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MELDUNG/363: Ahmet Öner zieht gegen die Klitschkos vom Leder (SB)



Odlanier Solis soll das Ende der Ära Klitschko einläuten

Geht es nach Ahmet Öner, ist das Ende der Ära Klitschko greifbar nahe. Da die Verträge für den Kampf um den Titel des World Boxing Council (WBC) im Schwergewicht zwischen Weltmeister Vitali Klitschko und dem Pflichtherausforderer Odlanier Solis unterzeichnet sind, erlegt sich der Co-Promoter des Kubaners keinerlei Zurückhaltung mehr auf und zieht mit drastischen Worten gegen die Ukrainer vom Leder. Er ist offenbar nicht nur felsenfest davon überzeugt, daß sein Boxer am 19. März den Ring in der Kölner Lanxess-Arena als Sieger und neuer Champion verlassen wird, sondern fährt auch schwere verbale Geschütze bis hin zur Beleidigung auf. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit scheinen bei ihm die Grenzen zwischen bloßem Marktgeschrei zur besseren Verwertung des Kampfs und aggressiven persönlichen Übergriffen in einem Maße zu verschwimmen, daß man an seiner Schutzbehauptung zweifeln muß, er werde fortan sein Temperament zügeln.

Auf der Internetseite des Arena-Boxstalls wird Öner mit den Worten zitiert, es sei höchste Zeit, daß Vitali und Wladimir Klitschko aufgezeigt bekämen, wie überschätzt sie wirklich sind. Vitali werde am 19. März an seiner "Arroganz, Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit" ersticken. Öner wiederholt in diesem Zusammenhang die unzutreffende Behauptung, der Ukrainer habe immer wieder versucht, Solis aus dem Weg zu gehen, und äußert den Verdacht, Klitschkos Manager Bernd Bönte meide ein direktes Aufeinandertreffen mit ihm. Mit Weglaufen sei es nun vorbei, da "Vitali und sein sauberer Manager" akzeptieren müßten, daß sie nicht an ihm vorbeikämen, wirft sich der türkische Promoter in die Brust, der sich die Rechte an Odlanier Solis je zur Hälfte mit Don King teilt.

Vitali habe schon Respekt vor Solis bekundet, wozu auch aller Grund bestehe, fährt Öner fort. "Wir respektieren Vitali nicht. Er ist ein schwacher Weltmeister, der nur schwache Gegner geschlagen hat. Gegen seinen einzigen echten Gegner - Lennox Lewis - hat er verloren, obwohl Lewis zu dem Zeitpunkt schon alt und satt war." Vitali habe seit seinem Comeback 2008 "nur gegen handverlesenes Gemüse geboxt", käut der Promoter die weithin kolportierte, aber deswegen nicht zutreffendere Verdrehung der Verhältnisse im Schwergewicht wieder. Offenbar hat Öner unter anderem verdrängt, daß er selbst mit dem Pflichtherausforderer Juan Carlos Gomez an Klitschko gescheitert ist. Bislang haben alle Gegner der Klitschkos angekündigt, sie seien im Gegensatz zu ihren Vorgängern kein Fallobst und würden den Ukrainern die Grenzen aufzeigen, was jedoch seit Jahren niemandem mehr gelungen ist.

Vitali Klitschko sei doch der "Einäugige unter den Blinden", legt Öner dennoch nach, um dann verbal über Wladimir Klitschko herzufallen. Der gehe "dem einzig großen Kampf gegen David Haye aus dem Weg" und ziehe einen namenlosen Gegner wie Dereck Chisora vor. Auch dies ist eine höchst limitierte Sichtweise, die unter anderem ignoriert, daß der Brite schon zwei fest vereinbarte Kämpfe gegen die Klitschkos unter fadenscheinigen Vorwänden platzen ließ.

Odlanier Solis war dank seines Talents und der hervorragenden Ausbildung, die ihm die kubanische Gesellschaft möglich gemacht hat, ein überragender Amateurboxer. Von Öner finanzierte Schleuser halfen ihm, sich aus seiner Heimat abzusetzen und in privilegierter Position im Raubgefüge kapitalistischer Verwertung zu plazieren. Er hat sich auch im Profilager bislang souverän durchgesetzt, wobei er nicht minder von der desolaten Verfassung des Schwergewichts profitiert wie die Klitschkos.

Wenn Öner nun verkündet, Solis werde "diese überbewerteten Schwätzer Vitali, Wladimir und auch Haye der Reihe nach aus dem Weg räumen und die Titel vereinigen", damit sie nicht mehr miteinander "wie kleine Schulmädchen" zu streiten bräuchten, tut der Promoter seinem Boxer keinen Gefallen. Beide legen die Attitüde aufgeblasener Machos an den Tag, mit denen sie ihre Umgebung einzuschüchtern versuchen. Die "Zeitenwende im Schwergewichtsboxen" wäre der Königsklasse durchaus zu wünschen, wie auch Odlanier Solis zweifellos ein erstklassiger Boxer ist. Allerdings steht zu befürchten, daß man nach der Selbstgefälligkeit der Klitschkos mit der protzigen Überheblichkeit des Gespanns Öner/Solis vom Regen in die Traufe käme.

15. Januar 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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