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MELDUNG/318: Andre Ward bleibt WBA-Champion im Supermittelgewicht (SB)



Klarer Punktsieg gegen Sakio Bika in Oakland

Weltmeister Andre Ward hat den Titel der WBA im Supermittelgewicht in Oakland durch einen Punktsieg gegen Sakio Bika zum zweiten Mal erfolgreich verteidigt. Der Kampf war nicht Bestandteil des laufenden Super-Six-Turniers, in dem der Kalifornier das Feld anführt und im Halbfinale auf Arthur Abraham trifft. Ward, der seit 1998 als Amateur und Profi nicht mehr verloren hat, verbesserte seine Bilanz auf 23 Siege, während für Bika nun 28 gewonnene, fünf verlorene und zwei unentschieden beendete Auftritte zu Buche stehen.

Geraume Zeit hatte Andre Ward beträchtliche Mühe, sich auf Bikas unorthodoxen Stil einzustellen. Der Herausforderer machte Druck, um die bekanntermaßen hochklassigen technischen Fertigkeiten des Lokalmatadors zu kompensieren und diesen fortwährend zu beschäftigen. Daraus resultierte ein Handgemenge, in dem des öfteren geklammert, geschoben und mit unsauberen Tricks gearbeitet wurde. Auch Ward trug seinen Teil zu diesen unschönen Szenen bei und ließ über weite Strecken eine souveräne Vorstellung vermissen.

Als Bika gegen Ende des Kampfs die Luft ausging, hatte der Titelverteidiger seine beste Phase, in der er dann und wann Kostproben seines Könnens geben konnte. In der letzten Runde setzte Bika noch einmal alles auf eine Karte und brachte Ward mit einem Treffer an die Schläfe ins Wanken, doch der Weltmeister überstand auch diese gefährliche Situation und boxte den Sieg nach Hause, der mit 120:108, 118:110 und 118:110 in der Wertung allerdings viel zu deutlich ausfiel.

Wie Ward im anschließenden Interview sagte, gewinne er gerne, doch sei es ihm lieber, wenn er dabei einen guten Eindruck hinterlasse. Ob das gegen den zähen Bika der Fall war, könne er erst entscheiden, wenn er sich die Aufzeichnung des Kampfs angesehen habe. Wesentlich bleibe natürlich, dieses Duell gemeistert zu haben. Im übrigen seien Bika und dessen rauher Stil die beste Vorbereitung auf Arthur Abraham. Die Niederlage des Berliners gegen Carl Froch kommentierte der US-Amerikaner mit den skeptischen Worten, Abraham habe seine Ankündigung nicht wahrgemacht, diesmal früher loszulegen, und so geboxt, wie in seiner gesamten Karriere. Er wisse nicht, ob man das noch ändern kann, so Ward.


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Helenius macht kurzen Prozeß mit Levin

In einem Duell zweier skandinavischer Schwergewichtler machte der finnische Lokalmatador Robert Helenius in Helsinki kurzen Prozeß mit dem Schweden Attila Levin und gewann durch technischen K.o. nach einer Minute und 20 Sekunden der zweiten Runde. Damit sicherte sich der 26jährige aus dem Sauerland-Boxstall nach dem EU-Titel auch den zuvor vakanten Intercontinentaltitel der WBO. Während Helenius seine Bilanz auf vierzehn Siege verbesserte, hat Levin nun neben 34 Erfolgen bereits vier Niederlagen auf dem Konto.

Nachdem in der ersten Runde nicht viel passiert war, weil beide Boxer vorsichtig zu Werke gingen, ergriff Levin im zweiten Durchgang die Initiative und versuchte, den Finnen an den Seilen stellen. Dabei fing er jedoch eine Rechte ein, die ihn augenblicklich zu Boden schickte. Der Schwede kam zwar wieder auf die Beine, doch Helenius witterte seine Chance und setzte rückhaltlos nach, auch wenn er dabei selbst einige Treffer abbekam. Er drängte Levin in die Ecke und schlug heftig auf ihn ein, bis Ringrichter Dave Parris den Schweden für verteidigungsunfähig erachtete und den Kampf abbrach.

Robert Helenius war verständlicherweise überglücklich, vor heimischem Publikum so deutlich gewonnen zu haben. Er habe damit gerechnet, daß Levin irgendwann in den ersten Runden zum Angriff übergehen würde, und habe dadurch eine gute Gelegenheit bekommen, mit der Rechten zu treffen. Die Unterstützung seiner Landsleute habe ihn regelrecht beflügelt, und nun wolle er gemeinsam mit seinem Trainer Ulli Wegner dafür sorgen, daß ihr gemeinsamer Traum Wirklichkeit wird. Noch ein wenig Training und er sei bereit für einen Kampf um die Weltmeisterschaft.

Ulli Wegner zeigte sich im anschließenden Interview ebenso angetan von der Leistung seines Schützlings wie von der Begeisterung des finnischen Publikums. Er wolle Helenius wie versprochen zum Weltmeister machen, wobei natürlich niemand sagen könne, wie lange das dauern wird. Jedenfalls habe Robert bereits in den letzten Kämpfen bewiesen, wie gefährlich seine Schlaghand ist, und auch diesmal eine ordentliche Leistung gebracht, auf die man aufbauen könne.

Auch Promoter Wilfried Sauerland weiß die bemerkenswerte Entwicklung des Finnen zu schätzen, gibt aber eine realistische Zeiteinschätzung vor. Helenius sollte für den Aufstieg noch zwei bis drei Jahre einplanen, um sein Pulver nicht vorzeitig zu verschießen. Er sei zwar für das Ausscheidungsturnier der IBF vorgesehen, doch bleibe abzuwarten, ob das Angebot tatsächlich kommt und ob man es akzeptieren werde. Robert Helenius verfüge über ein großes Potential und habe auch diesmal eine überzeugende Leistung geboten. Nun komme es darauf an, ihn Schritt für Schritt an schwierigere Aufgaben heranzuführen.

29. November 2010



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