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MELDUNG/339: In alter Frische - Hopkins unentschieden gegen Pascal (SB)



WBC-Champion im Halbschwergewicht rettet seinen Titel

Um ein Haar wäre es dem inzwischen 45jährigen Bernard Hopkins gelungen, sich noch einmal den Gürtel des Weltmeisters umzulegen. Vor 16.000 Zuschauern im Pepsi Coliseum von Quebec City trennte er sich von dem 18 Jahre jüngeren WBC-Champion im Halbschwergewicht, Jean Pascal, unentschieden, wodurch der Titel im Besitz des Kanadiers blieb. Wenngleich es dem US-Amerikaner versagt blieb, seine legendäre Karriere um ein weiteres denkwürdiges Kapitel zu ergänzen, bot er doch phasenweise einen Kampf, der hinter den besten Darbietungen seiner Laufbahn nicht zurückstand. Pascal hatte sich im August durch einen Sieg über Chad Dawson den prestigeträchtigen Gürtel des Ring Magazines gesichert und avancierte damit zum derzeit führenden Akteur seiner Gewichtsklasse. Dies unterstreicht die beeindruckende Leistung des Herausforderers, der keineswegs zu jenen alternden Boxern zählt, die hartnäckig in den Ring zurückkehren, obwohl das angesichts nachlassender Fähigkeiten zu Lasten ihrer Gesundheit geht.

Hätte Hopkins nicht einen Fehlstart hingelegt, wäre er mit dem Gürtel nach Hause zurückgekehrt. Als er den Kanadier in der ersten Runde in die Seile trieb, traf ihn dieser im Ausweichen mit einer Rechten hinter dem Ohr, die ihn zu Boden schickte. Zwar monierte der Herausforderer einen regelwidrigen Schlag, doch wurde der Niederschlag gewertet. Im dritten Durchgang sah Hopkins recht gut aus, bis ihn Pascal in den Seilen stellte und als die Gefahr bereits gebannt schien erneut niederschlug. Damit lag der US-Amerikaner frühzeitig weit zurück und schien eine leichte Beute des Weltmeisters zu werden.

Doch Hopkins eröffnete eine beeindruckende Aufholjagd, die an seine besten Zeiten erinnerte, und gewann die Runden vier bis sieben. Dann wogte das Geschehen hin und her, da Pascal auf der Hut sein mußte, den zusammengeschmolzenen Vorsprung nicht vollends preiszugeben. Der US-Amerikaner hatte nach zehn Durchgängen nicht nur häufiger geschlagen, sondern auch erheblich präziser getroffen, weshalb in der Ecke Pascals, der die elfte Runde abgeben mußte, helle Aufregung herrschte. Sie feuerte ihren Boxer in der letzten Pause an, sich den zwölften Durchgang um jeden Preis zu sichern, da andernfalls eine Niederlage drohte. So kam es zum Abschluß zu einem offenen Schlagabtausch bei dem es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Am Ende sah ein Punktrichter Hopkins mit 114:112 in Front, während die andern beiden den Kampf unentschieden gewertet hatten (113:113, 114:114). Da Hopkins mehr Runden gewonnen und eindeutig die höhere Anzahl von Treffern erzielt hatte, wäre sein Sieg durchaus vertretbar gewesen. Andererseits hatten ihn die beiden frühen Niederschläge natürlich Punktabzüge gekostet, so daß man nicht von einem klaren Fehlurteil sprechen kann. Dank Weltmeisterbonus und Heimvorteil war der Kanadier mit einem blauen Auge davongekommen und durfte sich glücklich schätzen, daß ihm der 16 Jahre ältere Veteran den Titel nicht abgejagt hatte. Für Jean Pascal stehen damit 26 Siege, eine Niederlage gegen Carl Froch und ein Unentschieden zu Buche, während Bernard Hopkins 51 Kämpfe gewonnen, fünf verloren und zwei unentschieden beendet hat.

Nach dem Kampf ließ Hopkins im Interview seinem Ärger freien Lauf. Die ganze Welt sei Zeuge geworden, wie er den ständig klammernden Pascal vermöbelt habe. Er habe durchweg dominiert, jede Menge Kombinationen geschlagen und jede Runde gewonnen. "Man hat mich beraubt, so etwas schadet dem Sport. Ich weine aber nicht über verschüttete Milch, die Fans haben gesehen, was Sache ist."

Jean Pascal räumte ein, daß dies nicht sein bester Kampf gewesen sei, doch habe er geglaubt, gewonnen zu haben. Bernard liebe es, schmutzig zu kämpfen. Er selbst sei nicht sehr glücklich, da ihm als Champion ein Unentschieden nicht genüge: "Wenn er eine Revanche will - jederzeit."


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Arbeitssieg Powetkins gegen Nicolai Firtha

Der Schwergewichtler Alexander Powetkin aus dem Sauerland-Boxstall bleibt dank eines Sieges gegen den US-Amerikaner Nicolai Firtha weiter ungeschlagen und hat nun 21 Profikämpfe gewonnen. Die Freude über den hart erkämpften Erfolg wurde jedoch von einer Handverletzung getrübt, die sich der Russe in den mittleren Runden zugezogen hatte. Wenngleich Powetkin zahlreiche Treffer ins Ziel brachte, mußte er auch mehr Schläge einstecken, als ihm und seinem Trainer Teddy Atlas lieb sein konnte.

Firtha erwies sich als unterlegener, aber zäher Widersacher, der trotz beträchtlicher Probleme und einer Rißwunde nicht aufsteckte. Der Russe konnte mit zunehmender Kampfdauer die verletzte rechte Schlaghand kaum noch einsetzen, so daß er seinen Gegner nicht mit letzter Konsequenz in die Enge zu treiben vermochte. Als dem US-Amerikaner in der letzten Runde ein Niederschlag drohte, stieß er Powetkin kurzerhand zu Boden und rettete sich auf diese Weise bis zum Schlußgong. Nach drei vorzeitigen Erfolgen mußte sich Powetkin diesmal mit einem Sieg nach Punkten zufriedengeben, der mit 98:92, 100:90 und 99:91 freilich eindeutig ausfiel. Die Handverletzung dürfte den Russen vermutlich zu einer längeren Pause zwingen, die seine Pläne durchkreuzt, sich an einen Titelkampf heranzuarbeiten.

22. Dezember 2010



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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