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MELDUNG/378: Timothy Bradley setzt sich gegen Devon Alexander durch (SB)



WBO-Champion holt sich auch den WBC-Titel im Halbweltergewicht

In einem Vereinigungskampf des Halbweltergewichts hat sich der 27 Jahre alte WBO-Weltmeister Timothy Bradley durch einen Sieg gegen seinen US-amerikanischen Landsmann Devon Alexander auch den Gürtel des WBC gesichert. Im Pontiac Silver Dome in Detroit, Michigan, setzte sich Bradley mit einem technischen Punktsieg in der zehnten Runde durch. Nach seinem Erfolg gegen Kendall Holt im April 2009 ist er damit zum zweiten Mal in seiner Karriere Champion zweier Verbände.

In einem mitunter turbulenten Gefecht ging Timothy Bradley von Beginn an offensiver zu Werke und brachte seine Schläge häufiger ins Ziel als sein in der Rechtsauslage boxender Gegner. Der Kampf war nicht zuletzt von Verletzungen geprägt, da sich Alexander nach einem unabsichtlichen Kopfstoß bereits in der dritten Runde eine Rißwunde über dem rechten Auge zuzog.

In der achten und zehnten Runde stießen die Kontrahenten erneut mit den Köpfen zusammen, was dazu führte, daß der 23jährige Alexander schließlich zur Aufgabe gezwungen war. Nach dem letzten Kopfstoß konnte er eigenen Angaben zufolge nichts mehr sehen. Da Referee Frank Garza keinen Vorsatz Bradleys erkennen konnte, entschied der Punktestand zum Zeitpunkt des Abbruchs: Timothy Bradley lag mit 98:93, 97:93 und 96:95 in Front, so daß er verdientermaßen zum Sieger erklärt wurde.

Während Devon Alexander in seinem 22. Profikampf die erste Niederlage hinnehmen mußte, blieb Timothy Bradley in nunmehr 28 Auftritten ungeschlagen und untermauerte durch den Sieg seinen Anspruch, derzeit bester Halbweltergewichtler der Welt zu sein. Im nächsten Schritt könnte für ihn ein Duell mit dem Briten Amir Khan anstehen, der den Titel der WBA in seinem Besitz hat.

Hatte man sich von dem Aufeinandertreffen zweier technisch versierter Akteure eine spektakuläre Darbietung erhofft, die dem US-amerikanischen Boxsport den dringend benötigten Schub verleihen sollte, so konnte der Kampf doch den hochgesteckten Erwartungen nicht gerecht werden. Offenbar war es ein Fehler gewesen, sich auf Detroit als neutralen Austragungsort zu einigen, da die Menschen in der von der Wirtschaftskrise heimgesuchten Region andere Sorgen haben, als sich für teures Geld einen Boxkampf anzusehen. Der Pontiac Silver Dome mit seinen Fassungsvermögen von 90.000 Besuchern war auf 10.000 Plätze verkleinert worden, wobei überdies zahlreiche Eintrittskarten verschenkt werden mußten, um für gefüllte Ränge zu sorgen. Zudem neutralisierten die Gegner einander in so hohem Maße, daß der erhoffte außergewöhnliche Kampf nicht zustande kam.

Im anschließenden Ringinterview mit Larry Merchant lobte Bradley seinen Gegner als hervorragenden Kämpfer, dem man keine Zeit zum Nachdenken geben dürfe: "Dann boxt er dich gnadenlos aus." Deshalb habe er Druck gemacht, sei immer wieder nahe an Alexander herangegangen und habe häufig zum Körper geschlagen. Auf der Liste seiner Wunschgegner stehe nun Amir Khan ganz oben. Hingegen verwies Devon Alexander auf eine Rückkampfklausel im Vertrag, die er wahrnehmen wolle. Angesichts des eher enttäuschenden Kampfverlaufs dürfte es jedoch kaum zur unmittelbaren Revanche kommen, zumal Amir Khan und der Argentinier Marcos Maidana aus dem Hamburger Universum-Boxstall einander kürzlich ein weitaus spektakuläreres Duell geliefert haben.

Larry Merchant teilte die Auffassung, daß es vorerst keinen Grund für einen Rückkampf gebe. Er begrüßte Bradleys Absicht, gegen Khan oder Maidana anzutreten, zumal man in den USA noch immer nach dem nächsten einheimischen Superstar suche. Timothy Bradley habe diese Lücke zwar noch nicht gefüllt, aber einen Schritt in die richtige Richtung getan.

Amir Khan, der das Kräftemessen zwischen Bradley und Alexander natürlich aufmerksam verfolgt hatte, zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Er habe vor beiden großen Respekt, doch halte ihr Auftritt dem Vergleich mit seinem Kampf gegen Maidana nicht stand. Bradley habe stark, aber schlagbar ausgesehen, Alexander ängstlich und übernervös. Bradley habe klargestellt, mit wem er vorzugsweise in den Ring steigen will. Khan bestreitet seinen nächsten Auftritt am 16. April in England, wobei der Gegner noch nicht feststeht. Danach kann er sich einen Kampf gegen Bradley Ende Juli in den USA vorstellen.

2. Februar 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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