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MELDUNG/370: Veteranentreffen der Schwergewichte in West Virginia (SB)



Ein Abend mit Holyfield, Williams, Johnson, Barrett und Boswell

Heute abend geht in White Sulphur Springs im US-Bundesstaat West Virginia eine Boxveranstaltung über die Bühne, in deren Rahmen mehrere namhafte Schwergewichtler beweisen wollen, daß sie keineswegs zum alten Eisen gehören respektive aus der zwischenzeitlichen Versenkung erfolgreich ins Rampenlicht zurückkehren können. Prominentester im Bunde ist zweifellos Evander Holyfield, der auch mit 48 Jahren die Boxhandschuhe nicht an den Nagel hängt. Wenngleich er energisch dementiert hat, so gut wie pleite gewesen zu sein, dürften doch finanzielle Gründe eine maßgebliche Rolle bei der Fortsetzung seiner Karriere ad infinitum spielen. Andererseits hat er sich bei seinen letzten Auftritten in bemerkenswerter körperlicher Verfassung präsentiert und jene Kritiker Lügen gestraft, die ihm vorwarfen, er sei lediglich zum Abkassieren gekommen.

In sechs Wochen will Evander Holyfield gegen den legendären Dänen Brian Nielsen antreten, der nur drei Jahre jünger ist und seit April 2004 nicht mehr im Ring gestanden hat. Demgegenüber liegt Holyfields letzter Auftritt am 10. April 2010 in Las Vegas fast überschaubar nahe zurück. Damals bezwang er den Südafrikaner Francois Botha im Kampf um den vakanten Titel des international unbedeutenden Verbandes WBF durch technischen K.o. in der achten Runde. Holyfield, der insgesamt viermal Weltmeister war, hat bislang 55 Profikämpfe bestritten, 43 konnte er gewinnen, zehn verlor er, zwei endeten unentschieden.

Brian Nielsen hat eine beeindruckende Bilanz von 64 Siegen und nur zwei Niederlagen vorzuweisen, wobei er seinen bedeutendsten Erfolg am 24. Januar 1997 feiern konnte, als er Exweltmeister Larry Holmes in Kopenhagen nach Punkten bezwang. Seine letzte Niederlage datiert vom 13. Oktober 2001, als er sich in der dänischen Hauptstadt "Iron" Mike Tyson geschlagen geben mußte. Nach zahlreichen Verletzungen und diversen Operationen erklärte er seine Karriere 2004 für beendet, doch wie er nun versichert, sei er inzwischen wieder fit.

Um sich auf den Kampf gegen Nielsen in Dänemark einzustimmen, steigt "The Real Deal" heute mit Sherman "Tank" Williams in den Ring. Der ist ebenfalls ein alter Haudegen, hat er doch 34 Siege, elf Niederlagen und zwei Unentschieden auf dem Konto. Robust dürfte Williams sein, doch rechnet man damit, daß Holyfield mobiler und konditionell überlegen klar die Oberhand behalten wird.

Monte "Two Gunz" Barrett wollte nach dem Unentschieden gegen David Tua eigentlich seine Karriere beenden, was jedoch bekanntlich im Boxsport wenig besagen will. Namentlich die Schwergewichtler orientieren sich an Vitali Klitschko oder eben auch Evander Holyfield, die in einem Alter ausgezeichnete athletische Leistungen präsentieren, in dem Boxer vordem längst als ausgemustert galten. Barrett, der mit einer Bilanz von 43 Siegen, neun Niederlagen und einem Unentschieden antritt, bekommt es mit dem ebenfalls altgedienten, aber weithin unbekannten Aufbaugegner Charles Davis zu tun, der ihn auf seine Revanche mit dem Neuseeländer vorbereiten soll.

Kevin Johnson, der durch unablässige Fluchtmanöver Vitali Klitschko einen Kampf über volle zwölf Runden abgenötigt hatte, was nur wenige von sich sagen können, tritt nach längerer Pause gegen Julius Long an. Dieser macht seinem Namen in körperlicher Hinsicht alle Ehre, gilt er doch mit 2,16 m derzeit als größter Profiboxer. Als Sparringspartner zur Vorbereitung auf hochgewachsene Kontrahenten vielbeschäftigt, ist Long in sportlicher Hinsicht mit einer Bilanz von 15 gewonnenen und vierzehn verlorenen Kämpfen nur Außenseiter gegen Johnson, der mit 23 Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden aufwarten kann.

Mit von der Partie ist ferner Cedric Boswell, dessen 32 Siege bei nur einer Niederlage Qualitäten vermuten lassen, die der als ewiges Talent bezeichnete Schwergewichtler bislang nur bedingt unter Beweis stellen konnte. Mit einem Sieg über Dominique Alexander will sich Boswell in den Ranglisten verbessern.

Für den Höhepunkt des Abends könnte der Auftritt Domonique Doltons sorgen, der in neun Kämpfen ungeschlagen ist. Trainer Emanuel Steward, der zu den Besten seines Fachs zählt, hält jedenfalls große Stücke auf seinen talentierten Schützling, der wahlweise im Halbmittel- und Mittelgewicht boxt. Sein wesentlich erfahrenerer, aber allenfalls durchschnittlicher Aufbaugegner Marcos Primera, der von 44 Kämpfen mehr verloren als gewonnen hat, stand zwar schon mit bekannten Kontrahenten im Ring, wird aber wohl nur befristet Doltons Fähigkeiten auf die Probe stellen können.

22. Januar 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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