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MELDUNG/336: Langeweile in Miami - Austin chancenlos gegen Solis (SB)



Kubaner nun Pflichtherausforderer Vitali Klitschkos

Don King und Ahmet Öner haben in Miami einen Ausscheidungskampf des World Boxing Council (WBC) im Schwergewicht über die Bühne gebracht, in dem der nächste Pflichtherausforderer Vitali Klitschkos gekürt wurde. Die Zuschauer in der American Airline Arena bekamen für ihr Geld eine durchwachsene Vorstellung geboten, da der Kubaner Odlanier Solis aus dem Arena-Boxstall seiner Favoritenrolle zwar voll und ganz gerecht wurde, jedoch sein Können nicht allzu oft zur Geltung brachte. Mehr mußte er allerdings auch nicht tun, da Ray Austin hoffnungslos unterlegen war.

Der 30jährige dreimalige Amateurweltmeister und Olympiasieger von Athen aus Kuba gewann durch Disqualifikation des US-Amerikaners in der zehnten Runde, der zu diesem Zeitpunkt nach Punkten weit zurücklag und deutlich angeschlagen war. Solis konnte den 16. Sieg in ebenso vielen Profikämpfen sicher nach Hause bringen, der zehn Jahre ältere "Rainman" hat nun 28 Siege, vier Niederlagen und vier Unentschieden vorzuweisen.

Nur in der ersten Runde sah es noch nach einem Kampf aus, in dem beide Kontrahenten Aussichten auf den Sieg hatten. Als der Kubaner jedoch langsam in Schwung kam, hatte Austin der Schnelligkeit und Präzision seines Gegners nichts entgegenzusetzen. Nur durch Klammern, seitliche Drehungen und andere wenig attraktive Fluchtmanöver konnte der US-Amerikaner eine frühe Entscheidung verhindern. Obgleich es ihm gelang, Solis mit seiner Führhand phasenweise auf Abstand zu halten, wirkte er doch hilflos und brachte keine nennenswerten Treffer ins Ziel.

Als sich das mit viel Vorschußlorbeeren überhöhte Duell dahinzuschleppen begann, besann sich Solis auf seine Qualitäten und schickte Austin mit einer sehenswerten Kombination zu Boden. Der Kubaner setzte jedoch nicht nach, hielt sich in der Folge weitgehend zurück und begnügte sich damit, den unentwegt flüchtenden Austin gemächlich zu verfolgen. Sporadisch versetzte er dem US-Amerikaner einen Schlag, was Langeweile aufkommen ließ, aber völlig ausreichte, um beim Gegner auf die Dauer für weiche Knie zu sorgen.

In der zehnten Runde wackelte Ray Austin so bedenklich, daß Solis daranging, ihm in aller Ruhe den Rest zu geben. Plötzlich versuchte der Amerikaner, sich rückwärts über die Ringseile zu werfen und den Kubaner mitzuziehen. Während Promoter Ahmet Öner von außen schob, um den Sturz seines Schützlings zu verhindern, zog der Ringrichter von der anderen Seite. Als beide Boxer wieder festen Boden unter den Füßen hatten, schlug Austin anscheinend desorientiert auf Solis ein, obgleich die Runde unterdessen beendet war. Daraufhin folgte die zwangsläufige Disqualifikation des US-Amerikaners, der sich mit diesem Abgang lächerlich machte, aber zumindest weitere Schläge vermied.

Wie erwartet winkt Odlanier Solis nun die Chance, gegen Vitali Klitschko anzutreten, der freilich ein anderes Kaliber als Ray Austin ist. Sollte es zu diesem Kampf kommen, was ungeachtet aller Vorgaben des World Boxing Council keineswegs sicher ist, muß sich der Kubaner gewaltig steigern und sein Können durchgängig an die Front bringen, um nicht gegen den Ukrainer unterzugehen.


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Gennadi Golowkin demontiert Nilson Tapia

Weltmeister Gennadi Golowkin bereitete es keine sonderliche Mühe, die erste Verteidigung des WBA-Titels im Mittelgewicht erfolgreich zu gestalten. Vor heimischem Publikum in Astana benötigte der Kasache lediglich drei Runden, um Herausforderer Nilson Tapia aus Panama auszuschalten. Dieser verfügte zwar über deutliche Reichweitenvorteile, von denen er in der zweiten Runde mit Treffern der linken Führhand und dem linken Haken Gebrauch machte, doch hatte er den wuchtigen Schlägen des Kasachen nichts entgegenzusetzen. Golowkin dominierte den ersten Durchgang klar und unterstrich im dritten, daß man ihn zu Recht zu den Mittelgewichtlern mit der gefährlichsten Schlagwirkung zählt. Mit einer Kombination zu Kopf und Körper schickte er den Herausforderer zuerst in die Seile und dann zu Boden, wo Tapia liegenblieb und ausgezählt wurde.

Dank dieses überzeugenden Erfolgs blieb Gennadi Golowkin weiter ungeschlagen und verbesserte seine Bilanz auf 20 Siege, von denen er 17 vorzeitig erzielt hat. Für Nilson Tapia, der als Nummer vier der WBA-Rangliste angetreten war, stehen nun 14 gewonnene und drei verlorene Kämpfe sowie ein Unentschieden zu Buche. Golowkin möchte sobald wie möglich mit dem Interimsweltmeister der WBA, Hassan N'Dam N'Jikam, in den Ring steigen, worauf ein Vereinigungskampf gegen den Superchampion dieses Verbands, Felix Sturm, folgen soll.

18. Dezember 2010



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