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MELDUNG/388: Erfolgreicher Kurzauftritt Abrahams läßt Fragen offen (SB)



Stjepan Bozic in Runde zwei verletzungsbedingt am Ende

Arthur Abraham hat in der mit 3.000 Zuschauern restlos ausverkauften RWE-Sporthalle in Mülheim an der Ruhr gegen Stjepan Bozic gewonnen, doch hatte er beim frühzeitigen Aufgabesieg in der zweiten Runde kaum Gelegenheit zu einer umfassenden Rehabilitation. In der entscheidenden Szene, die zum vorzeitigen Abbruch führte, landete ein linker Körperhaken des Kroaten am rechten Ellenbogen Abrahams. Bozic schrie auf und ging mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Knie, worauf der Kampf nach 1:01 Minuten des zweiten Durchgangs beendet war, ehe er recht begonnen hatte. Wie der 36 Jahre alte Kroate vermutete, habe er sich das Handgelenk gebrochen. Ringarzt Dr. Walter Wagner wollte dies nicht ausschließen und merkte an, daß die Boxer in der Regel recht gut wüßten, was los ist. Die anschließende Untersuchung im Krankenhaus bestätigte den Anfangsverdacht jedoch nicht: Es wurde kein Bruch diagnostiziert, doch könnte es sich um eine Kapselverletzung handeln, die oftmals sehr schmerzhaft ist.

Damit stehen für den 30jährigen Abraham, der im Supermittelgewicht boxt, 30 Siege und zwei Niederlagen zu Buche. Der frühere IBF-Weltmeister im Mittelgewicht bedauerte den für seinen Gegner unglücklichen und die Zuschauer ob der Kürze enttäuschenden Verlauf seines Auftritts. Dennoch konnte er positive Ansätze für sich in Anspruch nehmen und war der Auffassung, daß es nicht so schlecht gelaufen sei. Er habe durch das Training den Rhythmus aufrechterhalten, was das Wichtigste sei. "Ich habe gesagt, ich will mit einem Sieg in das Jahr 2011 starten, das ist mir gelungen", so der Berliner. Er sei mit dem Auftakt des Kampfes zufrieden, da er aktiv gearbeitet und sich nicht wie früher in erster Linie auf seine Doppeldeckung verlassen habe.

Auch Trainer Ulli Wegner gewann dem kurzen Auftritt seines Schützlings positive Aspekte ab. Nach der Kritik in der Vergangenheit habe Arthur diesmal seine Anweisungen umsetzt: "Er hat Druck gemacht und ist nach vorne gegangen, hat Körpertreffer gebracht und oben nachgesetzt. Er tat das, was ich von ihm sehen wollte", sagte der 68jährige.

Stjepan Bozic beklagte sein großes Pech. Er sei in der Form seines Lebens gewesen und habe den Kampf gut begonnen: "Was soll ich sagen, ich bin sehr traurig. Ich wünsche Arthur für das Super Six alles Gute. Ich denke, er wird das Turnier gewinnen."

Nach den beiden Niederlagen im Super-Six-Turnier gegen Andre Dirrell aus den USA und den Briten Carl Froch ging es für Abraham darum, gegen seinen ehemaligen Sparringspartner Selbstvertrauen aufzubauen und das Gefühl zurückzugewinnen, einen Kampf für sich zu entscheiden. Dafür hatte man Bozic ausgewählt, dessen Kampfesweise dem Berliner entgegenkommt. Der Kroate suchte wie erwartet den Weg nach vorn und gab Abraham dadurch die Möglichkeit, seine Schlagwirkung zu entfalten und nicht zuletzt Körpertreffer anzubringen, die seinen Gegner sichtlich beeinträchtigten.

Im Mai trifft Abraham im Halbfinale des Super-Six-Turniers in den USA auf den ungeschlagenen Andre Ward, der zum Favoriten avanciert ist. Wie der Berliner weiß, werde dies ein ganz anderer Kampf als der gegen Bozic sein. Ward boxe aus der Distanz und stoße ab und an sehr schnell vor. Diese Kampfesweise stellte Abraham bei seinen Niederlagen gegen Dirrell und Froch vor unlösbare Probleme, weil es ihm nicht gelang, ein Mittel gegen die größere Reichweite dieser Kontrahenten zu finden. Wie er nun versicherte, werde er gut trainieren, um Ward in Amerika einen erstklassigen Kampf zu liefern.


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Yoan Pablo Hernandez WBA-Interimsweltmeister im Cruisergewicht

Unter dem Strich hätte die Veranstaltung in Mülheim für den Berliner Boxstall Sauerland Event nicht besser laufen können. Yoan Pablo Hernandez konnte sich nach seinem K.o.-Sieg in der siebten Runde gegen Titelverteidiger Steve Herelius aus Frankreich als neuer Interimsweltmeister der WBA im Cruisergewicht feiern lassen. Der von Ulli Wegner trainierte 26 Jahre alte Kubaner verbesserte seine Bilanz auf 24 Siege aus 25 Profikämpfen.

Hernandez hielt sich von Beginn an diszipliniert an die vereinbarte taktische Linie, boxte aus der Ringmitte und setzte zunächst auf einzelne Schläge, ohne dabei seine Deckung zu vernachlässigen. Da auch der Franzose vorsichtig zu Werke ging und sich auf Konter verlegte, verliefen die ersten drei Runden ruhig mit leichten Vorteilen für Hernandez. Im vierten Durchgang mußte Herelius einen gefährlichen Treffer einstecken und verdrehte sich dabei unglücklich das Knie. Fast wäre es aufgrund der Verletzung in der Pause zum Abbruch gekommen, doch entschloß sich der Titelverteidiger nach längerer Diskussion mit seinem Trainer, den Kampf fortzusetzen.

Allen Beteiligten mußte klar sein, daß der Franzose nun versuchen würde, mit einem Glückstreffer die Oberhand zu behalten. Hernandez entzog sich jedoch den Angriffen und ergriff ab der sechsten Runde wieder die Initiative. Im siebten Durchgang lief Herelius voll in eine Linke des Kubaners, der ihn mit einem weiteren Treffer zu Boden schickte. Der Franzose kam zwar noch einmal auf die Beine, doch setzte Hernandez entschieden nach und erzielte einen weiteren Niederschlag, der die französische Ecke bewog, das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe zu werfen.

Wie Steve Herelius in einer anschließenden Stellungnahme berichtete, habe er sich eine Sehnenverletzung zugezogen, die dazu führte, daß er sich auf dem Bein nicht mehr bewegen konnte. Ihm sei nichts anderes übriggeblieben, als einen Lucky Punch zu landen, was sein Gegner jedoch sofort durchschaut habe.

Der neue Interimsweltmeister war überglücklich angesichts dieses Erfolgs, für den er so lange gearbeitet habe. Wenngleich es mehrmals zum Schlagabtausch gekommen sei, habe er sich doch beherrscht. Hernandez dankte seinem gesamten Team und vergaß darüber auch den Franzosen nicht, dessen Verletzung er bedauerte. Im nächsten Kampf soll es Yoan Pablo Hernandez nun mit dem regulären Weltmeister, Guillermo Jones aus Panama, aufnehmen.


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Licina geht gegen Cunningham mit fliegenden Fahnen unter

In einem Duell zweier Cruisergewichtler aus dem Sauerland-Boxstall hat Weltmeister Steve Cunningham seinen IBF-Titel erfolgreich gegen Enad Licina verteidigt. Der Herausforderer gab sein Bestes, um über den beherzten Angriff zum Erfolg zu kommen, doch mußte er sich nach zwölf Runden der Erfahrung und boxerischen Qualität des US-Amerikaners nach Punkten geschlagen geben (118:110, 117:111, 115:113).

Nach ausgeglichenem Auftakt traf Licina in der zweiten Runde mehrmals mit der Rechten, doch übernahm Cunningham in den folgenden Durchgängen das Kommando und überzeugte mit variablen Kombinationen. Zwar kam der Serbe in der fünften Runde mit Einzeltreffern zum Zuge, doch erwies sich der Titelverteidiger als so beweglich, daß Licina die Anweisung Trainer Karsten Röwers nicht umsetzen konnte, häufiger Kombinationen zu schlagen und mit Uppercuts nachzusetzen. In der zweiten Hälfte des Kampfes ließ Enad Licina konditionell etwas nach, worauf Cunningham nach einer umkämpften neunten Runde den Sieg anschließend sicher nach Hause boxen konnte.

Wie Steve Cunningham nach seinem Sieg anmerkte, habe er sich in der Woche vor dem Kampf eine Grippe eingefangen. Wenngleich er keine Ausrede suche, habe er doch recht wackelige Beine gehabt. Indessen sei er der Weltmeister und habe am Ende noch zulegen können. Nun strebe er eine Titelvereinigung mit dem Champion eines anderen Verbands an.

Erschöpft bilanzierte Enad Licina, er habe um sein Leben gekämpft. Cunningham sei der beste Cruisergewichtler der Welt, weshalb es alle vorgezogen hätten, dem US-Amerikaner aus dem Weg zu gehen. Er selbst habe jedoch nicht gezögert, dessen Angebot anzunehmen. Einige Male sei es ihm gelungen, den Weltmeister wirkungsvoll zu treffen, doch fehle ihm einfach noch die Erfahrung, um daraus Kapital zu schlagen. Und nicht zuletzt bedankte sich Licina bei Henry Maske, der immer an sein Potential geglaubt habe.

Trainer Karsten Röwer unterstrich, daß sein Schützling wirklich alles versucht habe. Irritierend sei jedoch, wie müde dieser auf die Dauer geworden sei. Da man noch nicht lange zusammenarbeite, sei die Zeit vielleicht zu kurz gewesen. Enad habe hart gearbeitet, sei aber nicht mehr der Jüngste. Da es für ihn nicht mehr viele Chancen gebe, müsse man diese konsequent nutzen und vielleicht im nächsten Schritt um die Europameisterschaft kämpfen.

13. Februar 2011



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