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MELDUNG/379: IBF-Turnier im Schwergewicht verkommt endgültig zur Farce (SB)



Suche nach Gegner für Samuel Peter nimmt absurde Züge an

Die International Boxing Federation (IBF) scheint nach wie vor entschlossen zu sein, das geplante Ausscheidungsturnier im Schwergewicht über die Bühne zu bringen. Die Suche nach einem Herausforderer Wladimir Klitschkos nimmt in ihrer Beliebigkeit so absurde Züge an, daß die vorgehaltene Legitimität des Verfahrens auch den letzten verbliebenen Rest an Glaubwürdigkeit einbüßt. Nachdem der Wunschkandidat Tomasz Adamek seine Teilnahme abgesagt und direkt mit dem Ukrainer einen Titelkampf im September ausgehandelt hat, erinnert die Wahl eines geeigneten Gegners für den Nigerianer Samuel Peter der Errichtung Potemkinscher Dörfer, die dem massenhaft abwandernden Boxpublikum verzweifelt Qualität und Spannung vorzugaukeln versucht.

Als aussichtsreichster Kandidat, sich von Samuel Peter der Form halber vermöbeln zu lassen, gilt derzeit der US-Amerikaner Maurice Harris, den die IBF auf dem zehnten Platz ihrer Rangliste führt. Der Sieger dieses Kampfs soll auf den Gewinner des Duells zwischen Eddie Chambers und Derric Rossy treffen, so daß am Ende ein neuer Pflichtherausforderer auf den Schild gehoben werden kann. Bei aller Sympathie für den krassen Außenseiter mag man doch nicht ernsthaft annehmen, daß Harris dem Nigerianer das Wasser reichen kann. Sollte dieser jedoch einen rabenschwarzen Tag erleben und wider Erwarten den kürzeren ziehen, wäre dies ein weiteres Debakel zu Lasten der ohnehin desolaten US-Schwergewichtsszene.

Fällt die Wahl tatsächlich auf Maurice Harris, bekäme ein Boxer mit einer Bilanz von 24 Siegen, vierzehn Niederlagen und zwei Unentschieden die nicht nachvollziehbare Gelegenheit, von einem gemeinsamen Auftritt mit dem Weltmeister zu träumen. Ohne dem langgedienten US-Amerikaner Unrecht zu tun, muß man doch ungeschminkt festhalten, daß seine beste Zeit mehr als zehn Jahre zurückliegt. Der Höhepunkt seiner Karriere datiert 1999, als er sich mit Derrick Jefferson eine Ringschlacht lieferte, in der beide Kontrahenten mehrmals zu Boden gingen.

Immerhin kann Harris für sich verbuchen, Sergej Liachowitsch und David Izon die jeweils erste Niederlage im Profilager beigebracht zu haben. Nach mehreren Rückschlägen in Folge verabschiedete sich Maurice Harris 2007 aus dem Ring und kehrte erst zwei Jahre später wieder zurück. 2010 arbeitete er sich jedoch mit Siegen gegen Billy Zumbrun, Julius Long, Robert Hawkins und Nagy Aguilera, die allesamt bekannter sind als er, in den Ranglisten hoch. Dies läßt darauf schließen, daß der mittlerweile 36jährige sein Pulver noch nicht ganz verschossen und womöglich doch mehr aufzubieten hat, als sich von Samuel Peter auf ganzer Linie vorführen zu lassen.

4. Februar 2011



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