Fachkompetenz, wofür er seinen Sieg über Nikolai Walujew zum Beleg anführt, den mehr als acht Millionen Fernsehzuschauer verfolgt haben.

Der Weltmeister stellt dem Publikum eine aufregende Darbietung in Aussicht, in deren Rahmen er seinem Gegner jedoch ausschließlich die Rolle des Schlachtopfers zuweist. Audley Harrison sei seines Erachtens verblendet und habe sein Umfeld davon überzeugt, daß er die Hauptattraktion des Abends ist und alle Leute den Kampf nur seinetwegen anschauen. "Ich habe ihn einst bewundert, aber so langsam mache ich mir Sorgen, daß der Druck für ihn zu groß ist und er im Ring zusammenbrechen wird." Harrisons Team glaube offenbar, man müsse nur oft und laut genug wiederholen, daß man gewinnen wird. Doch so funktioniert die Boxwelt nicht, meint Haye. Audley habe die Goldmedaille gewonnen und einige vernünftige Kämpfe absolviert. Nun sei er am Ende seiner Karriere angelangt. Es gehe dabei nicht um verlorene Freundschaft, Sparringseinheiten oder Schicksal: "Hier geht es um die Realität, und die sieht so aus, daß ich ihn am Kinn treffen und dann meinen Weg weitergehen werde."

Eingedenk des naheliegenden Vorwurfs, er sei ein Großsprecher ohnegleichen, führt der Brite zu seiner Verteidigung an, daß er keine leeren Versprechen mache, sondern seinen Worten stets Taten folgen lasse. Er habe wie angekündigt die Titel im Cruisergewicht vereint, dann den russischen Riesen Nikolai Walujew bezwungen und schließlich John Ruiz vorzeitig besiegt. Nun werde er Audley Harrison zerstören und sich im nächsten Jahr die Klitschkos vornehmen.

Audley Harrison spielte in seiner Jugend zunächst Fußball und kam erst mit 19 Jahren zum Boxen. Er krönte seine Amateurlaufbahn, indem er bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney als erster Brite die Goldmedaille im Schwergewicht gewann. Mit 30 Jahren wechselte er ins Profilager, wo er zunächst eine gute Figur machte. Das änderte sich jedoch, als er im 20. Profikampf auf Danny Williams traf und erstmals verlor. Danach folgten drei Niederlagen in den nächsten sieben Kämpfen, die ihn weitgehend in der Versenkung verschwinden ließen.

Eine Fernsehshow und ein Glückstreffer brachten Harrison noch einmal ins Rampenlicht zurück. Der 39jährige maß sich erneut mit Michael Sprott, der ihn 2007 vorzeitig besiegt hatte, und sah auch bei der Revanche gar nicht gut aus. In der letzten Runde lag er hoffnungslos zurück, während sein Gegner darauf drängte, ihm den Rest zu geben. Doch Sprott vernachlässigte in seinem Übereifer die Deckung und fing sich plötzlich einen Schwinger ein, der die Entscheidung herbeiführte. Obgleich es ein purer Zufallstreffer war, der Harrison vor einem neuerlichen Debakel bewahrt hatte, prahlte er, diese Linke könne Haye nicht verkraften. Er werde den Titel ohne Wenn und Aber holen. Bei den Buchmachern ist der gebürtige Londoner indessen 1:6-Außenseiter.

Sein Trainer Shadeed Suluki übt sich natürlich in Zuversicht und kündigt eine neue und verbesserte Version seines Schützlings an. Audley verfüge über enormes Talent, das er jedoch nie vollständig ausgeschöpft habe. Inzwischen wisse man, was falsch gelaufen ist, und werde nach dieser notwendigem Auseinandersetzung mit den Problemen und dem daraus resultierenden Reifeprozeß für eine faustdicke Überraschung sorgen. Suluki hat eigenen Angaben zufolge je nach Kampfverlauf verschiedene Strategien parat. Egal, ob sich David Haye im Ring umherbewegt, vor Audley stehenbleibt oder im Schützengraben kämpft, man sei auf alles vorbereitet und werde nichts unversucht lassen, um diesen Kampf zu gewinnen.

11. November 2010



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