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MELDUNG/312: Paul Williams von Sergio Martinez kalt erwischt (SB)



Spektakulärer Niederschlag in der zweiten Runde

"Ich wurde von einem Schlag erwischt, den ich nicht gesehen habe. Ich fühlte mich eigentlich gut. Er hat mich einfach kalt erwischt." Mit diesen Worten kommentierte Paul Williams seine spektakuläre Niederlage in der zweiten Runde der Revanche gegen Sergio Martinez. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen im Dezember 2009 hatte der Argentinier knapp und umstritten nach Punkten verloren. Daher erwartete man in Atlantic City erneut ein langes und heftig umkämpftes Duell, zumal der US-Amerikaner für außergewöhnliche Nehmerqualitäten bekannt war.

Die Kontrahenten agierten von Beginn an ungewöhnlich aggressiv und versuchten, einander gegenseitig ihre Kampfesweise aufzuzwingen. Williams sah in der ersten Runde dank seiner Aktivität etwas besser aus, während Martinez frühzeitig volle Wucht in seine Schläge setzte. Auch im zweiten Durchgang schien der US-Amerikaner zu dominieren, bis sein Gegner plötzlich einem Schlag auswich und mit einem Konter der linken Schlaghand Williams am Kinn traf, der daraufhin mit dem Gesicht voran auf den Ringboden fiel und dort minutenlang regungslos liegenblieb. Wie Martinez im anschließenden Interview mit dem Sender HBO berichtete, habe er diesmal frühzeitig angegriffen und auf Fehler seines Gegners gewartet: "Er hat zu offen geboxt und mir damit eine Menge Raum gelassen."

Nach diesem spektakulären Niederschlag blieb Sergio Martinez WBC-Weltmeister im Mittelgewicht und verbesserte seine Bilanz auf 46 Siege sowie je zwei Niederlagen und Unentschieden. Für Paul Williams stehen nun 39 gewonnene und zwei verlorene Kämpfe zu Buche. Als der Argentinier dem US-Star Kelly Pavlik im Juli überraschend dessen beide Titel abgenommen hatte, stufte man ihn als einen Champion ein, der sich seiner Gürtel nicht lange erfreuen würde. Diese Einschätzung dürfte sich nun schlagartig geändert haben, da Martinez seine Position als bester Mittelgewichtler eindrucksvoll unterstrichen hat.

Im nächsten Schritt muß der Argentinier seinen Titel bis spätestens März 2011 gegen den in 30 Kämpfen ungeschlagenen Pflichtherausforderer Sebastian Zbik aus dem Hamburger Universum-Boxstall verteidigen, der ihm gegenüber wie eine graue Maus wirken mag. Der Auftritt des Champions gegen Paul Williams sollte jedoch zur Zurückhaltung mahnen, was vermeintlich sichere Prognosen betrifft. Dem 35 Jahre alten Martinez stehen jedenfalls viele Türen offen, und wie er im Interview erklärte, wolle er zunächst alle Angebote abwarten und dann eine Entscheidung treffen.

Während er zunächst angedeutet hatte, er könne sich auch einen Kampf gegen den neuen Träger des WBC-Titels im Halbmittelgewicht vorstellen, schloß er am folgenden Tag ein Duell mit Manny Pacquiao kategorisch aus. Der Philippiner sei dafür einfach zu klein, weshalb ein Kampf gegen ihn unfair wäre. Reizen könnte ihn hingegen Floyd Mayweather, der ein hervorragender Boxer sei, gegen den er gern antreten würde, warf der Argentinier einen Köder aus. Auch sein Manager Samson Lewkowicz erteilte einem Kampf gegen Pacquiao mit den Worten eine Absage, Sergio würde nie gegen den Philippinier kämpfen, dessen K.o.-Niederlage dabei gewiß wäre.

Diese Äußerung sollte man besser nicht auf die Goldwaage legen, hat Manny Pacquiao doch erst vor einer Woche bei seinem Gewinn eines Titels in der achten Gewichtsklasse den Mexikaner Antonio Margarito klar dominiert, der acht Kilo schwerer und zwölf Zentimeter größer war. Wenngleich natürlich auch dem überragenden Können des Philippiners früher oder später Grenzen in Gestalt physisch allzu überlegener Gegner gesetzt sind, ist keineswegs ausgemacht, daß dieses Limit mit Sergio Martinez erreicht wäre.


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Zsolt Erdeis Debüt in den USA erfolgreich

Nach einjähriger Pause und seiner Trennung vom Universum-Boxstall hat sich Zsolt Erdei bei seinem Debüt in den USA erfolgreich im Ring zurückgemeldet. Der frühere WBO-Weltmeister im Halbschwer- und Cruisergewicht besiegte im Vorprogramm des Kampfs zwischen Sergio Martinez und Paul Williams in Atlantic City den Kenianer Samson Onyango klar nach Punkten (80:72, 80:72, 79:73). Dank dieses Erfolgs blieb der Ungar in 32 Profikämpfen ungeschlagen, während sein Gegner nun 20 gewonnene und sieben verlorene Auftritte auf dem Konto hat.

Daß der letzte Kampf Erdeis gegen den Italiener Giacobbe Fragomeni ein Jahr zurücklag, merkte man dem 36 Jahre alten Ungarn phasenweise an. Er habe den Ringrost abgeschüttelt, räumte der Exweltmeister im anschließenden Interview freimütig ein. "Ich war ein wenig zögerlich, mein Herz hat geklopft. Das nächste Mal wird es anders werden." Er habe seine Rechte zu wenig eingesetzt und nicht präzise genug geschlagen. Nun sei es Sache seines neuen Promoters Lou DiBella, den kommenden Gegner auszusuchen: "Ich bin für den nächsten Schritt bereit."

22. November 2010



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