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MELDUNG/362: Felix Sturm bereut Schritt in die Selbständigkeit nicht (SB)



Stuttgarter Pressekonferenz für den Kampf gegen Ronald Hearns

Felix Sturm, der sich im September 2009 vom Universum-Boxstall getrennt und seither die Vermarktung in die eigenen Hände genommen hat, bereut diese Entscheidung nicht. Wie er betont, mache es ihm "zehnmal mehr Spaß als vorher", da er viel selbständiger sei und weitaus motivierter zu Werke gehe. Bei seinem Debüt in Eigenregie besiegte der Kölner am 4. September 2010 Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik souverän nach Punkten.

Am 19. Februar verteidigt Sturm in der Stuttgarter Porsche-Arena den Titel des Superchampions der WBA im Mittelgewicht gegen Ronald Hearns aus den USA. Bei einer Pressekonferenz in der baden-württembergischen Landeshauptstadt äußerte sich der 31 Jahre alte Weltmeister zunächst respektvoll über seinen Gegner. Hearns beflügle der Wunsch, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Deshalb werde er sich intensiv auf den Kampf mit diesem Herausforderer vorbereiten, versicherte der Kölner.

Bei dem ein Jahr älteren Kontrahenten handelt es sich um den Sohn des legendären früheren Weltmeisters Thomas Hearns. Der Herausforderer mußte sich in 27 Profikämpfen nur einmal geschlagen geben, wobei er bislang jedoch keine Gegner von Rang besiegt hat. Sturms Trainer Fritz Sdunek weist jedoch warnend darauf hin, daß der US-Amerikaner talentiert und technisch sehr gut ausgebildet sei.

Sturm, der den Weltmeistergürtel der WBA seit April 2007 in seinem Besitz und von 37 Kämpfen 34 gewonnen hat, nennt Marvin Hagler als sein Vorbild, der den älteren Hearns 1985 in einem vielbeachteten Duell besiegt hat. Ob damit das Motto des Stuttgarter Kampfs, den der übertragende Sender Sat.1 als "Die Abrechnung" präsentiert, plausibel macht, sei dahingestellt, zumal sich die Kontrahenten bei ihrem gemeinsamen Auftritt ungewöhnlich friedfertig gaben. "Da muß ein bißchen Pfeffer rein", begründete Sturm die Entscheidung des Senders, dem Boxkampf eine martialische Note zu verpassen. Ansonsten möge er aber das übliche "Gequatsche" im Boxen nicht, räumte der Weltmeister ein, wobei er sich immerhin zu der Ankündigung durchrang, daß er den Ring natürlich als Sieger verlassen werde.

Zuguterletzt gaben die Kontrahenten ihrer Vorankündigung aber doch noch eine kämpferische Note. "Hagler hat Hearns' Vater damals fertiggemacht, und nichts anderes werde ich mit seinem Sohn tun", hielt sich der Kölner an die Vermarktungsidee des Senders. Zufrieden konstatierte dessen Sportchef Sven Froberg, daß der Kampf unter einem besonderen Stern stehe. Für beide Boxer sei die Partie weitaus mehr als ein sportliches Kräftemessen, und die Zuschauer dürften sich auf ein emotional aufgeladenes Spektakel der Extraklasse freuen. Ronald Hearns steuerte das Seine mit der Prognose bei, daß Felix Sturm fällig sei: "Ich komme nach Deutschland, um zu siegen, und bin heiß auf den Fight!" Sollte ihm das wider Erwarten gelingen, dürfte er dem angestammten Halbmittelgewicht wohl den Rücken kehren und sich im höheren Limit etablieren.

Einen Erfolg gegen Hearns vorausgesetzt, plant Felix Sturm im nächsten Schritt einen Vereinigungskampf gegen den Weltmeister eines anderen Verbands, wofür der IBF-Champion Sebastian Sylvester aus Greifswald in Frage käme. Auch das in der Vergangenheit vielfach geforderte Duell mit Arthur Abraham will Sturm nicht ausschließen, dem natürlich klar ist, daß der im Supermittelgewicht antretende Berliner nach zwei Niederlagen in Folge derzeit andere Sorgen hat. Sollte Abraham jedoch ins Mittelgewicht zurückkehren - was allerdings höchst unwahrscheinlich ist -, werde er bereit für ihn sein.

14. Januar 2011



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