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MELDUNG/327: Zusammenbruch Dimitrenkos kam nicht von ungefähr (SB)



Europameister verschwieg Erkrankung in der Woche vor dem Kampf

Europameister Alexander Dimitrenko hat auf einer Pressekonferenz in Hamburg zu den Umständen Stellung genommen, unter denen er eine Stunde vor seiner anberaumten Titelverteidigung in der Schweriner Sport- und Kongreßhalle gegen den Polen Albert Sosnowski in der Kabine zusammengebrochen war. Der Kampf des 28 Jahre alten gebürtigen Ukrainers, der inzwischen deutscher Staatsbürger ist, wurde abgesagt und soll im neuen Jahr sobald wie möglich nachgeholt werden.

Dimitrenko konnte die Befürchtung entkräften, er sei schwer erkrankt. Er bedauerte zutiefst, daß der Kampf nicht wie geplant über die Bühne gehen konnte, da im Training alles perfekt gelaufen und er sehr gut vorbereitet gewesen sei. Er habe sich jedoch Anfang der Woche eine Magendarmverstimmung einfangen und seit Dienstag Durchfall gehabt. Da ihm das peinlich gewesen sei und er gehofft habe, das Problem allein in den Griff zu bekommen, habe er seinem Trainer und auch sonst niemandem davon erzählt. Die Folge sei offenbar ein beträchtlicher Verlust von Elektrolyten und Mineralien gewesen. Überdies habe er am Kampftag insgesamt nur eineinhalb Liter Flüssigkeit zu sich genommen, was viel zu wenig gewesen sei.

In der Kabine sei ihm angesichts der unangenehm hohen Temperatur etwas schwindelig geworden. Nachdem er sich dann zum Binden seiner Schuhe gebückt und anschließend wieder aufgerichtet habe, sei ihm nach zwei Schritten schwarz vor Augen geworden. Als er wieder zu sich gekommen sei, hätten mehrere Leute um ihn herumgestanden. Er selbst habe also den Fehler zu verantworten, für den er sich bei den Zuschauern in Schwerin wie auch bei Sport1 entschuldigen wolle. Nun sei ihm daran gelegen, so schnell wie möglich wieder in Form zu kommen und gegen Sosnowski anzutreten.

Trainer Michael Timm macht sich natürlich Gedanken, warum ihm sein Schützling die Vorgeschichte verschwiegen hatte. Er könne jedoch nachvollziehen, daß Alexander Dimitrenko angesichts der herben Kritik, die er nach der Niederlage gegen Eddie Chambers einstecken mußte, diesmal um keinen Preis Schwäche zeigen wollte. Nun sei man schlauer und müsse gemeinsam die Lehren daraus ziehen.

Dr. Michael Ehnert, der die Akteure des Universum-Boxstalls betreut, berichtete noch einmal ausführlich, daß sich der Zustand Dimitrenkos nicht etwa nur als kleiner Schwächeanfall, sondern sehr dramatisch dargestellt habe. Insbesondere die Verkrampfung in der linken Körperhälfte ließ demnach auf eine akute hirnorganische Störung schließen. Die Krämpfe hätten sich erst in der Klinik nach drei Litern Infusion mit Mineralien gelöst. Um mögliche weitere Ursachen auszuschließen, führe man eine Reihe von Tests durch. An einen Auftritt im Ring sei unter diesen Umständen jedenfalls nicht zu denken gewesen.

8. Dezember 2010



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