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MELDUNG/337: Kurioser Treffer macht Hernandez zum Titelaspiranten (SB)



Nach 143 Sekunden flog Ali Ismailow aus dem Ring

Im Vorprogramm der Titelverteidigung Marco Hucks gegen Denis Lebedew, die der WBO-Weltmeister im Cruisergewicht hauchdünn nach Punkten gewann, bekamen die Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle einen ebenso kurzen wie spektakulären Auftritt des Kubaners Yoan Pablo Hernandez in derselben Gewichtsklasse geboten, wie man ihn nicht alle Tage sieht. Von einer Linken des Favoriten aus dem Sauerland-Boxstall voll am Kopf getroffen, flog Ali Ismailow rückwärts durch die Seile zwischen die Fotografen, wo er sichtlich benommen nicht mehr rechtzeitig auf die Beine kam. Er wurde vom Ringrichter ausgezählt und mußte sich nach nur 143 Sekunden geschlagen geben.

Da es sich um einen Ausscheidungskampf der WBA handelte, hat sich Hernandez seinen Wunsch, im kommenden Jahr um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, buchstäblich in Kurzarbeit erfüllt. Um so größer war die Freude des Kubaners, der sich natürlich selbst nicht minder überrascht zeigte, wie wenig Mühe ihn dieser Coup gekostet hatte. Er habe seinen Gegner voll getroffen, worauf dieser nicht mehr hochgekommen sei, faßte er das kuriose Geschehen im anschließenden Interview noch einmal kurz und bündig zusammen. Jetzt wolle er sich seinen großen Traum erfüllen und Weltmeister werden.

Trainer Ulli Wegner bescheinigt seinem 26 Jahre alten Schützling enormes Talent, der alles mitbringe, was man braucht, um erfolgreich zu sein. Er sei bereit für einen Kampf um die Weltmeisterschaft, und gemeinsam werde man alles daransetzen, ihn siegreich zu gestalten. Champion der WBA ist gegenwärtig der 39jährige alte Guillermo Jones aus Panama, der seinen Titel aller Voraussicht nach zunächst gegen den Interimsweltmeister Steve Herelius verteidigen muß. Der Sieger dieses Kampfs wird sich dann mit Hernandez messen - sofern nichts dazwischenkommt, was im Boxen bekanntlich jederzeit der Fall sei kann.


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Tavoris Cloud bleibt IBF-Champion im Halbschwergewicht

Als der kubanische Schwergewichtler Odlanier Solis, der beim Hamburger Arena-Boxstall unter Vertrag steht, dem hilflosen Ray Austin in aller Ruhe den Garaus machte und sich damit zum Herausforderer Vitali Klitschkos aufschwang, waren in der Miami Airlines Arena bereits zwei hochklassige Kämpfe über die Bühne gegangen. Bei seiner zweiten Titelverteidigung bezwang der IBF-Champion im Halbschwergewicht, Tavoris Cloud, den Kolumbianer Fulgencio Zuniga klar nach Punkten (117:109, 117:109, 118:108). Der Herausforderer hatte gegen Kelly Pavlik und Lucian Bute vorzeitig verloren, wehrte sich aber im Duell mit Cloud so erbittert, daß dieser mit ihm über die vollen zwölf Runden gehen mußte.

An der Überlegenheit des US-Amerikaners gab es indessen keine Zweifel, gab er doch von Beginn an beeindruckende Kostproben seines Könnens. Er boxte wendig und variabel, wirkte sicher in der Defensive wie auch gefährlich im Angriff und ging mit einer trittsicheren Taktik zu Werke. Der Kolumbianer, dem man eine solche Leistung im Halbschwergewicht nicht zugetraut hätte, steckte jedoch alle Treffer weg, wehrte sich beherzt und schlug seinerseits unermüdlich, wenngleich mit geringer Präzision. So konnte er die deutliche Niederlage zwar nicht abwenden, verdiente sich aber Respekt für seinen Widerstandsgeist. Tavoris Cloud hat nun 22 Profikämpfe ausnahmslos gewonnen und dabei 18 Gegner vorzeitig besiegt. Für Fulgencio Zuniga stehen nach der jüngsten Niederlage 24 gewonnene und fünf verlorene Auftritte sowie ein Unentschieden zu Buche.


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Erfolgreiches Comeback Ricardo Mayorgas

Ebenfalls in der Miami Airlines Arena kehrte Ricardo Mayorga nach einer Pause von 27 Monaten erfolgreich in den Ring zurück. Der frühere Weltmeister im Weltergewicht und Halbmittelgewicht aus Nicaragua besiegte den US-Amerikaner Michael Walker durch technischen K.o. in der neunten Runde. Wenngleich Mayorga eindeutig Herr des Geschehens war und sein Gegner keine nennenswerte Schlagwirkung an den Tag legte, hatte er doch Probleme mit dem zähen Walker, der acht Runden lang gegen ihn durchhielt.

Dank dieses Erfolgs verbesserte Ricardo Mayorga seine Bilanz auf 29 Siege, sieben Niederlagen und ein Unentschieden, während Michael Walker nun 19 Kämpfe gewonnen, sechs verloren und zwei unentschieden beendet hat. Aus deutscher Sicht ist Mayorga insofern interessant, als er als einer der nächsten Gegner für Felix Sturm gehandelt wird, der ihn schon vor seinem ersten Auftritt in Eigenregie auf die Liste seiner Wunschgegner gesetzt hatte.

20. Dezember 2010



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