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MELDUNG/383: Klitschkos sind auf David Haye nicht angewiesen (SB)



Wladimir Klitschko nennt 2. Juli als definitiv letzte Chance

Wladimir Klitschko hat gegenüber der BBC noch einmal klargestellt, daß der vielbeschworene Kampf gegen David Haye entweder am 2. Juli oder gar nicht stattfindet. Dabei spiele es für ihn keine Rolle, ob man in England oder Deutschland in den Ring steige, so der Ukrainer. Diese eingeschränkte Terminplanung ist eine Folge des mühsamen Ringens der beiderseitigen Fernsehpartner, ein gemeinsames Zeitfenster zu finden. Der Unwägbarkeiten überdrüssig, hat der jüngere Klitschko für das laufende Jahr bereits zwei Auftritte festgemacht. Am 30. April verteidigt er in Mannheim die Titel der Verbände WBO, IBF und IBO gegen den Briten Dereck Chisora, womit er das im Dezember wegen einer Verletzung abgesagte Aufeinandertreffen nachholt. Im September soll ein Duell mit Tomasz Adamek in Polen folgen, für das die Verträge ebenfalls unterzeichnet sind.

Wie Klitschko argumentiert, freuten sich die britischen Fans auf einen Kampf mit David Haye. Er wolle ihnen diesen Wunsch erfüllen, bestehe aber nach wie vor auf den 2. Juli. Nehme Haye nicht an, sei die Sache gestorben. Der britische WBA-Weltmeister hat seine Skepsis insbesondere damit begründet, daß Klitschko für gewöhnlich längere Pausen zwischen seinen Auftritten einlegt und das Angebot deshalb nicht ernst gemeint sein könne. Indessen hat Haye, der in der Vergangenheit fest eingeplante Kämpfe gegen Wladimir und Vitali Klitschko kurzfristig platzen ließ, wenig Grund, sich über die angebliche Unzuverlässigkeit seiner Verhandlungspartner zu beklagen.

Ob David Haye seinen Titel wie vorgesehen im Mai in London gegen Ruslan Tschagajew verteidigt, steht weiterhin in den Sternen. Der Pflichtherausforderer aus dem Hamburger Universum-Boxstall wartet auf die Zulassung der britischen Boxkommission. Er hat sich vor einigen Jahren mit Hepatitis B infiziert, was seinerzeit Nikolai Walujew zum Anlaß nahm, den bereits anberaumten Kampf mit ihm zu verweigern. Aus ärztlicher Sicht ist die Gefahr einer Übertragung im Rahmen eines Boxkampfs zwar nicht zweifelsfrei geklärt, wird aber offenbar von führenden Experten als gering und kontrollierbar eingeschätzt.

Als David Haye den Kampf gegen Wladimir Klitschko trotz unterschriebener Verträge abgesagt hatte, mußte der Ukrainer kurzfristig Ersatz finden. Anstelle des Briten sprang Ruslan Tschagajew ein, dessen Krankheit damals kein Hinderungsgrund war. Daran erinnert Vitali Klitschko dieser Tage in einem Interview mit Daily Sport, wobei er den Verdacht äußert, Haye benutze die Erkrankung des Usbeken lediglich als Ausrede, um nicht gegen ihn antreten zu müssen.

Sollte die britische Boxkommission Ruslan Tschagajew die Zustimmung verweigern, würde die WBA wohl Alexander Powetkin, der mittlerweile in ihrer Rangliste auf dem zweiten Platz notiert wird, zum neuen Pflichtherausforderer bestimmen. Der bislang ungeschlagene, aber zuletzt nicht eben überzeugende Russe aus dem Sauerland-Boxstall hat allerdings gerade erst eine Handverletzung auskuriert und bereitet sich auf einen Aufbaukampf vor, der für April vorgesehen ist. Überdies ist nach dem heftigen Streit zwischen Sauerland und Trainer Teddy Atlas ungeklärt, wer Powetkin künftig betreut. Daß man den Russen unter diesen Umständen sofort mit David Haye in den Ring schicken würde, darf bezweifelt werden.

Vitali Klitschko dürfte der ewige Streit mit David Haye derzeit nur beiläufig beschäftigen, da er seinen WBC-Titel am 19. März in der Kölner Lanxess Arena vor bis zu 19.000 Zuschauern gegen Odlanier Solis verteidigen muß. Während der Ukrainer mit Trainer Fritz Sdunek wie immer in den letzten Jahren sein Trainingslager im österreichischen Going bezieht, absolviert der Herausforderer mit seinen Betreuern derzeit ein Höhentraining in der spanischen Sierra Nevada.

Wie Trainer Pedro Diaz berichtet, habe man in den Bergen auf über 2.500 Metern ideale Bedingungen, um die konditionellen Voraussetzungen zu erarbeiten und sich optimal in Form zu bringen. Am 19. März werde man den besten Odlanier Solis seit dessen Profidebüt 2007 erleben. Solis und Diaz wollen bis Ende Februar in Spanien bleiben und dort auch erste Sparringseinheiten absolvieren. Im Anschluß daran reisen sie nach Köln, wo die letzte Phase der Vorbereitung stattfinden wird.

Der 30 Jahre alte Odlanier Solis war als Amateur dreimal Weltmeister und 2004 Olympiasieger in Athen. Er hat im Profilager 17 Kämpfe bestritten und den Ring durchweg als Sieger verlassen. Für den 39jährigen Vitali Klitschko stehen vor der sechsten Titelverteidigung seit seinem Comeback 2008 bislang 41 Siege zu Buche, bei denen sich 38 Gegner vorzeitig geschlagen geben mußten. Niederlagen bezog der Ukrainer gegen Chris Byrd wegen einer schweren Schulterverletzung sowie durch Abbruch gegen Lennox Lewis. Bei seinem letzten Auftritt besiegte er im Oktober in Hamburg den standhaften US-Amerikaner Shannon Briggs klar nach Punkten.

8. Februar 2011



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