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MELDUNG/350: Macht Erdei in den USA sein zweites Glück? (SB)



Aussichten des Ungarn derzeit unerwartet rosig

Zsolt Erdei, der vom Universum-Boxstall ausgemustert worden war und am Ende seiner erfolgreichen Karriere angelangt schien, dürfte mit dem Entschluß, seine Laufbahn in den USA fortzusetzen, eine gute Wahl getroffen haben. Der in 32 Kämpfen ungeschlagene frühere Weltmeister der WBO im Halbschwer- und Cruisergewicht konnte bei seinem US-Debüt im November Samson Onyango nach Punkten besiegen. Nach Angaben seines Beraters Greg Leon arbeitet er inzwischen wieder mit seinem alten Trainer Fritz Sdunek zusammen und hofft auf einen spektakulären Kampf im Frühjahr, bei dem der legendäre Bernard Hopkins sein Wunschgegner wäre. Als Alternative hatte man im Lager des Ungarn Chad Dawson ins Visier genommen, der sich inzwischen jedoch darauf festgelegt hat, den Kanadier Jean Pascal zur Revanche zu fordern.

Neben der Möglichkeit, sich mit Hopkins in einem vermutlich aufsehenerregenden und lukrativen Duell zu messen, steht für Erdei unterdessen als weitere Option im Raum, um den Titel der WBA im Halbschwergewicht zu kämpfen. Da es in wenigen Tagen zu einem Duell zwischen WBA-Weltmeister Beibut Schumenow und WBO-Champion Jürgen Brähmer aus dem Universum-Boxstall kommt, dessen Sieger zum Superchampion der WBA aufsteigt, wird der reguläre Titel dieses Verbands vakant. Vermutlich wird die WBA einen Titelkampf zwischen den beiden führenden Boxern ihrer Rangliste ansetzen.

Der an Nummer eins geführte Exweltmeister Campillo hat bereits einen Kampf um die Europameisterschaft abgesagt, um sich den Weg für einen Griff nach dem Gürtel der WBA freizuhalten. An zweiter Stelle folgt Zsolt Erdei, der auf diese Weise wesentlich schneller als erwartet um die Weltmeisterschaft kämpfen könnte. Sollte der Ungar abwinken, käme ein Gegner für den Spanier an die Reihe, der weiter unten in der Rangliste notiert wird.

Nach Greg Leons Worten wäre es eine große Ehre, einen Titelkampf gegen Gabriel Campillo zu bestreiten. Sollte der Verband eine entsprechende Entscheidung fällen, werde man diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung ziehen. Andererseits habe Erdei schon seit geraumer Zeit davon geträumt, sich eines Tages mit Bernard Hopkins zu messen und ihn zu besiegen. Da sich Chad Dawson inzwischen entschieden habe, einen Rückkampf gegen Jean Pascal zu bestreiten, werde man nichts unversucht lassen, um an Hopkins heranzukommen. Wenngleich die beiden genannten Optionen für Zsolt Erdei noch keineswegs unter Dach und Fach sind, stellt sich seine aktuelle Situation doch wesentlich günstiger dar, als man dies vor seinem ersten Auftritt in den USA angenommen hatte.


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Emanuel Steward trainiert Chad Dawson

Chad Dawson, der in den USA bereits als der kommende Superstar gehandelt wurde, vor allem aber sich selbst dafür hält, reiste Mitte August nach Montreal, um dem ursprünglich aus Haiti stammenden Kanadier Jean Pascal den WBC-Titel im Halbschwergewicht abzujagen und sich den ausgelobten Gürtel des Ring Magazins zu sichern. Der in 29 Profikämpfen ungeschlagene Herausforderer machte jedoch über weite Strecken des Kampfs keine gute Figur, so daß der Champion in seiner dritten Titelverteidigung schließlich nach Punkten weit in Front lag. Als Dawson dann das Blatt mit aller Gewalt wenden wollte und Pascal sein Heil im Rückmarsch suchte, kam es im Gewühl zu einem Kopfstoß, der eine tiefe Rißwunde über einem Auge des US-Amerikaners hinterließ, der daraufhin für kampfunfähig erklärt wurde. So gewann Pascal, der zu diesem Zeitpunkt deutlich nach Punkten führte, durch Abbruch in der elften Runde und verbesserte seine Bilanz auf 26 Siege bei einer Niederlage.

Inzwischen hat sich Chad Dawson von seinem langjährigen Trainer Eddie Mustafa Muhammad getrennt und arbeitet mit Emanuel Steward zusammen, der im Laufe seiner überaus erfolgreichen Karriere nicht weniger als 41 Weltmeister betreut hat und unter anderem in der Ecke Wladimir Klitschkos steht. Steward zeigt sich überzeugt, Chad Dawson vor der vertraglich vereinbarten Revanche gegen Jean Pascal wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.

Es sei sehr frustrierend gewesen, daß Chad ungeachtet seines enormen Talents gegen Pascal einen völlig falschen Kampf geliefert habe, so Steward, dem es eigenen Angaben zufolge nicht um einen Punktsieg gegen den Kanadier geht. Er sei verrückt nach Knockouts und wisse, daß es bei Dawson nicht anders sei. In dieser Phase seiner Karriere arbeite er nur noch mit Boxern, die wahre Größe erreichen können, und bei Chad Dawson sehe er diese Größe.

2. Januar 2011



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